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Brennt auf seine WM-Premiere in Brasiliens Nationalteam: Dante (l., hier mit Hulk) vom FC Bayern © getty

Dante hat noch keine Minute bei dieser WM gespielt. Jetzt winkt dem Bayern-Profi ausgerechnet gegen Deutschland das Debüt.

Aus Brasilien berichtet Frank Hellmann

Belo Horizonte - Als Reservist ist es so eine Sache bei einer WM.

Vor allem nach den Partien, wenn auch die Ersatzspieler durch die Mixed Zone müssen. Die meisten ziehen es dann vor, der Öffentlichkeit nichts auszurichten. Was sollen sie auch sagen?

Dante hat da meist eine Ausnahme gemacht.

Er plaudert dann hier und da, meist geht es um Belanglosigkeiten. Aber nicht immer. Erst kürzlich bekannte der Profi des FC Bayern in einem SPORT1-Interview:

"Es ist ein Vergnügen, hier in Brasilien zu sein; physisch gut darauf zu sein, an mir arbeiten zu können."

"Besser kann es nicht sein"

Jetzt weiß der 30-Jährige auch, wofür er das getan hat: Damit er am Dienstag im Halbfinale gegen Deutschland (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) zum Einsatz kommen kann.

Welch verrückte Geschichte für die Nummer 13 der Selecao, gegen seine Wahl-Heimat sein 13. Länderspiel zu bestreiten.

"Besser kann es nicht sein, das ist das Beste, was es gibt. Ich spiele zu Hause eine WM, und mein Leben ist Deutschland." Wer hat denn dieses Drehbuch geschrieben? (SHOP: Jetzt Brasilien-Fanartikel kaufen)

In erster Linie der brasilianische Kapitän Thiago Silva, der im Viertelfinale gegen Kolumbien (2:1) sich eine törichte Sperre fürs Halbfinale einhandelte. Nun braucht es einen neuen Nebenmann für den überragenden David Luiz.

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"Henrique und ich sind bereit. Wenn ich spielen würde, besser kann es nicht sein", hatte der Wuschelkopf noch am Freitag vorsichtig sagt. Doch sein Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari ist schon einen ganzen Schritt weiter.

"Wir sind in einer Situation, in der sich das jetzt alles ändert. Aber wir haben große Spieler wie Dante." Der Name Henrique fiel in diesem Zusammenhang beim 65-Jährigen nicht.

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Respekt und Vorfreude

Für Dante ginge ein Traum in Erfüllung, wenn er am Dienstag in Belo Horizonte auf dem Rasen stehen würde. "Es wäre unglaublich, das erste Spiel bei einer WM gegen meine Kollegen zu bestreiten."

Er könnte im Estadio Mineirao auf ein halbes Dutzend Münchner Mitspieler treffen, speziell mit Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer oder Philipp Lahm.

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"Klar haben wir Kontakt - wir sind doch Freunde und haben uns immer viel Glück gewünscht", sagt der Musik-Freak, der fast allerorten auch als Stimmungskanone und Hobby-DJ auftritt.

"Deutschland ist einer der Favoriten. Wir haben gesehen, dass sie gut drauf ist. Ihre größte Waffe ist, dass sie mit jeder Situation während eines Spiels zurechtkommen, auch wenn sie unter Druck geraten."

Mit leuchtenden Augen spricht Dante über seine Motivation: "Ich habe viel Erfahrung. Ich werde alles geben. Ich freue mich sehr - ich bin ein bisschen heiß."

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Wechsel nach Gladbach als Glücksfall

Für den Spätstarter Dante wäre der Rollentausch vom Statisten zum Hauptdarsteller in einem historischen Semifinale die Krönung einer keines wegs gradlinigen Karriere.

Sein Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen in Salvador de Bahia war nicht immer einfach.

Er fuhr Tausende Kilometer mit dem Bus, um irgendwo vorzuspielen. Dann kam er bei Caxias Juventude unter. Als er vor einem Jahrzehnt nach Frankreich wechselte, erlebte er beim OSC Lille erstmals Minusgerade und Schnee.

Ein Glücksfall sollte es dann sein, 2008 von Standard Lüttich zu Borussia Mönchengladbach zu wechseln, wo er sich unter Lucien Favre im Stellungsspiel, Kopfballspiel und vor allem im taktischen Verhalten verbesserte. Vor zwei Jahren verpflichtete ihn der FC Bayern für eine festgeschriebene Ablöse von fünf Millionen Euro.

Er ist also im Grunde ein Spätstarter. Oft schon hat die Frohnatur gesagt: "Ich glaube, Glück muss man sich erarbeiten. Das Glück kommt nicht einfach zu dir."

Rolle klar definiert

Sein Status für diese WM war von vornherein klar definiert: Dante gibt den ersten Backup, wenn dem gesetztem Gespann irgendetwas zustößt.

Alle fünf Auftritte der Selecao - vom Eröffnungsspiel gegen Kroatien bis zum Viertelfinale gegen Kolumbien - hatte sich Dante mit der Reservistenrolle begnügen müssen.

Mit seinem ärmellosen Leibchen nur im Bild, wenn den Kameraden Getränkeflaschen reichte oder in den Jubelchor einstimmte. Viel mehr konnte er nicht tun, aber wie wichtig der Rückhalt von der Reservebank ist, wissen Scolaris Auserwählte.

Dante hatte zuvor ausgerichtet: "Wenn ich Weltmeister werden sollte, selbst ohne Einsatz, wäre ich noch glücklicher."

Nun kann es noch viel besser kommen.

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