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Zwischen 1987 und 1996 absolvierte Jorginho 64 Länderspiele für Brasilien und wurde 1994 Weltmeister © getty

Vor dem Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland spricht der frühere Bundesligaspieler Jorginho bei SPORT1 über die Selecao.

Von Reinhard Franke

München - Wer an Brasilianer in der Bundesliga denkt, kommt an ihm nicht vorbei: Jorginho.

Jorge José de Amorim Campos, so sein bürgerlicher Name, war der erste WM-Spieler in Deutschland.

Er kam 1989 vom CR Flamengo und spielte erst drei Jahre für Bayer Leverkusen und anschließend drei Spielzeiten beim FC Bayern.

Mit den Münchnern wurde Jorginho 1994 Deutscher Meister und im gleichen Jahr mit Brasilien sogar Weltmeister.

Als Assistent von Nationaltrainer Carlos Dunga betreute der frühere Außenverteidiger ab Juli 2006 die brasilianische Nationalmannschaft, wurde nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 2010 entlassen.

Vor dem WM-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der 49-Jährige im SPORT1-Interview über die Selecao, die DFB-Elf, Neymar - und eine Rückkehr in die Bundesliga. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

SPORT1: Jorginho, für ganz Brasilien war die Verletzung von Neymar ein Schock. Wie ging es Ihnen, als Sie davon hörten?

Jorginho: Auch ich konnte es nicht glauben. Neymar ist so ein toller Spieler. Und er wird ein ganz Großer. Sein Wert für Brasilien ist schon jetzt extrem hoch. Er hat alles, was einen Chef auf dem Platz ausmacht, ich schaue ihm sehr gerne zu. Seine Verletzung hat uns alle tief erschüttert. Ich fühle mit ihm, denn ich weiß, wie sehr er sich auf diese WM gefreut hat. Ich kann nur hoffen, dass er schnell gesund wird, um die Fans wieder mit seinem phantastischen Spiel zu begeistern.

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SPORT1: Bayerns Trainer Pep Guardiola wollte Neymar 2013 nach München holen. Eine Verpflichtung scheiterte am Veto der Klub-Bosse, denen das Risiko zu groß war.

Jorginho: Das habe ich nicht verstanden. Neymar und Pep Guardiola - das hätte perfekt funktioniert. Er ist technisch überragend, ist brutal schnell in seinen Bewegungen und spielt den perfekten Pass. Das will Guardiola. Und obwohl Neymar von der Statur eher etwas zierlich ist, kann er auch im Zweikampf ordentlich hinlangen. Es ist für jeden Abwehrspieler schwer, ihn auszuschalten. Jetzt ist er bei Barca überaus erfolgreich.

SPORT1: Neymar wechselte 2013 zum FC Barcelona. Ähnlich wie bei Ihnen damals war es der erste Schritt zum großen Spieler. Muss ein Brasilianer erst sein Land verlassen, um durchzustarten?

Jorginho: Für uns Brasilianer ist die Familie sehr wichtig. Wenn sie da ist, ist alles gut. Wir wollen es entspannt und gemütlich haben - mit der Familie und unseren Freunden. Das gilt auch für Neymar. In Europa dagegen lernt man, sich durchzuboxen. Für mich war es damals sogar weitaus schwieriger als für Neymar. Ich musste ja nicht nur den kalten Winter ertragen, sondern auch noch deutsch lernen. Dass spanisch und portugiesisch verwandte Sprachen sind, hat ihm in Barcelona sicher geholfen.

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SPORT1: Zum Halbfinale: Wie groß ist die Chance, dass Deuschland Brasilien schlägt und Weltmeister wird?

Jorginho: Sehr groß. Der Titel ist zum Greifen nah. Die Mannschaft wurde zuletzt zweimal Dritter, hat viel Erfahrung und hat viele tolle Fußballer: Miroslav Klose, Mesut Özil, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und natürlich Manuel Neuer. Er hält überragend. Das ist eine Super-Mannschaft, die mit Joachim Löw einen hervorragenden Trainer hat. Und ich kenne die deutsche Mentalität. Da wird immer gekämpft und auch bei Rückschlägen nie aufgesteckt. Deshalb sind die Deutschen so gefährlich. Doch ich sehe es wie Trainer Felipe Scolari, der sagte, dass sie für Neymar siegen wollen. Emotional ist das schwer für mich. Wenn wir es nicht schaffen, dann soll Deutschland Weltmeister werden (lacht).

SPORT1: Was zeichnet Scolari und den technischen Direktor Carlos Alberto Parreira aus?

Jorginho: Das ist ein Duo mit enorm viel Erfahrung und Weitblick. Scolari ist einer der besten Trainer der Welt, er betreute die Nationalmannschaft bei unserem letzten WM-Triumph gegen Deutschland 2002. Und Parreira führte Brasilien 1994 zum Titel. Nach 24 Jahren Durststrecke. Er ist ein echter Taktik-Fuchs. Die Hoffnungen unseres Landes ruhen auf den beiden. (SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen)

SPORT1: Welche Erinnerungen haben Sie an 1994, als Sie Weltmeister wurden?

Jorginho: Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Damals hatten viel in unserem Land Zweifel. 1990 hatten wir schon eine super Mannschaft. Mit Müller, Careca oder Branco. Aber es gab zu viele Probleme zwischen Mannschaft und Trainer. Dazu der Prämienstreit. Wir schieden im Achtelfinale gegen Argentinien aus. Daraus haben wir vier Jahre später gelernt. Wichtig war der Zusammenhalt.

SPORT1: Sie sind aktuell Trainer von Al-Wasl in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wollen Sie mal in die Bundesliga zurück?

Jorginho: Das ist sogar mein großes Ziel. Es gab schließlich noch nie einen brasilianischen Trainer in der Bundesliga. Dunga oder ich, einer von uns wird es bestimmt noch mal werden. Vielleicht bei Leverkusen oder Bayern (lacht).

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