Belgien gilt als Geheimfavorit. Russland setzt auf Capello, Südkorea auf ein Bundesliga-Duo. Der SPORT1-WM-Check: Gruppe H.

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Von Denis de Haas

München - Den Belgiern hat es die Vorbereitung zur WM gehörig verhagelt - und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Testspiel gegen Tunesien musste das Team in einem kräftigen Hagelschauer bestreiten und mühte sich zu einem 1:0-Erfolg.

Trotz dieser chaotischen Vorbereitung gelten die Belgier als Geheimfavorit für die am Donnerstag startende WM-Endrunde.

Nach zwölf Jahren Turnierabstinenz haben die "Roten Teufel" wieder eine Qualifikation überstanden. Dabei präsentierte sich das Team so souverän, dass es bei der Auslosung gesetzt war (ÜBERSICHT: Die WM-Kader der Gruppen E bis H).

Nun müssen die Belgier sich zunächst gegen Algerien, Russland und Südkorea beweisen (SHOP: Jetzt Fanartikel kaufen).

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SPORT1 blickt auf das Turnier in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) und beleuchtet bis zum Start alle acht Vorrundengruppen. Diesmal ist die Gruppe H an der Reihe. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

BELGIEN

Bisherige Erfolge: WM-Vierter 1986, Vize-Europameister 1980

Trainer: Beim Namen Marc Wilmots schlagen die Herzen der Schalker Fans höher. Der Belgier gehörte zum Team der Eurofighter, das 1997 den UEFA-Cup nach Gelsenkirchen holte. "Willy, das Kampfschwein" begann auch seine Trainerkarriere auf Schalke ? 2003 arbeitete er dort als Interimscoach.

Über St. Truiden kam Wilmots zum belgischen Verband. Dort arbeitete er zunächst als Co-Trainer, seit 2012 trägt er die Hauptverantwortung.

Wilmots schaffte es auch, die unterschiedlichen Nationalitäten zu einen. "Wir halten alle zusammen, es ist inzwischen egal, ob du Flame oder Wallone bist", sagte der 45-Jährige, der 2002 bei der bislang letzten belgischen WM-Teilnahme noch als Spieler aktiv war.

Stars: Wilmots kann für die WM auf eine Truppe von Hochbegabten bauen.

Aus dieser ragt Eden Hazard heraus. Der 22-Jährige wirbelt beim FC Chelsea im offensiven Mittelfeld. Paris St. Germain soll zuletzt eine 75-Millionen-Euro-Offerte für Hazard abgegeben haben - vergeblich.

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Ohnehin stehen alle belgischen Stammspieler bei europäischen Spitzenklubs unter Vertrag: Thibaut Courtois hütet beim spanischen Meister Atletico Madrid das Tor. Die Chelsea-Leihgabe gehört weltweit zu den besten auf seiner Position.

Abwehrchef Vincent Kompany ist Kapitän bei Manchester City. Der frühere Hamburger könnte mit Bayern-Routinier Daniel van Buyten die Innenverteidigung bilden, van Buyten könnte allerdings auch die Bank drohen.

Mit dem Wolfsburger Kevin De Bruyne muss ein weiterer Bundesliga-Spieler um seinen Stammplatz fürchten ? das sagt alles über die Qualität im belgischen Kader aus.

SPORT1-Prognose: Chris Coleman adelte die Belgier im Vorfeld. "Diese Mannschaft hat überragende Qualität. Sie kann Weltmeister werden", sagte der walisische Nationalcoach nach einer Niederlage in der WM-Qualifikation. Für den großen Wurf dürfte der Mannschaft die Erfahrung fehlen. Allerdings sollte es für den souveränen Gruppensieg und auch für den Einzug ins Viertelfinale reichen.

ALGERIEN

Bisherige Erfolge: WM-Teilnahmen 1982, 1986 und 2010, Afrikameister 1990

Trainer: Zum zweiten Mal in Folge hat Vahid Halihodzic ein afrikanisches Team zur WM geführt. Die Episode als Coach der Elfenbeinküste endete jedoch unrühmlich. Der Verband entließ Halihodzic Anfang 2010, Sven-Göran Eriksson coachte die Ivorer bei der WM in Südafrika.

Nun darf Halihodzic mit Verspätung seine WM-Premiere feiern. Der Bosnier - einst Angreifer im jugoslawischen Nationalteam - stellte in der Qualifikation übrigens ungeahnte Qualitäten unter Beweis.

Nach dem Playoff-Erfolg über Burkina Faso tanzte der 61-Jährige zur traditionellen Rai-Musik.

Stars: Kapitän Madjid Bougherra avancierte im Vorjahr zum Nationalhelden. Mit seinem Treffer gegen Burkina Faso öffnete der Innenverteidiger das Tor zur WM. Der 31-Jährige sammelte einst Erfahrung in England und Schottland, mittlerweile verdient er sein Geld beim katarischen Klub Lekhwiya.

In der Offensive ruhen die Hoffnungen auf Soufiane Feghouli. Der 24-jährige sorgte in der Europa League mit dem FC Valencia für Furore. Auch dank starker Leistungen von Feghouli drang das Team bis ins Halbfinale vor. Der Außenstürmer soll zwischenzeitlich auch bei Manchester United auf dem Wunschzettel gestanden haben.

SPORT1-Prognose:Für die Algerier war schon die Qualifikation ein großer Erfolg. Glück hatten die Nordafrikaner danach bei der Auslosung, die ihnen keine Hammergruppe bescherte.

Dennoch: Die Achtelfinal-Teilnahme wäre schon eine große Überraschung.

RUSSLAND

Bisherige Erfolge:WM-Vierter 1966, Europameister 1960 (jeweils als UdSSR)

Trainer: Der Star der "Sbornaja" sitzt auf der Bank. Fabio Capello holte als Vereinstrainer neun Landesmeister-Titel und führte den AC Mailand 1994 zum Gewinn der Champions League. Auf große Erfolge als Nationaltrainer muss der Italiener noch warten.

Mit der englischen Nationalmannschaft erlebte Capello vor vier Jahren ein bitteres Aus im Achtelfinale: Bei der WM in Südafrika setzte es eine 1:4-Pleite gegen Deutschland.

Seit Juli 2012 arbeitet Capello nun in Russland. Mit seiner Defensivtaktik schaffte er in der Qualifikation den Gruppensieg vor den Portugiesen.

Stars: Alexander Kerschakow ist weiterhin die Fixpunkt der russischen Offensive. Der Intimus von Staatspräsident Wladimir Putin zeigte zuletzt im Testspiel gegen die Slowakei wieder seine Torjägerqualitäten.

Während sich Kerschakows Karriere dem Ende entgegen neigt, steht Alan Dsagojew von ZSKA Moskau noch am Anfang seiner Laufbahn. Der 24-Jährige ? bei der EM 2012 einer der besten Torschützen ? könnte sich mit einem guten Turnier für einen europäischen Topklub empfehlen.

SPORT1-Prognose: Im russischen Team hat es zuletzt einen Umbruch gegeben. Altstars wie Andrej Arschawin, Roman Pawljutschenko und Pawel Pogrebnjak gehören nicht mehr zur Nationalmannschaft.

Ihre Nachfolger werden Probleme bekommen, in Brasilien die Gruppenphase zu überstehen. Mit viel Glück und einer guten Capello-Taktik ist Platz zwei jedoch machbar.

SÜDKOREA

Bisherige Erfolge: WM-Vierter 2002, Asienmeister 1956 und 1960

Trainer: Hong Myung-bo nimmt bereits zum fünften Mal an einer WM teil. Zwischen 1990 und 2002 stabilisierte er die Defensive der Südkoreaner. Bei der Heim-WM gehörte Hong der Mannschaft an, der durch einen überragenden Oliver Kahn der Weg ins Endspiel verbaut wurde.

Als Trainer führte er zunächst die koreanische Olympia-Mannschaft in London zur Bronzemedaille. Seit Juni 2013 ist der nun 45-Jährige für die A-Nationalmannschaft verantwortlich.

Stars: Koreas Schlüsselspieler verdienen ihr Geld in Deutschland. Angreifer Heung-Min Son sammelte mit Bayer Leverkusen bereits Erfahrung in der Champions League. Der Mainzer Ja-Cheol Koo ist Taktgeber im Mittelfeld.

Auch auf Chu-Young Park wird es in Brasilien ankommen. Der Angreifer stand zuletzt beim FC Arsenal unter Vertrag, wurde von den "Gunners" aber mehrmals verliehen.

SPORT1-Prognose: Südkorea dürfte sich mit den Russen um Platz zwei duellieren. Überstehen sie die Vorrunde, könnte es im Achtelfinale ein Duell mit der DFB-Auswahl geben. Hier wäre dann wahrscheinlich Endstation.

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