vergrößernverkleinern
Lionel Messi erzielte bei der WM in Brasilien bislang vier Tore
Lionel Messi erzielte bei der WM in Brasilien bislang vier Tore © getty

Argentinien ist gegen die Niederlande darauf angewiesen, dass Lionel Messi glänzt. Seine dritte WM ist seine wichtigste.

Aus Brasilien berichtet Frank Hellmann

Sao Paulo - Die nächste Station heißt also Sao Paulo.

Im fernen Osten des Millionen-Molochs, der Heimstätte von Corinthians namens Itaquero, wird sich am Mittwoch zum Halbfinale gegen die Niederlande (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) zum zweiten Male abspielen, was auch in Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Porto Alegre und zuletzt in Brasilia zu besichtigen war: Wie eine lärmende Masse in hellblauweißen Hemden ins Stadion zieht. Wie eine aufgewühlte Meute voller Inbrunst ihre Nationalhymne schmettert. Wie euphorisierte Menschen sich wild die Jerseys vom Leib reißen und damit wirr durch die Luft wirbeln.

Und alles kumuliert in diesem einen Moment, bei dem der Stadionsprecher die Aufstellung verliest; Nummer für Nummer, Namen für Namen.

Mittelpunkt Messi

Bei der "Eins", Sergio Romero, gibt sich die entrückte Gefolgschaft der "Albiceleste" vergleichsweise leise, aber schon der Beifall für die "Neun", Mittelstürmer Gonzalo Higuain, löst einen lauten Jubelsturm aus, der sodann zum ohrenbetäubenden Orkan anschwillt.

"Dez", heißt es auf Portugiesisch für die "Zehn", und dann: "Lionel Messi". Der Rest ist ein einziges, nicht endendes Gebrüll. So war es schon, als hier die Argentinier ihr Achtelfinale gegen die Schweiz bestritten und in der Verlängerung das Weiterkommen erzwangen.

Kein Team scheint so auf eine Einzelfigur fokussiert. Nationaltrainer Alejandro Sabella hat es längst aufgegeben, den Personenkult einzubremsen: "Jede Bewegung, die Messi macht, ist ein Zeichen der Hoffnung für uns." Selbst wenn der Volksheilige einmal nicht trifft.

(DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Zwei Turniere zum Vergessen

Die Hälfte der acht bisherigen Treffer hat Messi erzielt, die anderen hat er irgendwie direkt vorbereitet oder indirekt eingeleitet.

"La pulga", der Floh, ist der Fixstern dieser Mannschaft. Anders als 2010, als der als Trainer fehlbesetzte Diego Maradona vieles kaputt machte. Und 2006, als der Fußballlehrer Jose Pekerman dem damals 18-jährigen Supertalent nicht vertraute. Aber 2014 ist seine Bühne.

Längst hat der 27-Jährige sich den schweren Rucksack abgeschnallt, der ihn noch beim FC Barcelona aufsaß. Da spazierte er wie ein Fremdling in manchem Fußballspiel herum ? auch in der Champions League.

WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

Von den Fans inspiriert

Doch Messi ist ein anderer geworden; er trägt eine andere Frisur, hat eine bessere Körpersprache und er lacht viel mehr.

Wenn er zum "Man of the Match" gewählt wird, sagt er einfache Sätze auf, die so gehen: "Das erste Ziel ist erreicht, jetzt wollen wir mehr." Oder: "Weltmeister zu werden, ist das Größte, was man als Fußballer erleben kann. Dafür werde ich alles geben."

Und immer öfter spricht er davon, seine Landsleute glücklich machen zu wollen ? auch der viermalige Weltfußballer wirkt inspiriert davon, was die argentinischen Anhänger auf brasilianischem Boden anstellen.

Nichts wäre schöner, im berühmten Maracana von Rio de Janeiro am 13. Juli den WM-Pokal zu empfangen. Messi ist der Kapitän ? er würde die Trophäe zuerst erhalten.

SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen

Parallelen zu 1986

Erst dann wäre der Megastar auf der Stufe angelangt, die ihm Diego Maradona noch immer voraus hat. Weltmeister. Die Parallelen zur WM 1986, als sich ein reichlich gewöhnliches Team von der Inspiration eines Individualisten zum Titel tragen ließ, sind verblüffend ? und irgendwie unausweichlich die ständigen Vergleiche.

Messi macht das einzig Richtige, um mit seinem überragenden Status das Gemeinschaftsgefühl nicht zu gefährden: Er spricht oft von der "Mannschaft", der er alles zu verdanken habe.

Die Stimmung scheint bestens, Sabella hält die "Gauchos" an der langen Leine: Mal ist die Fiesta mit der Familie erlaubt, dann das südamerikanische Kartenspiel Truco. Vor zweieinhalb Wochen stellte Messi selbst einen Schnappschuss mit seinem Sohn Thiago ins Netz, der ihn besucht hatte. So etwas steigert die Laune.

Di Maria schmerzlich vermisst

Und doch ist der Spielbetrieb des Superstars nun gegen die Niederlande gefährdet. Mit dem fraglichen Sergio Agüero und Angel di Maria fehlt im schlimmsten Fall gleich die Hälfte der "los 4 fantasticos" ? der fantastischen Vier.

Gerade Messis bester Spielpartner di Maria präsentierte sich wie zuletzt bei Real Madrid in fantastischer Verfassung, aber seine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel macht ein Mitwirken unmöglich.

Damit muss die Offensive neu justiert werden, doch mit Ezequiel Lavezzi oder Enzo Perez harmoniert der 91-fache Nationalspieler (42 Tore) nicht so blind wie mit di Maria. Notfalls muss er es alleine richten. Hat er ja schon oft genug getan.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel