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Marco Rodriguez pfeift das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien © getty

Beim Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien steht der Schiedsrichter im Fokus. Findet Marco Rodriguez die richtigen Mittel?

Von Martin Hoffmann und Julian Ignatowitsch

München - Marco Rodriguez ist Unternehmer, Sportlehrer, Fußballtrainer, Redner, christlicher Missionar.

Viele Jobs, bei denen er es mit Menschenmengen zu tun hat. Und bei denen psychische Belastbarkeit von Vorteil ist.

Gut möglich, dass der Mexikaner sie noch nie so gut gebrauchen konnte, wie an diesem Dienstagabend.

Marco Rodriguez wird dann Schiedsrichter des WM-Halbfinals zwischen Deutschland und Gastgeber Brasilien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) sein. Ein Spiel, emotional beladen wie noch kein anderes bei diesem Turnier (SERVICE: Der WM-Spielplan).

"Es ist eine große Verantwortung, die Rodriguez jetzt hat", sagt der ehemalige deutsche WM-Schiedsrichter Bernd Heynemann im Gespräch mit SPORT1.

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Brasilien als Herausforderung

Schon seit Beginn des Turniers ist zu beobachten, dass Partien mit brasilianischer Beteiligung die größtmögliche Herausforderung für die Unparteiischen sind.

Yuichi Nishimura, der im ersten Spiel einen höchst umstrittenen Elfmeter für die Selecao gab, kann davon ein Lied singen.

Ebenso Carlos Velasco Carballo, der im bislang letzten das verhängnisvolle Foul gegen Superstar Neymar nicht ahndete.

Fouls mit Rekordquote

So berechtigt Empörung der Brasilianer darüber war: Ein wenig hat sie den Blick davon abgelenkt, dass sie selbst einen guten Teil beigetragen haben zur speziellen Körperkultur der WM.

Taktische, gerne auch rustikale Fouls sind seit jeher ein beliebtes Mittel der Mannschaften von Luiz Felipe Scolari. Bei diesem Turnier ist es deutlicher denn je zu spüren.

Im Achtelfinale stellte der Gastgeber zusammen mit Gegner Chile einen WM-Rekord von 51 Fouls auf ? nur um ihn mit 54 (31:23 für Brasilien) gegen Kolumbien gleich wieder zu toppen.

Wenig Karten als Order?

Wohlgemerkt: In beiden Fällen wurden nur die als solche geahndeten Fouls gezählt. Und in letzterem wurde Carballo hinterher dafür angegangen, zu wenig durchgegriffen zu haben.

Die gesundheitsgefährdende Laxheit der WM-Schiris hat derweil Methode: Obmann Massimo Busacca hat angeblich explizit die Order gegeben, Fouls möglichst wenig mit Gelb zu bestrafen.

Heynemann hält das für plausibel. "Es ist zu vermuten, dass die Schiedsrichterkommission die Linie ausgegeben hat, sparsam mit Karten umzugehen", meint er: "Vielleicht liegt das auch am WM-Finale 2010 mit neun Gelben und einer Roten Karte. Dass man gesagt hat, wir wollen nicht wieder mit einer Kartenflut aufwarten."

Rodriguez gilt als kleinlich

Wenn man sich ansieht, wozu es geführt hat, ist es vielleicht ein gutes Zeichen, dass nun Rodriguez ran darf.

Der fiel im Turnier zwar ebenfalls durch die Nichtahndung einer kapitalen Attacke auf: dem Biss von Luis Suarez gegen Grigorio Chiellini.

Davon abgesehen gilt der Mann, dessen Spitzname "Kleiner Dracula" seitdem noch mehr Witz hat, aber als streng bis kleinlich. Und als einer, der lieber zu oft als zu selten in Brust- und Gesäßtasche greift.

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Vielleicht genau der Richtige

Er könnte also genau der Richtige sein, um die Erwartungen zu schultern, die auf Brasiliens erstem Spiel nach dem Neymar-Aus lasten.

"Er hat den Biss von Suarez nicht gesehen. Das passiert anderen Schiedsrichtern auch", sagte Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari. "Manchmal schauen sie woanders hin, zum Beispiel auf den Ball. Es ist die dritte WM für Rodriguez. Die FIFA hat die richtige Wahl getroffen."

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Die Stimmung im Gastgeberland: Sie ist aufgeheizt, neben vielem anderen droht die Versuchung, sie durch irgendeine Art von Konzessionsentscheidung zu besänftigen.

Die Brasilianer würden das sicher gerne sehen. Das zeigt auch ihr Versuch, die Gelb-Sperre für ihren Kapitän Thiago Silva anzufechten ? obwohl die auf einer Tatsachenentscheidung beruht und damit nach FIFA-Logik unumstößlich war.

"Jedes Mittel recht"

Der Gastgeber versuchte es trotzdem, und sei es nur als psychologisches Signal, dass man eben alles versucht.

Bastian Schweinsteiger weiß schon, warum er Brasilien ohne Neymar keine Spur weniger ernst nimmt als mit ihm.

"Sie werden jetzt noch aggressiver auftreten und als Team weiter zusammenwachsen", sagte der deutsche Mittelfeldmann: "Die wollen im eigenen Land unbedingt Weltmeister werden. Dazu ist ihnen fast jedes Mittel recht."

Es liegt in den Händen des christlichen Missionars Marco Rodriguez, beide Teams nur mit den rechten Mitteln durchkommen zu lassen.

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