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Weltmeister Spanien erlebt beim WM-Start gegen die Niederlande ein Debakel. War es ein Ausrutscher? Oder der Anfang vom Ende?

Salvador da Bahia - Nach der historischen Pleite suchte Xavi nicht lange nach Ausflüchten.

"Es war ein Debakel", gab der Mittelfeldstar des entzauberten Weltmeisters Spanien nach dem 1:5 zum WM-Auftakt gegen die Niederlande (Bericht) zu: "Wir haben alles falsch gemacht."

Die höchste Niederlage der "roten Furie" seit über einem halben Jahrhundert hatte nicht nur den Taktgeber des lange so erfolgreichen Tiki-taka-Fußballs geschockt.

"Der schlimmste Albtraum des Meisters", titelte das Sportblatt "AS" und brachte das kollektive Entsetzen in Spanien auf den Punkt. "El Pais" beschrieb die Vorführung als "Inferno". (Die Pressestimmen im Überblick)

"Ich finde keine Worte"

Die unmittelbar Betroffenen taten sich hingegen teilweise schwerer damit, das eigentlich Unfassbare zu fassen. "Ich finde keine Worte, das zu erklären", sagte Nationaltrainer Vicente del Bosque.

Bei ihren EM-Triumphen 2008 und 2012 sowie ihrem WM-Sieg 2010 hatten die Spanier in 19 Spielen insgesamt gerade mal sechs Gegentore kassiert - nur eines mehr als an diesem denkwürdigen Abend in Salvador da Bahia in 90 Minuten. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Der Vater der letzten beiden Titelgewinne ging noch zur Schule, als eine Seleccion zum letzten Mal so hoch verlor: 1963 2:6 gegen Schottland.

Casillas entschuldigt sich

"Ich fühle mich schlecht, ich bin sauer und enttäuscht", gestand der 63-jährige del Bosque. Doch unter denen, die in den sechs Jahren seiner Amtszeit von Erfolg zu Erfolg geeilt waren, wollte er keinen Schuldigen auswählen: "Es ist nicht der Zeitpunkt, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen."

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Einer der größten Helden der vergangenen Jahre bot sich freiwillig als Sündenbock an. "Ich muss mich entschuldigen für das, was wir gespielt haben - ich im Besonderen", sagte Torhüter Iker Casillas.

Der 33-Jährige, der bis zum spektakulären Hechtkopfball von Robin van Persie zum 1:1 kurz vor der Pause in 477 WM-Minuten ohne Gegentor geblieben war, patzte vor allem beim 1:4.

Nach einem Rückpass versprang ihm der Ball, van Persie traf zum zweiten Mal und besiegelte endgültig das spanische Debakel.

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Schatten vergangener Tage

"Das war nicht mein bestes Spiel", gab Casillas, bei Real Madrid nur noch Teilzeit-Keeper, etwas beschönigend zu.

Doch auch andere Sieger von gestern waren nur noch Schatten vergangener Tage. Andres Iniesta und Xavi kombinierten lediglich eine Halbzeit lang mit gewohnter Präzision, dann wurden sie von entfesselten Niederländern überrannt. (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

Und Sergio Ramos, zusammen mit Gerard Pique sonst das unüberwindliche Bollwerk in der Defensive, lief Arjen Robben und Co. nur hinterher - bemitleidenswert chancenlos. (BERICHT: Robben macht Holland zum Feierbiest)

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Poschner hält Vorrunden-Aus für möglich

Auf Vereinsebene triumphierten in diesem Sommer Real Madrid in der Champions League und der FC Sevilla in der Europa League. Spaniens Fußball schien gerüstet für den nächsten ganz großen Coup in Brasilien.

Doch die Leistung gegen Oranje war streckenweise derwart desaströs, dass die einst so gefeierte Goldene Generation am Ende scheint.

"Es war auch vorher schon im Bereich des Möglichen, dass man die Gruppenphase nicht übersteht", sagt Spanien-Experte Gerhard Poschner im Gespräch mit SPORT1 und fügte mit Blick auf das Debakel hinzu:

"Das war schon heftig in der Höhe zu verlieren. Dass man mal gegen die Niederlande verlieren kann, ist schon möglich, denn die sind gut. Aber in der Höhe muss man das erst mal wegstecken."

Schlimme Nacht oder schlimmer Sommer?

In Spanien selbst macht sich Verunsicherung breit.

"Das Verwirrendste ist, nicht zu wissen, ob es nur eine schlimme Nacht war oder ob es ein schlimmer Sommer wird", schrieb "AS".

Ob die große Ära von Casillas, Xavi, Iniesta und Co. nun tatsächlich endet, könnte sich schon am kommenden Mittwoch zeigen: Gegen den Geheimfavoriten Chile, der zum Auftakt 3:1 gegen Australien gewann (Bericht), geht es dann bereits um alles oder nichts.

Vor vier Jahren hatte sich Spanien von der Auftaktniederlage gegen die Schweiz - allerdings nur mit 0:1 - schnell erholt.

Auch jetzt setzt del Bosque darauf, das die alternden Stars noch einmal die Kurve kriegen: "Wir haben Erfahrung, wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen."

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