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Youri Mulder war neunmal für die niederländische Nationalmannschaft im Einsatz © getty

Der Ex-Schalker Youri Mulder erklärt im SPORT1-Interview den Erfolg von Oranje. Er schwärmt von Robben und lobt van Gaal.

Von Reinhard Franke

München - Youri Mulder ist ein bodenständiger Typ. Ein Blick auf seine aufgeräumte Vita genügt. Der 45-Jährige spielte in seiner Karriere für nur zwei Vereine: den FC Twente und Schalke 04.

Mit den "Königsblauen" gewann Mulder 1997 unter Trainer Huub Stevens den UEFA-Pokal - sein größter Erfolg als Profi. Heute arbeitet der Belgier als Co-Trainer bei Twente sowie als Sportkommentator.

Vor der zweiten WM-Partie der Niederlande gegen Australien (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Mulder im SPORT1-Interview über Oranje, Arjen Robben, Louis van Gaal und die DFB-Elf. Zudem lobt er die Bayern.

SPORT1: Herr Mulder, die Niederlande sind mit einem 5:1 gegen Spanien ins Turnier gestartet. Hätten Sie das erwartet?

Youri Mulder: Ganz ehrlich? Nein, aber das haben die selbst nicht gedacht (lacht). Louis van Gaal (Bondscoach, Anm. d. Red.) hat die Jungs sehr gut auf die WM eingestellt. Sein Traum war es immer, ein großes Turnier zu gewinnen. Er hat alles gewonnen, was es im Vereinsfußball zu gewinnen gibt. Es fehlt ihm nur ein Titel als Nationaltrainer. Die Spieler sind topfit. Van Gaal hat rechtzeitig das Tempo rausgenommen, damit alle frisch sind. Die Vorbereitung war im Gegensatz zu jener der Spanier ein Unterschied wie Tag und Nacht.

SPORT1: Wie meinen Sie das?

Mulder: Spanien hat sich nur zehn Tage vorbereitet, man ist erst drei Tage vor dem Turnier in Brasilien angekommen. Die meisten Spieler hatten noch das Champions-League-Finale (Real Madrid gewann 4:1 gegen Atletico Madrid, Anm. d. Red.) in den Knochen, auch Barcelona hatte eine lange Saison hinter sich. Alle waren ein bisschen mit den Kräften am Ende. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

SPORT1: Am Abend geht es für Oranje im zweiten Spiel gegen Australien. Kann das ein Stolperstein werden?

Mulder: Von der Qualität her sollte es eigentlich kein Problem sein. Australien hat eine ziemlich neue Mannschaft. Ein paar von ihnen sind bekannt wie Tim Cahill, Tommy Oar und Jason Davidson, aber alle anderen sind ziemlich unbekannt. Die werden mauern und Angst haben vor dem Offensivspiel von Oranje. Man muss abwarten, ob van Gaal sein System ändert. Vielleicht spielt er mit drei Stürmern und vier Verteidigern. Das hat er angekündigt. SHOP: Jetzt Niederlande-Fanartikel kaufen

SPORT1: Was glauben Sie, welche jungen niederländischen Kicker wir demnächst in der Bundesliga sehen?

Mulder: Es gibt da einige Kandidaten bei Oranje. Rechtsverteidiger Daryl Janmaat ist auf jeden Fall ein Spieler für die Bundesliga. Er ist im Aufbauspiel sehr angriffslustig und hat eine Pferdelunge. Er läuft und läuft und läuft. Jeremain Lens ist auch geeignet. Er ist schnell und torgefährlich. Memphis Depay und Bruno Martins Indi sind ebenfalls gute Jungs für die Bundesliga.

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SPORT1: Arjen Robben erzielte im ersten Spiel zwei herrliche Tore. Warum ist er so stark?

Mulder: Weil er fit ist. Bei Robben ist nur seine Fitness entscheidend. Und da muss man den Bayern ein großes Kompliment machen. Bei denen ist jeder Spieler topfit, und Robben kann sich bei den Bayern bedanken, dass seine Karriere in den letzten Jahren so verlaufen ist. Bei Bayern wird kein Spieler verheizt. Ein großes Lob an den Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. .

SPORT1: Dr. Müller-Wohlfahrt wurde zuletzt wegen der Verletzung von Franck Ribery vom französischen Mannschaftsarzt angegriffen. Können Sie das nachvollziehen?

Mulder: Ich weiß nicht, was die Franzosen sagen. Das ist bei dem einen Spieler so und bei dem anderen so. Ich sehe nur Robben, und der blüht gerade auf. Vielleicht ist Ribery der einzige Spieler, bei dem es nicht so gut gelaufen ist.

SPORT1: Ist Robben in der Form seines Lebens?

Mulder: Ja, unbedingt. Ich habe großen Respekt vor ihm. Wenn man die letzten vier, fünf Jahre sieht, auf welch hohem Niveau er gespielt hat, dann ist das unglaublich. Er liebt den Fußball, und da liegt auch eine Gefahr. Er muss nämlich aufpassen, dass er vor Spielfreude nicht überdreht, wenn das Spiel schon längst entschieden ist. Natürlich möchte er immer mehr, aber da kann er sich vielleicht verletzen.

SPORT1: Louis van Gaal wird nach der WM Trainer bei Manchester United. Manch einer dachte, dass er nur noch mit halbem Herz Nationaltrainer ist. Sie auch?

Mulder: Nein. Er ist voll bei Holland. Ich schaue mir alle Trainingseinheiten an, und van Gaal überlässt nichts dem Zufall. Alles ist top organisiert. Es ist aber nicht mehr so streng unter ihm wie in einer Armee. Er ist etwas lockerer geworden, lässt ab und zu die Spielerfrauen ins Hotel und gibt den Jungs auch mal frei. Man sieht gerade den neuen van Gaal.

SPORT1: Sein Vorgänger Bert van Marwijk setzte auf ältere Spieler. War sein System überholt?

Mulder: Das sehe ich nicht so. Er war einer der größten Nationaltrainer Hollands. Van Marwijk hat vor vier Jahren etwas Unglaubliches geschafft, wäre fast Weltmeister geworden. Dass man dann zwei Jahre später bei der EM wieder auf diese Spieler baut, ist auch klar. Man sieht ja jetzt, was bei Spanien passiert.

SPORT1: Wer wird Weltmeister?

Mulder: Ich hoffe natürlich Holland. Aber wenn ich Deutschland sehe und mit 2010 oder 2006 vergleiche, dann hätten sie aufgrund der Entwicklung ihres Fußballs den Titel als Belohnung schon verdient. Das Spiel gegen Portugal war der Wahnsinn. Ein großes Kompliment, wie man jetzt in Deutschland Fußball interpretiert. Das ist bemerkenswert.

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