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Coach Vincente del Bosque führte Spanien zu drei Titeln in Folge. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Spieltages © getty

Spanien erlebt gegen Chile ein Fiasko. Nach dem WM-Aus muss ein Umbruch her. Der neue Hoffnungsträger spielt in der Bundesliga.

Aus Rio de Janeiro berichtet Maik Rosner

Rio de Jainero - Vicente del Bosque suchte angestrengt nach einer Erklärung. Seine Augen waren traurig, der Blick wirkte leer.

Als Spaniens Nationaltrainer seine Gedanken ein wenig sortiert hatte, begann er Worte zu formen. Jede Silbe voller Enttäuschung und Frust.

"Wenn so etwas bei einer WM passiert, hat das immer Konsequenzen", sagte der 63-Jährige nach dem blamablen Vorrunden-Aus seiner Seleccion: "Ich denke, dass dieses Team gut und fit ist, aber wir müssen darüber nachdenken, was das Beste für den spanischen Fußball ist."

Dann fügte er knapp hinzu: "Das gilt auch für mich." Es hörte sich an wie eine Abschiedsrede. (908863DIASHOW: Die Bilder des Spieltages)

Erst das peinliche 1:5 zum Turnierauftakt gegen die Niederlande, nun ein nicht weniger ernüchterndes 0:2 (0:2) gegen Chile (Bericht). Die Demontage des Europa-, Welt-, Europameisters der vergangenen sechs Jahre war besiegelt. Und damit das Ende einer Ära.

Neuer Posten für del Bosque?

Del Bosque erbat sich zwar zunächst einmal Bedenkzeit, doch sein Rücktritt wird erwartet. Angeblich gibt es in Spanien bereits Überlegungen, den einstigen Erfolgscoach auf einen neuen Posten zu hieven. Es heißt, er könne beim Verband RFEF Technischer Direktor werden.

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Auch innerhalb der Mannschaft dürfte ein Umbruch unvermeidbar sein. Die Helden sind in die Jahre gekommen. Allen voran Xavi, dieser einst so geniale Spielmacher. Er stand für das zermürbende Kurzpassspiel der Spanier. Ebenso für den tödlichen Pass.

Gegen Chile durfte er schon nicht mehr mitspielen. 90 Minuten auf der Bank. 90 Minuten Qual. Danach ein wortloser Abgang durch die Hintertür.

Mittelfeldspieler Xabi Alonso sprach hingegen aus, was augenscheinlich war: "Wir haben uns den Hunger und den Ehrgeiz nicht bewahren können."

"Marca" titelt: "Das Ende"

Die Spanier schienen in Brasilien am eigenen Stil ermüdet. Statt Tiki-Taka wie bei der WM 2010 und den beiden EM-Titeln 2008 und 2012 reihten sie nun vor allem Fehler aneinander.

"Das Ende", titelte die spanische Sporttageszeitung "Marca" nach dem Vorrunden-Aus, das schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen die ebenfalls bereits gescheiterten Australier am kommenden Montag feststeht.

Das war kurz, das war knapp, das war zutreffend.

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"El Pais" verglich den Niedergang der Seleccion derweil mit der Titanic. Und "AS" war sich sicher: "Das ist das Ende einer einzigartigen Generation, das Ende einer goldenen Ära." (PRESSESTIMMEN: "Vom Himmel in die Hölle")

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Was wird aus Casillas?

Schon nach dem Debakel gegen die Niederlande war mancherorts der Abgesang auf die dominierende Mannschaft der vergangenen Jahre angestimmt worden. Zu alt, zu langsam, zu satt sei diese Elf. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Dabei ging es nicht nur um den 34-jährigen Xavi. Auch Xabi Alonso (32) oder Iker Casillas (33) waren gemeint. Vielleicht sogar der 30 Jahre alte Andrés Iniesta. Noch so ein Urvater des Tiki-Taka.

Nach der Pleite gegen Chile stand der Mittelfeldspieler in den Katakomben des Stadions und wirkte noch ein wenig blasser als sonst. "Wir waren ganz oben", sagte er: "Jetzt sind wir ganz unten. Das ist ein sehr schwieriger Moment. Grausam."

Für die WM 2018 in Russland dürfte mit ihm nicht mehr geplant werden, selbst die EM 2016 in Frankreich steht sehr in Frage. Maßgeblich entscheiden könnte darüber pikanterweise del Bosque, sofern er tatsächlich auf den Posten des strategischen Koordinators rutschen sollte.

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Thiago nun der Hoffnungsträger

Abwehrchef Sergio Ramos zeigte sich derweil trotzig: "Das ist nicht das Ende einer Ära", sagte der 28-Jährige, der noch im vergangenen Monat mit Real Madrid das Champions-League-Finale gegen den den Stadtrivalen Atletico gewonnen hatte: "Wir haben eine rosige Zukunft vor uns."

Tatsächlich steht der nächste Schwung hochkarätiger Talente schon in den Startlöchern. Spanien gewann die vergangenen beiden U-21-Europameisterschaften.

Als größter Hoffnungsträger gilt ein gewisser Thiago Alcantara vom FC Bayern. Der 23-Jährige hätte der Mannschaft schon in Brasilien gut zu Gesicht gestanden, fehlte aber verletzt.

Bei Thiago schmerzte das Knie. In ganz Spanien dürften es nun die Seelen sein.

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