vergrößernverkleinern
ZUM DURCHKLICKEN: Die WM-Bilder vom Dienstag © getty

Marc Wilmots lässt nach dem Auftaktsieg gegen Algerien keine Kritik an Belgiens Team zu - und feiert sich selbst für seine Wechsel.

Aus Belo Horizonte berichtet Maik Rosner

Belo Horizonte ? Ein bisschen erinnerte sein Auftritt schon an den alten Spitznamen.

"Willi, das Kampfschwein" war in Fahrt. Und gar nicht amüsiert. Wie einst als Profi bei Schalke 04 schaltete Marc Wilmots in den Angriffsmodus.

"Haben Sie erwartet, dass wir 4:0 gewinnen? Ich weiß nicht, ob Sie schon registriert haben, wo wir uns befinden. Das hier ist eine WM", schimpfte Belgiens Nationaltrainer giftig.

Den 2:1-Sieg gegen Algerien (Bericht) rechnete er ganz unbescheiden seinem kleinen Psychotrick in der Pause und seinen folgenden Einwechselungen zu. "Ich habe in der Halbzeit einen Zettel an die Wand gehängt. Da stand drauf: Die Bank gewinnt das Spiel", sagte der Coach und beantwortete seine rhetorische Frage umgehend selbst:

"Und? Die Bank hat das Spiel gewonnen."(DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Trainer mit glücklichem Händchen

Trotz des vielleicht etwas unfeinen Selbstlobs stimmt das natürlich im Kern. SHOP: Jetzt Belgien-Fanartikel kaufen

Die Einwechselungen im ersten WM-Spiel der Belgier seit zwölf Jahren sorgten tatsächlich für den entscheidende Schwung und das Erfolgserlebnis.

[image id="5fc30472-63a8-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Marouane Fellaini (70.) und Dries Mertens (80.) hatten die Wende nach ihren Hereinnahmen mit ihren späten Toren herbeigeführt und den Rückstand durch Sofiane Feghoulis 0:1 per Foulelfmeter (25.) noch wettgemacht.

Wie ein Geheimfavorit war Belgien allerdings nicht aufgetreten, sondern über weite Strecken eher wie eine Mannschaft, die sich erst einmal orientieren muss im ungewohnten Ambiente. 2002 war die Nationalelf zuletzt bei einer WM angetreten, auch an der EM durfte sie im Jahr 2000 nur wegen der Gastgeberrolle teilnehmen.

De Bruyne: "Haben Geduld gezeigt"

Wer den Auftakt positiv deuten wollte, für den ließ sich aus dem gedrehten Spiel so etwas wie eine kleine Motivationsspritze für die kommenden Aufgaben gegen Russland und Südkorea ziehen. Ehe es in einem möglichen Achtelfinale gegen die deutsche Elf gehen könnte.

"Mehr als drei Punkte" sei dieser knifflige Start wert gewesen, meinte Kevin De Bruyne: "Denn wir haben Geduld gezeigt, das ist sehr wichtig in so einer Situation." Der Profi des VfL Wolfsburg räumte aber auch realitätsnaher als sein Trainer ein, "nicht wirklich zufrieden" sein zu können.

Dass ihm eine Flanke und ein Ballgewinn vor den beiden Tore sogar die Auszeichnung zum Mann des Spiels eintrug, hatte den 22-Jährigen wohl selbst erstaunt.

Andererseits: Das war immerhin ein bisschen mehr als bei seinen Kollegen, die ja vor allem durch zahlreiche Fehlpässe, verlorene Zweikämpfe und Ballverluste aufgefallen waren, bevor es doch noch zum Sieg gegen Algerien und die Last der Erwartungen reichte.

WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

Starke Mentalität gefordert

Wilmots wischte all diese Makel weg.

"Wir wussten, dass wir geduldig sein müssen. Aber auch nach dem Rückstand waren wir sehr ruhig. Man kann die Mentalität der Mannschaft nur loben", sagte er.

Dann wertete der 45-Jährige die Organisation seiner Elf ziemlich exklusiv als "perfekt". Und das lahmende Offensivspiel? "Wir hatten sechs Chancen, Algerien eine. Punkt!", rechnete Wilmots verärgert vor.

Hätte er die Fragen in kurzen Hosen und auf dem Fußballplatz gestellt bekommen, hätte "Willi, das Kampfschwein" vielleicht noch einmal zur Grätsche angesetzt.

So erlebt der algerische Profi Karim Benyamina das 2:1 bei SPORT1.fm

[soundcloud url="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/154797963=false=false=true=true=false=true"]

"Ich bin glücklich, als Joker getroffen zu haben" sagte der Siegtorschütze, "aber das war nur ein erster Schritt."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel