Vier Jahre nach dem Streik führt Patrice Evra ein neues Team in das Viertelfinale gegen Deutschland und die Herzen der Franzosen.

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Salvador de Bahia - 5000 blau-weiß-rote Fans schmetterten beim 2:0-Achtelfinalsieg gegen Nigeria (BERICHT: Frankreich müht sich) im Estadio Nacional von Brasilia lauthals die Marseillaise, daheim jubelten 16 Millionen vor den Fernsehern.

Frankreich liebt seine Equipe Tricolore wieder innig - vier Jahre nach dem größten Krach ihrer Beziehung. "Ich bin sehr stolz, ein Franzose zu sein", sagte Außenstürmer Mathieu Valbuena nach dem WM-Viertelfinaleinzug. Und so geht es auch den meisten Fans.

Nun wollen sie mehr. "Wir fahren sicher nicht als Touristen nach Rio", sagt Trainer Didier Deschamps vor dem Duell mit Deutschland am Freitag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER). "Wir haben keinen Grund, Angst zu haben."

"Die Party geht weiter"

Ein Duell auf Augenhöhe, das soll es werden. Ohne Druck, ohne Furcht. "Deutschland ist solide und erfahren, das wissen wir", meint Deschamps, "aber da ist keine Anspannung bei uns, es ist eine Freude." (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Kein Zweifel: Das Selbstbewusstsein ist wieder groß bei der Equipe. Auch, weil sie sich mit der eigenen Nation versöhnt hat, nicht mehr dauernd kritisiert wird. "Die Party geht weiter", titelte die Sportzeitung "L'Equipe" nach dem Viertelfinaleinzug. Und fügte an: "Diesmal haben sie den richtigen Bus genommen."

Damit spielte das Blatt auf den legendären Mannschaftsbus an, in dem die Spieler 2010 in Südafrika gestreikt hatten. Das Gefährt war öffentlichkeitswirksam kurz vor der WM in Brasilien verschrottet worden, mit ihm alle Erinnerungen an zerstrittene Spieler und teaminterne Eklats.

Stolz ist zurück

Übrig geblieben ist von den Hauptdarstellern von damals lediglich der damalige Kapitän Evra. Der 33-Jährige gibt sich geläutert. "2010 hat mich aufgefressen. 2010 habe ich alles gegeben und meine Energie verloren, heute gebe ich alles und erhalte Energie zurück", sagte der Linksverteidiger.

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Diesmal führt er seine Mitspieler auf dem Feld. Inmitten der jungen Raphael Varane (21), Paul Pogba (21) oder Antoine Griezmann (23) fühlt sich Evra richtig wohl. "Wir sitzen zusammen beim Frühstück und fragen uns: Warum spielen wir nicht alle zusammen in einem Verein?", erzählte er: "Der Stolz, das Trikot tragen zu dürfen, ist zurück."

Evra und Valbuena: "Stolz, Franzosen zu sein!"

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"Können immer ein Tor schießen"

Mit dem Stolz wächst auch das Selbstbewusstsein. "Wir können immer ein Tor schießen, wir sind Frankreich", sagte Pogba von Juventus Turin: "Ich wüsste nicht, warum wir Angst haben sollten? Wir fürchten niemanden. Wir können jeden besiegen."

Zehn Treffer haben die Franzosen schon auf ihrem Konto. Das letzte Mal, als sie in einem Turnier zweistellig trafen, holten sie auch den Titel. Das war 1998.

[kaltura id="0_nki7mald" class="full_size" title="Didier Deschamps will nichts von Rache wissen"]

Trendwende WM-Playoffs

Die Liebe der Landsleute entflammte schon am 19. November 2013 neu. Beim 3:0 im entscheidenden Playoff-Spiel um die WM-Teilnahme gegen die Ukraine passierte es.

"Als wir mit dem Rücken zur Wand standen, ist der Funke übergesprungen", sagte Trainer Didier Deschamps. "Das war die Trendwende."

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Gegen Deutschland könnte Deschamps nun den Sturm umbauen. Während Karim Benzema und Mathieu Valbuena im Angriff der Equipe Tricolore gesetzt sind, ist zwischen Griezmann und Olivier Giroud der Kampf um den dritten Platz in der offensiven Dreierreihe entbrannt.

Kleiner Teufel Griezmann

Griezmann, den sie in Frankreich nur den "kleinen Teufel" nennen, ist so etwas wie die französische Entdeckung des Turniers. Nach seiner Einwechslung im Viertelfinale gegen Nigeria (2:0) - für Giroud - entschieden die bis dahin behäbigen Franzosen die Partie.

"Das ist mein Spiel", sagte der 23-Jährige von Real Sociedad San Sebastian: "In den Rücken der Abwehr stoßen. Das hat gut geklappt."

So gut, dass Franck Ribery gar nicht vermisst wird. Europas Fußballer des Jahres nahm eine Einladung des französischen Verbandes, Les Bleus vor Ort in Rio zu unterstützen, nicht an und blieb lieber im Urlaub auf Ibiza.

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