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Tim Krul (r.) hielt gegen Costa Rica zwei Elfmeter © imago

Bei den Niederlanden lodern vor dem Halbfinale gegen Argentinien kleine Störfeuer. Es gibt Ärger mit der FIFA und um den Keeper.

München ? Der ehemalige Welttorhüter Jean-Marie Pfaff hat den niederländischen Schlussmann Tim Krul für sein Verhalten im Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale gegen Costa Rica (4:3) kritisiert (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"Es war klasse, ohne Frage, dass er zwei Bälle gehalten hat. Doch sein Verhalten hat mich wütend gemacht. Es war skandalös", sagte der Belgier im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt".

Krul, der erst kurz vor dem Showdown von Bondscoach Louis van Gaal für Stammkeeper Jasper Cillessen eingewechselt worden war, hatte die Schützen der Mittelamerikaner vor der Ausführung der Elfmeter angesprochen und zu verunsichern versucht.

Zwei Paraden für das Halbfinale

Mit zwei Paraden ebnete der 26-Jährige den Niederländern den Weg ins WM-Halbfinale gegen Argentinien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER). Doch die starke Leistung geriet für Pfaff zur Nebensache.

"Es darf doch nicht sein, dass er zum Schützen geht, ihn blöd anmacht, mit Gesten provoziert, ihn beschimpft, am Trikot zupft. Das hat doch nichts mit sportlicher Fairness, mit Respekt vor dem Gegner zu tun. Was sollen denn die Kinder denken, wenn sie so etwas sehen? Das ist wie Krieg, was der Torwart dort getan hat", sagte der frühere Schlussmann des FC Bayern.

Nach Meinung des 60-Jährigen habe der Schiedsrichter versagt. "Er hätte Krul die Gelbe Karte zeigen und die Mätzchen ein für allemal verbieten müssen. Bei einer Wiederholung hätte er Rot kriegen müssen. Die FIFA muss handeln. Gegen derartiges Verhalten muss sie konsequent durchgreifen", sagte der Belgier.

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Der Beschuldigte wehrte sich unterdessen. "Ich habe nichts Falsches gemacht, ich habe sie nicht in aggressiver Art angeschrien", erklärte Krul. "Ich habe ihnen nur gesagt, dass ich weiß, wohin ihr Schuss geht. Ich habe versucht, in ihren Kopf zu kommen und, sie psychologisch fertigzumachen."

Untersuchung durch die FIFA

Dem Elfmeter-Helden droht dennoch eine Untersuchung der Disziplinar-Kommission der FIFA. Wie Sprecherin Delia Fischer erklärte, werde der offizielle Spielbericht abgewartet. Aber Fair Play sei dem Weltverband sehr wichtig, sagte sie.

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Neben der Debatte um den Schlussmann gibt es bei den Niederländern ein weiteres Störfeuer: Das Team von Trainer Louis van Gaal muss das Caesar Park Ipanema Hotel in Rio verlassen. Einen Weg zurück gibt es nicht.

In den nächsten Tagen ziehen dort Sponsoren und Funktionäre der FIFA ein. Sollte das Oranje-Team gegen Argentinien in Sao Paulo gewinnen und für das Finale nach Rio zurückkehren, braucht es eine neue Bleibe.

Ärger über Hotelumzug

Der Ärger bei den Niederländern darüber ist groß. "Das kann nicht im Interesse des Fußballs sein", sagte Verbandsdirektor Bert van Oostveen: "Wir mussten dem zustimmen. Hätten wir über die FIFA ein Hotel bis Turnierende durchgebucht, wären wir meines Wissens auf 900 Metern Höhe gewesen."

Zudem gibt es mal wieder Ärger um den Rasen: Wegen des schlechten Untergrundes des in der WM-Arena von Sao Paulo verzichten die Niederländer auf das Abschlusstraining im Stadion. Die Mannschaft weicht am Dienstag in das Estadio Municipal Paulo Machado aus.

Und dann gibt es noch Johan Cruyff: Vor dem Halbfinal-Spiel meldete sich der Chefkritiker mal wieder zu Wort. Der 67-Jährige lobte in seiner Kolumne in der Zeitung "De Telegraph" zwar den neuen Teamgeist im Nationalgeist und den späten Torwartwechsel. Ein Haar in der Suppe fand Cruyff allerdings auch.

Aufgabe für Guus Hiddink

"Mit dem Fußballspielen läuft es nicht so gut. Das ist eine schöne Aufgabe für den neuen Bondscoach", erklärt er und kritisiert damit indirekt van Gaal, der nach der WM das Traineramt bei Manchester United übernimmt und von Guus Hiddink beerbt wird.

Sollte es der aktuelle Bondsoach mit der Elftal aber ins Finale schaffen, dürfte auch sein letzter Kritiker verstummen. Mit der Einwechslung Kruls hat van Gaal schon mal einen Anfang gemacht.

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