Louis van Gaal riskiert bei der WM viel - und gewinnt oft. Gegen Argentinien verzockt sich der Coach der Niederlande aber.

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Sao Paulo - Er hat wieder hoch gepokert, doch diesmal hat "Zocker" Louis van Gaal verloren:

Die Feigheit zweier Stars und der Einsatz zweier angeschlagener Leistungsträger haben die Niederlande den Einzug ins WM-Finale gegen Deutschland gekostet.

Und so war dem Trainer nach der verpassten Krönung seiner erfolgreichen Karriere auch kräftig die Laune verhagelt.

Eine Niederlage im Elfmeterschießen sei "das Schlimmste, was man sich vorstellen kann", sagte der frühere Bayern-Coach nach dem bitteren 2:4 im Halbfinale gegen Argentinien (Bericht): "Das ist schlimmer als ein 1:7."

Mit diesem Ergebnis war WM-Gastgeber Brasilien im ersten Halbfinale gegen Deutschland untergangen.

Krul muss draußen bleiben

Elfmeterschießen, so der 62-Jährige sei "eben Glückssache, eine Lotterie".

Das Glück hat van Gaal im Verlauf dieser WM mehrfach erzwungen. Nach der Einwechslung von Torwart Tim Krul vor dem Elfmeterschießen gegen Costa Rica im Viertelfinale hatten ihn die Medien gar als "Louis van G(eni)aaal" gefeiert.

Krul hätte auch gegen die Argentinier der Joker im Ärmel sein sollen, doch van Gaal konnte diesen Joker nicht mehr ziehen.

Weil er zuvor zu hoch gepokert hatte.

Van Gaal verzockt sich

Zunächst hatte sich der Schachzug mit Bruno Martins Indi in der Abwehr als falsch erwiesen, der 22-Jährige musste überfordert und rotgefährdet schon zur Pause raus.

"Sie haben während des Turniers ihre Art, Fußball zu spielen, verloren. Sie waren taktisch überladen", sagte "ARD"-Experte Mehmet Scholl.

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Die Auswechslung von Lionel Messis "Kettenhund" Nigel de Jong hatte van Gaal einkalkuliert, da vorher klar war, dass der frühere Hamburger nach seiner Leistenverletzung nicht über die volle Distanz gehen konnte. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Dann aber signalisierte auch der von einer Magenverstimmung geplagte Kapitän Robin van Persie in der Verlängerung, dringend ausgewechselt werden zu müssen.

Den eigenen Keeper verunsichert

Van Gaal brachte den Schalker Klaas-Jan Huntelaar - das Wechselkontingent war erschöpft, Krul musste beim Elfmeterschießen draußen bleiben (919613DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Ich weiß, dass Krul der bessere Elfmetertöter ist", sagte der Bondscoach: "Wenn ich die Chance gehabt hätte, ich hätte ihn wieder eingewechselt. Aber ich konnte nicht."

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So musste Jasper Cillesen ran. Doch der hat zum einen noch nie in seiner Karriere einen Elfmeter gehalten und war zum anderen nach der mit ihm nicht abgesprochenen Auswechslung im Viertelfinale "schwer getroffen" und verunsichert.

Und so wendete sich van Gaals "kleiner Trick" aus der Runde zuvor plötzlich gegen ihn.

Scholl spottet über van Gaal

Van Gaal habe mit seinen taktischen Spielereien zeigen wollen, "dass er nicht nur den Fußball-Keks, sondern den allergrößten Fußball-Keks gegessen hat", lästerte Scholl: "Und dann kommt eben der Fußball-Gott oder die Argentinier und sagen: Ne, warte mal, bleib mal hier."

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Zum Helden wurde - Ironie des Schicksals - Sergio Romero, ein alter Weggefährte van Gaals.

Dass er dem Keeper der Argentinier während der gemeinsamen Zeit bei AZ Alkmaar "beigebracht hat, wie man Elfmeter hält" sei aber "nur ein Witz von mir" gewesen, versicherte van Gaal.

Spieler verweigern Elfmeter

Gar nicht witzig fand der gestrenge Fußball-Lehrer die Weigerung zweier Spieler, Verantwortung zu übernehmen.

Er habe die beiden, deren Namen er nicht nennen wollte, gefragt, ob sie den ersten - und nach van Gaals Ansicht wichtigsten - Elfmeter schießen: "Aber sie wollten nicht."

Also bestimmte der Coach Ron Vlaar, doch der verschoss. "Ich war nervös", sagte Vlaar später: "Ich hatte den Keeper wohl länger anschauen müssen."

Auch Wesley Sneijder traf nicht.

Keine Lust auf Spiel um Platz drei

So oder so hat van Gaal nun keine Lust mehr auf das Spiel um Platz drei am Samstag (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) gegen Brasilien.

Viel lieber würde er wohl Kraft tanken vor der nächsten heiklen Aufgabe bei Manchester United.

Außerdem sei es "kein Fair Play", dass die Brasilianer einen Tag mehr Vorbereitung haben. So bestehe das Risiko, "dass man eventuell zweimal in Folge verliert. Und dass man damit ein Turnier, das so toll war, vielleicht als Loser beendet."

Und das ist ein Stempel, den der Zocker Louis van Gaal auf keinen Fall tragen möchte.

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