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Louis van Gaal (l.) gratuliert Georginio Wijnaldum zum Siegtor gegen Australien © getty

Louis van Gaals Rückkehr zum 4-3-3 ist der Schlüssel zum Achtelfinal-Einzug der Niederlande. Das Königspaar macht auf Merkel.

Von Frank Hellmann

So prominente Gäste saßen noch nicht auf den Plätzen des umgebauten Estadio Beira-Rio in Porto Alegre.

Und so jauchzte das Publikum vor Freude, wenn die Stadionregie König Willem-Alexander und seine Frau Maxima auf die Videoleinwand schnitt.(DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Und ohne Frage, es sah ja wirklich hübsch aus, wie sich das niederländische Königspaar wieder die orangefarbenen Schals umgebunden hatte, um ihrer "Elftal" Beistand zu leisten.

Gegen Chile um Gruppensieg

Was in Polen und der Ukraine vor zwei Jahren bei der EM noch gewaltig schiefgegangen war - das Aus erfolgte nach der Vorrunde - hat nun bei der WM in Brasilien einiges genützt: Mit dem schwer erkämpften 3:2 gegen Australien löste Oranje vorzeitig das Achtelfinalticket.

Im letzten Gruppenspiel am Montag in São Paulo gegen Chile geht es um den Gruppensieg ? und vor allem darum, einem Aufeinandertreffen mit Gastgeber Brasilien aus dem Wege zu gehen.

Sneijder hält Rede

Ein Szenario, das die Niederländer an diesem kühlen Abend in der Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Sul aber noch nicht beschäftigte.

Erst einmal musste das Weiterkommen gefeiert werden: Das Königspaar auf der Tribüne war darüber so erfreut, dass es in die niederländische Kabine spazierte, wo Wesley Sneijder eine kleine Rede hielt, wie Louis van Gaal erläuterte: "Sie haben uns gratuliert, es wurden Bilder gemacht, das war wirklich wunderbar."

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Rückkehr zum 4-3-3

Bei solch hohem Besuch tritt gar das Alphatier unter den Fußballlehrern gerne in den Hintergrund.

Van Gaal galt hinterher indes als ein wichtiger Matchwinner. Die Wende nach einer schwachen ersten Halbzeit war schließlich der von ihm eilig verordneten Rückkehr zum alten Erfolgsmodell im 4-3-3-System zu verdanken.

"Wir haben viel zu sorglos und risikoreich gespielt. So geht das nicht", konstatierte der Bondscoach im strengen Tonfall, "dann habe ich entschieden, dass wir eine Strategie wählen, die uns mehr Möglichkeiten bietet."

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Und das ist nun einmal die Variante mit zwei permanent besetzten Flügeln, auf denen sich nach der Pause eben Robben (rechts) und Memphis Depay (links) austoben durften. Van Gaal nennt es die "niederländische Doktrin", die zum Fußball des kleinen Landes gehört wie die Tulpen in Amsterdam.

"Jeder Niederländer kennt dieses System. Das lernt man schon im Kindesalter, da musste ich gar nicht viel sagen."

Depay als Siegbringer

Der 20-jährige Depay vom PSV Einhoven war für den mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebrachten Bruno Martins Indi ins Spiel gekommen und sollte derjenige sein, der das 2:2 von Robin van Persie (58.) vorbereitete und das 3:2 mit einem Fernschuss selbst erzielte (68.), wenn auch unter gütiger Mithilfe von Australiens Torwart Mathew Ryan.

Van Gaal erklärte später, er habe bei einer Unterredung mit seinen Assistenten Patrick Kluivert und Danny Blind das Happy End kommen sehen.

Der frühere Bayern-Trainer verneinte allerdings Mutmaßungen, die Spieler hätten ihn dazu aufgefordert, doch bitte zunächst an der 3-5-2-Formation festzuhalten. "Zu mir ist keiner gekommen. Ich habe immer betont, dass es wichtig ist, beide Systeme zu beherrschen."

"Noch zu viele Fehler"

Welche Strategie in den nächsten Spielen die Richtige ist, behielt van Gaal noch für sich, doch der 62-Jährige muss auf jeden Fall seinen Sturm neu besetzen.

Der wie Robben bereits dreimal erfolgreiche van Persie fehlt gegen Chile gesperrt, und eingedenk der Defensivschwächen der Kollegen sind die beiden Asse in der Offensive die niederländische Lebensversicherung.

"Wir sind weiter, das hätte nach zwei Spielen in dieser Gruppe keiner erwartet", erklärte van Persie. Robben allerdings mag nicht in den Jubelchor uneingeschränkt einstimmen. "Wir haben zwar einen großen Schritt gemacht, aber wir haben es uns auch schwierig getan. Das waren noch zu viele Fehler."

Van Gaal lobt de Jong

Vor allem die unsichere Abwehr um Stefan de Vrij ist ein Schwachpunkt beim dreifachen Vizeweltmeister. Aber selbst wenn wenig geht, gibt es ja immer noch einen wie Arjen Robben, der mit einem unnachahmlichen Sololauf das 1:0 (10.) erzielte. Die Kür des 30-Jährigen zum "Man of the Match" hielt Lehrmeister van Gaal allerdings nicht für richtig.

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"Das wäre nicht meine Wahl gewesen", betonte der Bayern-Trainer, "für mich hat Nigel de Jong ein tolles Spiel gemacht." So als wolle van Gaal sagen: Wenn die Niederlande weit kommen wollen, ist es mit Spielkunst à la Robben allein nicht getan, sondern es braucht auch die Kämpferqualitäten von Typen wie de Jong.

Dem Königspaar mit dem orangefarbenen Schal wird es recht sein.

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