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Gutes Händchen: Torschütze Marouane Fellaini (l.) bedankt sich bei Marc Wilmots © getty

Belgien dreht gegen Algerien das Spiel, Trainer Marc Wilmots wechselt die Torschützen ein. Algerien kann nur 70 Minuten mithalten.

Belo Horizonte - Marc Wilmots wischte sich den Schweiß von der Stirn und atmete einmal kräftig durch: Der schwere Gang seiner Roten Teufel zum 2:1 (0:1)-Zittersieg gegen Algerien hatte beim Trainer von Geheimfavorit Belgien Spuren hinterlassen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Aber Wilmots konnte schnell wieder lächeln: Sein goldenes Händchen und ein Psychotrick hatten die Wende zum Guten gebracht. "Ich habe in der Halbzeit einen Zettel an die Wand gehängt. Da stand drauf: 'Die Bank gewinnt das Spiel'", sagte der ehemalige Schalker Eurofighter und ergänzte zufrieden: "Und? Die Bank hat das Spiel gewonnen!"

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In der Tat. Die eingewechselten Marouane Fellaini (70.) und Dries Mertens (80.) zwangen den starken Außenseiter in die Knie. Doch auch Wilmots war klar, dass sich sein Team gegen das Defensiv-Bollwerk der Afrikaner alles andere als mit Ruhm bekleckert hatte.

Wilmots lobt mentale Kraft

"Wir wussten, dass es schwer werden würde", sagte Wilmots, "aber mein Team hat mentale Kraft gezeigt."

Auch eine Kabinenansprache von Bayern-Oldie Daniel van Buyten soll den Belgiern offenbar geholfen haben. "Ich bin ja so etwas wie der große Bruder für unsere jungen Spieler. Einige waren in der Halbzeit richtig am Boden", sagte der 36-Jährige von Bayern München: "Ich habe versucht, auf sie einzureden und sie wieder aufzurichten. Es ist wichtig, dass wir immer an uns glauben."

Tatsächlich bewiesen die "Teufelchen", das drittjüngste WM-Team, große Moral, nachdem sie lange dem Rückstand durch Sofiane Feghouli hinterhergelaufen waren.

Feghouli beendet Durststrecke

Der Offensiv-Allrounder vom FC Valencia hatte mit einem Foulelfmeter (25.) das erste WM-Tor für sein Land seit 1986 erzielt.

Auch die Afrikaner dürfen trotz der Niederlage weiter auf den Einzug ins Achtelfinale hoffen - in dieser Verfassung können sie auch gegen die weiteren Gruppengegner Russland und Südkorea bestehen.

So sah es auch Torschütze Feghouli: "Das war eine sehr gute Vorstellung von uns gegen einen der Geheimfavoriten", sagte er, "wir werden darauf aufbauen und gegen Südkorea gewinnen."

Die hoch veranlagten Belgier verzweifelten zunächst an der ungemein disziplinierten und effektiven Defensive der Algerier, die kompromisslos die Jungstars um Eden Hazard (FC Chelsea) und Kevin De Bruyne (VfL Wolfsburg) in Schach hielten.

Courtois ohne Chance

Zudem nutzten sie den entscheidenden Fehler der ersten Halbzeit gnadenlos aus: In der Elfmeter-Situation ließ Jan Verthongen den schnellen Feghouli laufen und brachte ihn bei einer langen Flanke zu Fall - Feghouli verwandelte den Elfmeter gegen Thibaut Courtois im Tor der Belgier sicher.

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Den Belgiern fiel danach nichts ein, ihr Spiel war zu statisch und zu langsam, auch Fernschüsse von Verthongen und Axel Witsel brachten das algerische Tor kaum in Gefahr - der Favorit enttäuschte auf der ganzen Linie.

Wilmots, der in der Innenverteidigung überraschend den schon 36 Jahre alten Daniel Van Buyten von Bayern München statt Thomas Vermaelen vom FC Arsenal aufbot, reagierte in der Halbzeit.

Stürmerstar Lukaku wirkungslos

Doch auch mit Mertens für Nacer Chadli und später Divock Origi für den völlig wirkungslosen Stürmerstar Romelu Lukaku (58.) wurde es zunächst nicht besser. Belgien rannte kopflos an, die erste große Möglichkeit nach der Pause hatten sogar die Algerier: Der Kopfball von El Arbi Soudani verfehlte das belgische Tor nur knapp.

Dann machte Wilmots, der Schütze des bis dahin letzten WM-Tors der Belgier (WM 2002), mit der Einwechslung von Fellaini alles richtig.

Erst sorgte der Angreifer von Manchester United in der 66. Minute für die erste Chance der Europäer nach dem Wiederanpfiff, die Algeriens Torwart Rais M'Bolhi noch stark vereitelte. Vier Minuten später war er dann aber mit dem Kopf zur Stelle und besorgte den Ausgleich.

Mertens sogt für Jubel

De Bruyne hatte die Flanke geschlagen. Als dann auch noch Mertens nach Vorarbeit von Hazard traf, war klar: Wilmots hatte alles richtig gemacht.

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"Ich bin glücklich, als Joker getroffen zu haben" sagte der Siegtorschütze, "aber das war nur ein erster Schritt."

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