Spaniens frühes Aus bedeutet das Ende einer Ära im Weltfußball. Coach del Bosque hat zu lange auf seine alten Helden gesetzt.

Der 18. Juni wird als trauriger Tag in die spanische Geschichte eingehen.

Erst dankte der König ab, dann traten die Könige des Weltfußballs ab.

Als Mitfavorit in die WM gegangen, ist die spanische Nationalmannschaft nach nicht mal einer Woche sang- und klanglos aus dem Turnier geflogen.

Und das keinesfalls unglücklich: Der Titelverteidiger war sowohl beim 1:5-Debakel gegen die Niederlande als auch beim 0:2 gegen die überragenden Chilenen chancenlos.

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Das frühe Aus bedeutet eine Zäsur im Weltfußball, denn die Ära der Dominanz durch die bei den letzten drei Großturnieren siegreiche Seleccion geht damit zu Ende - und mit ihr das Tiki-Taka-Modell.

So sehr Vicente del Bosque von der Vorarbeit des FC Barcelona bei den Triumphen profitierte, so sehr hat er den richtigen Zeitpunkt für Veränderungen verpasst.

Der 63-Jährige ist vermutlich auch zu sehr Moderator zwischen den verfeindeten Lagern aus Barcelona und Madrid als harter Analytiker. Denn sonst hätte er die Konsequenzen aus dem schleichenden Verfall des Barca-Erfolgsmodells gezogen.

Gerade nach der abgelaufenen Saison hätte der Nationalcoach viel mehr auf Spieler von Meister Atletico Madrid setzen und auch den erfolgreichen Legionären wie Javi Martinez, Santi Cazorla oder Juan Mata einen Stammplatz geben müssen.

Stattdessen setzte er auf die alternden Anführer, die ihren Zenit überschritten haben - allen voran Iker Casillas und Xavi.

Dafür baute er seine Erfolgself von 2010 und 2012 genau auf der falschen Position um, indem er statt eines spielerischen Stürmers oder der "falschen Neun" auf den wuchtigen Keilstürmer Diego Costa setzte.

Doch auch der gebürtige Brasilianer glich einem Totalausfall, weil er nicht ins Spielsystem der Seleccion passt.

Hinzu kam, dass die Stützen der Mannschaft einer langen und Kräfte raubenden Spielzeit Tribut zollen mussten und bei der WM überspielt wirkten. Exemplarisch dafür standen Sergio Ramos und Xabi Alonso, die beide weit von ihren Leistungen bei Champions-League-Sieger Real entfernt waren.

Nun steht der spanische Fußball vor einem Scherbenhaufen, den Neuaufbau wird voraussichtlich ein neuer Nationaltrainer übernehmen müssen.

Sorge vor einer jahrzehntelangen Agonie müssen sich die iberischen Fans allerdings nicht machen. Spanien ist nicht nur im Vereinsfußball, sondern auch im Nachwuchs weiterhin Weltspitze.

Es braucht nur frischen Wind und neue Gesichter. Eine weitere Parallele zum Wechsel auf dem Königsthron.

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