Nach dem cleveren 2:0 gegen Chile gehen die Niederlande als ernsthafter Titelanwärter ins Achtelfinale - auch dank Arjen Robben.

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Aus Sao Paulo berichtet Maik Rosner

Sao Paulo - Bei Fragen nach seiner Abwehr geriet Louis van Gaal in Angriffslaune.

Mit Gegenfragen attackierte der Bondscoach einen Journalisten aus der Heimat. Der hatte es gewagt, die Taktik mit einer Fünferkette im Spiel gegen den Ball als "defensiv" zu bezeichnen. Was van Gaal ziemlich ungemütlich werden ließ (910866DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Doch auch abseits dieses Streitgesprächs hatte der 62-Jährige nach dem 2:0 (0:0) gegen Chile (Spielbericht) und dem damit gesicherten Gruppensieg noch einige wichtige Botschaften an die Konkurrenz zu übermitteln.

Eine "fantastische Vorrunde" sei das gewesen, "wie man sie besser kaum spielen könnte."

"Wir können Weltmeister werden"

Wenn nun auch noch die Chancenverwertung optimiert werde, "können wir wirklich Weltmeister werden", sagte van Gaal (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

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Vier Siege wären dafür noch nötig, der erste im Achtelfinale am Sonntag gegen Mexiko. Gastgeber Brasilien gehen die Holländer dank der späten Jokertore von Leroy Fer (77.) und Memphis Depay (90.+2) nun wie gewünscht aus dem Weg.

Chile darf sich dafür bereits am Samstag mit der Selecao messen.

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Profitiert Oranje vom Favoritensterben?

Die bisherigen Überraschungen der WM könnten den Niederländern nun auch bei ihrem Marsch in Richtung Finale behilflich sein.

Denn: In der zunächst als schwieriger eingeschätzten ersten Spielplanhälfte mit den Gruppen A bis D, die auch in den Viertelfinals noch untereinander bleibt, lichteten sich die Reihen potenzieller Mitfavoriten schon beträchtlich.

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Zudem hat Oranje einen der bisher überragenden WM-Spieler in seinen Reihen: Arjen Robben hat maßgeblich Anteil daran, dass die Niederländer mit guten Aussichten in die K.o.-Spiele gehen können.

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Robben überzeugt einmal mehr

Der Star des FC Bayern war gegen Chile zwar nicht als Torschütze aufgefallen, anders als zweimal beim 5:1 gegen den blamierten Weltmeister Spanien und einmal im Anschluss gegen Australien (3:2).

Dafür überzeugte der 30-Jährige nun als taktisch disziplinierter Kapitän, als Stellvertreter des gesperrten Robin van Persie und vor allem als Mann für die besonderen Momente.

Sein Solo über den halben Platz kurz vor der Halbzeit war so einer, sein Flügelsprint samt präziser Vorlage vor dem 2:0 ein weiterer.

Ob er gerade in der Form seines Lebens sei, wurde Robben gefragt.

"Es fällt vielleicht jetzt mehr auf, weil ich über lange Zeit fit bin. Wenn ich topfit bin, habe ich meine Kraft und meine Schnelligkeit. Dann fühle ich mich gut auf dem Platz", sagte er.

Taktische Meisterleistung

Insgesamt beeindruckten die Niederlande vor allem taktisch. Denn den Knebelkickern aus Chile entzogen sie mit ihrer abwartenden Spielweise den Hebel zum sonst so wuchtigen Pressing.

Die Mannschaft des argentinischen Trainers Jorge Sampaoli musste nun selbst das Spiel machen und verfing sich dabei immer wieder im kompakten Verbund der gegnerischen Verteidigung.

Reif und clever wirkte die Herangehensweise der Mannschaft van Gaals. Und spätestens nach diesem bestandenen Härtetest hat sie sich zu einem WM-Favoriten gemausert.

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Vidal: "Wir geben unser Leben"

Wenn es nach den Chilenen geht, wird man sich bei diesem Turnier aber noch einmal wiedersehen, trotz des kniffligen Achtelfinals gegen den Gastgeber.

"Wir wollten nicht gegen Brasilien spielen", sagte der ehemalige Bundesligaprofi Arturo Vidal, "aber Brasilien wollte noch viel weniger gegen uns spielen. Weil wir eine Mannschaft sind wie ein Selbstmord-Kommando. Wir geben unser Leben für diese WM."

Ob das zum gewünschten Ziel führt? Robben hält das durchaus für möglich.

"Das ist eine überragende Mannschaft", sagte er voller Respekt: "Jetzt ist Chile zwar Gruppenzweiter, aber die können noch sehr weit kommen."

Van Gaal und der "goldene Willi"

Auch van Gaal gab sich am Ende des Abends wieder versöhnlich und sorgte sogar für Gelächter.

Durch die Einwechslung der beiden Torschützen Leroy Fer und Memphis Depay hatte er ein glückliches Händchen bewiesen. Oder eben einen "goldenen Willi" - wie es eine von Arjen Robben benutzte Redewendung im Hochniederländischen beschreibt.

Von einem TV-Reporter darauf angesprochen, reagiete der Bondscoach verdutzt und brachte seine Ehefrau Truus ins Spiel.

Was also sage van Gaal zu seinem goldenen Willi, lautete die Frage. "Das weiß ich nicht. Das hat Truus noch nie gesagt", lautete die Antwort des Trainers.

Ein von taktischer Disziplin geprägter Abend endete mit einer schlüpfrigen Note.

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