Die FIFA muss Uruguays Suarez für seine Beißattacke hart bestrafen. Doch auch andere versagten an diesem Abend auf ganzer Linie.

Das Spiel zwischen Uruguay und Italien wird als unwürdiges Schauspiel in die WM-Geschichte eingehen, und das nicht nur wegen des Skandals um Beißer Luis Suarez.

Unwürdig, weil der vierfache Weltmeister Italien und der zweifache Weltmeister Uruguay bei der bisher so begeisternden Endrunde Fußball zum Abgewöhnen zeigten. Statt des Balls wurde meistens nur der Gegner getreten.

Unwürdig, weil der FIFA mit dem Mexikaner Marco Rodriguez wieder mal bei einem entscheidenden Spiel der Kontinentalproporz wichtiger war als die fachliche Qualität des Schiedsrichters.

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Und so hatte der überforderte Mann in Schwarz entscheidenden Anteil am Verlauf der Partie, in dem er Marchisio eine überharte Rote Karte zeigte und so für eine mehr als halbstündige Überzahl der Uruguayer in der Hitze von Natal sorgte. Und indem er Suarez' Beißattacke ebenso wenig mit dem fälligen Platzverweis ahndete wie Chiellini für den anschließenden Ellbogenschlag.

Unwürdig aber auch, weil sich die meisten Italiener am Ende nicht zu schade waren, diese Fakten als Ausrede für ihr eigenes Versagen zu nehmen. Dabei hat der Weltmeister 2006 auf ganzer Linie enttäuscht, versagte spielerisch und auch konditionell und fährt daher zu Recht zum zweiten Mal in Folge nach der Vorrunde nach Hause.

Die Flucht von Totalausfall Balotelli in den Teambus, während die Kollegen auf die Abschiedsrede von Pirlo warteten, passte da ins desaströse Bild der Squadra Azzurra. Viel tiefer kann das Land mit der einst stärksten Liga der Welt fußballerisch kaum mehr sinken.

Und unwürdig vor allem, weil Suarez' unfassbare Tätlichkeit noch mit dem Weiterkommen der Uruguayer belohnt wurde. Nach zwei früheren Beißangriffen auf Gegenspieler und anderen Ausrastern muss die FIFA den Wiederholungstäter drastisch bestrafen und auch die maximale Sperre von bis zu zwei Jahren ernsthaft in Betracht ziehen.

Man darf daher gespannt sein, ob sich die FIFA dem unwürdigen Schauspiel anschließt und nur eine eher symbolische Sperre für ein oder zwei Spiele ausspricht, um einen der großen Stars im Turnier zu behalten, wie bereits spekuliert wird.

Unwürdig war ja auch, wie Suarez und seine Mitspieler danach den Ausraster noch zu rechtfertigen versuchten. Man solle das nicht überbewerten, Chiellini habe angefangen, meinte der Übeltäter tatsächlich. Und Lugano behauptete sogar, Chiellini habe die Bisswunde schon vorher gehabt.

Würdig war hingegen, wie sich Gianluigi Buffon von der großen Bühne verabschiedete. Nach seinem wohl letzten Länderspiel schimpfte Italiens Torhüter weder auf den Schiedsrichter noch auf Suarez, sondern sagte, man habe versagt und solle die Schuld nicht immer bei den anderen suchen. Ein echtes Vorbild ? das einzige an diesem unwürdigen Abend.

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