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Bora Milutinovic führte Costa Rica 1990 ins WM-Achtelfinale © getty

Bora Milutinovic spricht bei SPORT1 über Costa Ricas Höhenflug und ordnet die Chancen seines Ex-Teams gegen die Niederlande ein.

Von Mathias Frohnapfel

München - Weltenbummler. Das Wort ist wohl eigens für Bora Milutinovic erfunden worden.

Fünf Teams coachte der Serbe bereits während Weltmeisterschaften: Mexiko (1986), die USA (1994), Nigeria (1998), China (2002) und natürlich Costa Rica.

1990 gelang dem Trainer die große Überraschung, als er die Mittelamerikaner aus einer Gruppe mit Brasilien, Schweden und Schottland ins Achtelfinale führte (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

SPORT1 hat den 69-Jährigen, der mittlerweile im künftigen WM-Gastgeberland Katar tätig ist, in Rio de Janeiro erreicht und ihn zu den Chancen seines Ex-Teams im Viertelfinale gegen die Niederlande und den Stärken der "Ticos" (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) befragt.

SPORT1: Herr Milutinovic, Costa Rica begeistert gerade als Außenseiter die Fußball-Welt. Wie blicken Sie jetzt auf das Viertelfinale?

Bora Milutinovic: Für Costa Rica wird das Spiel ein großes Vergnügen, eine Zugabe. Sie stehen ja zum ersten Mal in einem Viertelfinale und können jetzt einen Traum wahr machen. Zum letzten Mal kamen Sie 1990 ähnlich weit und seitdem sind ein paar Jahre vergangen (schmunzelt). Ich freue mich jetzt natürlich auch für die Bevölkerung in Costa Rica.

SPORT1: Was macht aus Ihrer Sicht Costa Rica so stark?

Milutinovic: Sie haben eine starke junge Generation, talentierte Spieler, auch der Teamgeist ist sehr gut. Außerdem hat die Mannschaft ein unglaubliches Gespür für Konter entwickelt und weiß, wann Tempo nötig ist. Torhüter Keylor Navas gefällt mir extrem gut, das ist einer der besten Spieler der WM bisher. Für mich ist es aber keine große Überraschung, dass Costa Rica bisher eine so gute Figur abgibt, nur international sind die Spieler eben nicht so bekannt. Dabei sind viele von ihnen in Europa unter Vertrag. Wir hatten 1990 übrigens überhaupt keinen einzigen dabei, der im Ausland gespielt hat.

SPORT1: Wie sehen Sie Costa Ricas Chancen gegen die Niederlande?

Milutinovic: Es wird eine sehr schwere Aufgabe, die Niederlande sind sehr stark, haben das Zeug Weltmeister zu werden.

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SPORT1: Ist also keine Überraschung möglich?

Milutinovic: Sag niemals nie! Du weißt nie, was passieren kann, wenn dein Team die richtige Vorbereitung hat, die richtige Mentalität mitbringt und der liebe Gott ein bisschen mithilft. Mexiko hatte im Achtelfinale die Niederlande fast rausgeworfen, führte noch kurz vor Schluss. Oder denken Sie an die Chilenen, die in der letzten Minute der Verlängerung noch den Pfosten treffen. Wenn der Ball reingeht, ist Brasilien draußen!

SPORT1: Hollands Coach Louis van Gaal hat sein Team vor der WM umgebaut, setzt nicht mehr auf das altbewährte 4-3-3-System. Wie sehen Sie seine Arbeit?

Milutinovic: Über van Gaal muss man keine vielen Worte verlieren, seine Karriere spricht für ihn. Überall, wo er gearbeitet hat, war er erfolgreich. Und seine Mannschaften stehen für eine sehr gute Struktur. Und er weiß auch mit intelligenten Spielern wie Arjen Robben umzugehen.

SPORT1: Deutschland hat Frankreich geschlagen, spielt nun im Halbfinale gegen Brasilien. Welchen Eindruck macht das Team auf Sie?

Milutinovic: Die deutsche Mannschaft gefällt mir sehr gut, vor allem die gute Organisation. Deutschland hat mit Miroslav Klose und Thomas Müller zwei Top-Angreifer, dazu viele andere sehr begabte Spieler. Im Halbfinale wird es nun aber richtig schwer.

SPORT1: Sie sind viel herumgekommen, aktuell arbeiten Sie im Aspire Center in Katars Hauptstadt Doha als Berater für die Jugendförderung. Wie geht es Ihnen dort?

Milutinovic: Ich fühle mich in Katar sehr wohl, alles ist sehr gut organisiert. Ich denke auch, dass die WM 2022 ein Erfolg wird. Die Bedingungen werden perfekt sein, die Fans werden nicht reisen müssen und die Stadien werden klimatisiert sein.

SPORT1: Nicht nur in Deutschland gibt es auch kritische Stimmen zur WM in Katar - auch wegen der klimatischen Bedingungen dort.

Milutinovic: Immer wenn ich gefragt werde, "Bora, was sagst du zur WM in Katar?? antworte ich: "Wenn man eine perfekte WM organisieren möchte, muss man an Deutschland 2006 denken". Ich war damals dort. Doch die Welt besteht nicht nur aus Deutschland, ich denke, der Nahe Osten sollte auch eine Chance bekommen, die WM zu organisieren.

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