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Per Mertesacker (r.) feiern den höchsten Sieg im einem WM-Halbfinale

Die Deutschen demütigen Gastgeber Brasilien und ziehen mit einem Rekordsieg ins Finale. Miroslav Klose überholt Ronaldo.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Belo Horizonte - Mats Hummels erging es wie vielen, die dieses Spiel im Stadion und vor dem Fernseher erlebt hatten: Er zweifelte an seinem Realitätsempfinden.

"Ich hatte den einen oder anderen Moment, in dem ich gedachte habe: Bitte lass das jetzt nicht einen schönen Traum sein", verriet der deutsche Abwehrmann den Reportern in der Mixed Zone.

Es war keiner. Die deutsche Mannschaft hat es wirklich getan. Sie hat 7:1 gesiegt (Bericht). Gegen Brasilien. Den Rekordweltmeister. In einem WM-Halbfinale.

Ein Erlebnis, bei dem die Beteiligten hinterher nur scheitern konnten beim Versuch, es in Worte zu fassen. Sie versuchten es trotzdem.

"Fußball vom anderen Stern"

"Es ist tatsächlich so, dass es zwischendurch fast schon zu gut lief", fand Hummels: "Wenn man Brasilien zuhause in einem WM-Halbfinale schlägt und das auf diese Art und Weise, ist das historisch."

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ging einen Schritt weiter und sprach von einem "historischen Tag für den deutschen Fußball und den Fußball in der Welt. Es ist eine unglaubliche Leistung, mit Worten gar nicht auszudrücken. Das war Fußball von einem anderen Stern. Sensationell reicht nicht, auch märchenhaft ist zu schwach."

Surreale erste Halbzeit

Vor allem die erste Halbzeit auf dem Rasen des Estadio Mineirao in Belo Horizonte war fast schon surreal. Vor allem zwischen der 23. und 29. Minute. (919143DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Nach dem 1:0 durch Thomas Müller erhöhte Miroslav Klose in der 23. Minute auf 2:0. Es folgten ein Doppelpack von Toni Kroos (24./26.) und das 5:0 durch Sami Khedira (29.).

"Wir haben uns angeschaut, konnten es nicht glauben und haben uns gefragt: Was passiert hier?", sagte Andre Schürrle, der nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit zwei Tore erzielt hatte.

"Wir haben in diesen Minuten jeden Pass richtig gespielt. Es war fantastisch, wie wir vor dem zweiten und vierten Tor noch einmal quergelegt haben. Chapeau, darauf kommen nicht viele, die Tore so zu machen", lobte Hummels seine Teamkollegen. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Hummels: "Keine Faxen gemacht"

Dennoch versuchte niemand, den ohnehin schon gedemütigten Gegner vorzuführen.

"Es war für uns sehr wichtig, dass wir nicht irgendwelche Faxen machen oder Zaubertricks versuchen, sondern seriös zu spielen", betonte Hummels: "Wir wissen ganz genau, dass so etwas jeder Mannschaft passieren kann."

Auch nach Abpfiff demonstrierte das DFB-Team Sportsgeist, tröstete ausgiebig den niedergestreckten Gastgeber.

Stehende Ovationen der brasilianischen Fans

Nach Schürrles 7:0 war der Großteil der brasilianischen Zuschauer aufgestanden und hatte der deutschen Mannschaft applaudiert. WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

"Das spielt keine große Rolle, aber es zeigt die Anerkennung, dass wir ein fantastisches Spiel gemacht haben", meinte Schürrle.

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Klose übertrumpft Ronaldo und Cafu

Ganz besondere Anerkennung verdiente sich Miroslav Klose.

Durch seinen 16. Treffer ist der 36-Jährige nun alleiniger WM-Torschützenkönig vor Ronaldo. Nebenbei übernahm er auch die alleinige Führung bei der Anzahl der gewonnen WM-Spiele (17) vor Brasiliens Cafu (16.).

"Der Rekord bedeutet uns allen wahnsinnig viel. Es ist eine ganz überragende Leistung von Miro", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der seine Mannschaft perfekt auf die Partie eingestellt hatte.

Schwächen eiskalt ausgenutzt

Egal welche Schwächen der bemitleidenswerte Gastgeber offenbarte: Deutschland nutzte sie aus. SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen

"Es war heute wichtig, dieser Leidenschaft und diesen Emotionen von Brasilien mit Ruhe und Abgeklärtheit zu begegnen, natürlich auch mit Mut und mit unserer eigenen Stärke", meinte Löw.

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"Jetzt wollen wir Weltmeister werden"

"Heute hat alles geklappt", sagte Jerome Boateng. "Man hat gesehen, was möglich ist. Jetzt wollen wir Weltmeister werden", betonte der Innenverteidiger.

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Glücklich, aber nicht euphorisch

"Ich hatte vorher schon ein gutes Gefühl", erzählte Kroos, der zum "Man of the Match" gewählt worden war. Die Stimmung in der Kabine sei gut und gelöst gewesen, berichtete der Mittelfeldspieler, aber "nicht überschwänglich oder euphorisch".

Trotz der historischen Dimension wirkte niemand abgehoben. "Es ist keine Schwierigkeit, auf dem Teppich zu bleiben", meinte Hummels, der zur Halbzeit wegen einer Sehnenreizung im Knie in der Kabine geblieben war, aber auf seinen Einsatz im Finale hofft.

"Man darf sich nie unbesiegbar fühlen. Ich spüre, dass die Mannschaft auf dem Boden bleibt und geerdet ist", erklärte Löw. "Ich glaube auch zu erkennen, dass diese Mannschaft unbedingt bereit ist, den letzten Schritt zu gehen."

Finale wird ungleich schwerer

Am Sonntag trifft die deutsche Mannschaft in Rio de Janeiro auf die Niederlande oder Argentinien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER). "Das wird ein ganz anderes Spiel, eine ungleich schwerere Aufgabe", sagte der Bundestrainer.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch ein Spiel auf uns zukommt, das so gut läuft wie heute", meinte Hummels. "Wir werden hart kämpfen müssen. Wenn wir das tun, haben wir alle Chancen zu gewinnen."

Mit einem Sieg will die deutsche Mannschafte den WM-Pokal und vierten Stern mit nach Hause bringen.

Noch nie war er so nah wie jetzt.

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