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Kevin De Bruyne und Torschütze Divock Origi bejubeln Belgiens Achtelfinaleinzug © getty

Trotz zwei wenig überzeugender Siege blickt Belgien einem möglichen Achtelfinale gegen Deutschland selbstbewusst entgegen.

Aus Rio de Janeiro berichtet Maik Rosner

Rio de Janeiro - Kevin De Bruyne trat gewohnt selbstbewusst auf.

Selbst ein mögliches Achtelfinale gegen Deutschland konnte den Bundesligaprofi des VfL Wolfsburg nicht schrecken.

"Wir haben hier keine Angst vor niemandem, auch nicht vor den Deutschen", sagte der 22-Jährige nach Belgiens dünnem 1:0 (0:0) gegen Russland (Bericht), mit dem der Sprung unter die besten 16 Mannschaften der WM in Brasilien bereits gelungen war.

Van Buyten gibt den Mahner

De Bruyne ist in den Turniertagen schon mehrfach durch forsche Töne aufgefallen. Doch offenbar spiegelt diese betont große Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten nicht die Meinung aller Kollegen wider (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Daniel van Buyten jedenfalls warnte vor der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw. "Niemand will gegen Deutschland spielen", sagte er und betonte, er wolle der DFB-Elf im Achtelfinale "gerne aus dem Weg gehen".

Seine Begründung: "Jeder, der sich ein bisschen mit Fußball auskennt, möchte nicht gegen sie spielen. Deutschland ist für mich einer der Titelkandidaten."

Dabei ist die DFB-Elf im Gegensatz zu den Belgiern noch nicht mal für das Achtelfinale qualifiziert.

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Schon wieder Joker-Tor als Rettung

Der 36-jährige van Buyten wird sich nach der WM aus der Nationalelf zurückziehen, beim FC Bayern wurde er bereits verabschiedet. Nur zu gerne würde er seine Brasilien-Reise nun so lang wie möglich ausdehnen.

Dass der erfahrene Innenverteidiger vor Deutschland warnte, dürfte auch an den beiden wenig überzeugenden Siegen seines Teams gelegen haben. Dem erst spät erzwungenen 2:1 gegen Algerien folgte ein noch späteres 1:0 gegen Russland, gerettet durch das Joker-Tor von Divock Origi in der 88. Minute.

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In Messis Fußstapfen

Der Teenager mit seinen 19 Jahren und knapp zwei Monaten verließ das Maracana natürlich beschwingt.

"Dieses Tor werde ich mein Leben lang nicht vergessen", sagte der Angreifer des OSC Lille, seit Lionel Messis Tor 2006 im Alter von knapp 19 Jahren der jüngste Torschütze einer Endrunde.

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Die Belgier haben sich dennoch entschieden, in ihren beiden späten Siegen einen Ausdruck von Qualität zu erkennen. Nicht allein dudurch, dass Trainer Marc Wilmots seine Mannschaft zurecht als fitter einstufte als die des Kollegen Fabio Capello.

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Vor allem wertete Kapitän Vincent Kompany die Geduld als Zeichen von "Reife" bei der zweitjüngsten Mannschaft des Turniers. Hinzu kam die erstaunliche Serie: Alle drei bisherigen WM-Tore erzielten Joker.

"Nicht den besten Fußball gespielt"

Als glückliches Händchen des Trainers wollte De Bruyne das nicht abtun.

"Das ist kein Glück, wenn man so ein tolles Team hat wie wir", sagte der Mittelfeldspieler: "Jeder, der reinkommt, macht seine Sache gut. Wenn das einmal passiert, kann man das als Glück bezeichnen. Aber wir haben das hier jetzt schon zum zweiten Mal gezeigt - und auch fünf-, sechsmal in der Qualifikation."

Auch Wilmots legte den Eindruck nahe, die Drehbücher der Spiele absichtlich so anzulegen.

"Wir haben nicht den besten Fußball der Welt gespielt, aber alles ist so gekommen, wie ich es geplant hatte", behauptete er.

Russland schwinden die Kräfte

Das späte Glück der Belgier ließ sich allerdings auch etwas anders deuten.

Denn wie gegen Algerien fehlte auch gegen Russland lange Zeit die endgültige Konsequenz im Spiel. Erst in den letzten Minuten der Partie profitierte Belgien, wie ebenfalls gegen Algerien, von den schwindenden Kräften beim Gegner.

Das sahen sogar einige der Beteiligten kritisch, wie Eden Hazard, der das 1:0 aufgelegt hatte.

"Wir haben kein gutes Spiel gezeigt, nur in den letzten Minuten. Die Einwechselspieler haben uns gut getan", sagte der Profi des FC Chelsea. Übermäßig selbstbewusst klang das schon nicht mehr.

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