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Der Plan geht auf. Mats Hummels bringt Deutschland in der 13. Minute nach einer Standardsituation per Kopf in Führung
Mats Hummels erzielte als erster deutscher Verteidiger zwei Tore bei einer WM © getty

Die deutsche Nationalelf ringt Frankreich nieder und darf weiter vom Titel träumen. Verteidiger Hummels wird zum Mann des Spiels.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Rio de Janeiro - Die deutsche Nationalmannschaft hat in Rio de Janeiro den nächsten Schritt auf dem Weg ins Endspiel gemacht.

Im Viertelfinale gegen Frankreich setzte sich das DFB-Team mit 1:0 (1:0) durch und trifft in der Runde der besten Vier am 8. Juli in Belo Horizonte auf den Gastgeber Brasilien, der sich am Abend gegen Kolumbien durchsetzte (Bericht) (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Mats Hummels erzielte vor 74.240 Zuschauern im legendären Stadion Maracana nach einem Freistoß von Toni Kroos in der zwölften Minute den Siegtreffer. Nicht nur deswegen wurde der überragende Dortmunder von der FIFA anschließend als "Man of the Match" ausgezeichnet.

Die DFB-Auswahl zeigte sich gegenüber dem mühevollen 2:1 im Achtelfinale gegen Algerien verbessert, spielerische Glanzpunkte blieben in der Mittagshitze von Rio (31 Grad) aber die Ausnahme.

Lahm hinten rechts - Klose in der Spitze

Bei seiner Aufstellung sorgte Joachim Löw wieder einmal für die eine oder andere Überraschung.

Wie er schon angedeutet hatte, zog der Bundestrainer Philipp Lahm zurück auf die rechte Abwehrseite.

Jerome Boateng rückte ins Zentrum, daneben verteidigte Hummels. Der Dortmunder, der von seiner Erkältung genesen war, verdrängte Per Mertesacker, der zuvor alle vier Partien über die volle Spielzeit absolviert hatte. Benedikt Höwedes blieb auf der linken Seite.

Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira spielten erstmals von Beginn an zusammen im zentralen Mittelfeld.

Auch in der Offensive vollzog Löw einen überraschenden Wechsel: Miroslav Klose rückte für den beim knappen Sieg gegen Algerien schwachen Mario Götze ins Team.

Hummels' zweites Tor bei dieser WM

Beide Mannschaften spielten in der Anfangsphase eher abwartend. Das DFB-Team hatte mehr Ballbesitz, die Equipe Tricolore lauerte auf Ballverluste und setzte auf schnelle Gegenstöße (916815DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Nach sieben Minuten hatten die Franzosen mit ihrem ersten Angriff gleich die erste Chance. Mathieu Valbuena legte von der Grundlinie zurück zu auf Karim Benzema. Der Stürmer von Real Madrid schoss in halblinker Position aus zwölf Metern flach, aber knapp am Tor von Manuel Neuer vorbei.

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Kurz darauf die nächste Möglichkeit: Griezmann legte von links flach in die Mitte, doch Hummels grätschte die Kugel am Fünfmeterraum vor dem lauernden Benzema ab.

Im Gegenzug wurde Kroos von Paul Pogba im Mittelfeld gefoult. Den Freistoß von halblinks zirkelte Kroos auf den Kopf von Hummels, der das Duell gegen Raphael Varane gewann und aus acht Metern unter die Latte traf.

Es war das zweite Kopfballtor des Dortmunders bei dieser WM. Das hat vor ihm noch kein deutscher Abwehrspieler geschafft.

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Schweinsteiger mit Problemen

Nach der Führung bestimmte das DFB-Team das Geschehen und versuchte, einen zweiten Treffer nachzulegen.

Löws Elf kontrollierte zwar weiterhin, spielte sich aber keine Chancen heraus.

In der Dreier-Zentrale schien Schweinsteiger Probleme mit der Hitze zu haben, Khedira spielte deutlich dynamischer und versuchte Lücken zu reißen. Kroos überzeugte durch Übersicht und Ballsicherheit, aber der Pass in die Spitze kam auch von ihm nicht.

Klose bekam in der Spitze kaum Zuspiele, Mesut Özil tat sich auf der linken Seite wieder einmal schwer. Seinen Pässen fehlten Druck und das richtige Timing, er wirkte schlapp und ideenlos.

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Franzosen drängen auf den Ausgleich

Auf der rechten Seite war Müller deutlich zielstrebiger, aber der Münchner hatte kein Glück bei seinen Aktionen und wurde immer wieder eng gedeckt.

Das Spiel plätscherte etwas vor sich hin, doch dann kamen die Franzosen nach einem langen Pass aus der eigenen Hälfte zu ihrer nächsten Chance.

Nach einem Stellungsfehler von Hummels kam Valbuena in der linken Strafraumhälfte zum Schuss, Neuer wehrte nach vorn ab. Benzema setzte nach, aber Hummels klärte zur Ecke.

Die Franzosen wollten unbedingt vor der Pause ausgleichen und drängten die DFB-Elf in die Defensive, aber Les Bleus waren vor dem Tor nicht zwingend genug. Benzemas Schuss (44.) flog genau in Neuers Arme.

Mit der knappen, aber nicht unverdienten Führung ging es in die Kabinen.

Blasser Klose muss runter

Nach der Pause erhöhte Frankreich noch einmal die Schlagzahl.

Die deutsche Defensive geriet etwas mehr unter Druck, Khedira sah bei einer Konterchance für ein taktisches Foul an Antoine Griezman die Gelbe Karte (54.). Es war seine erste im laufenden Turnier.

Das Drängen der Franzosen war nicht wirklich zwingend, aber dennoch konnte sich das DFB-Team kaum mehr befreien und das Tor von Hugo Lloris in Gefahr bringen.

Klose blieb wirkungslos, in der 68. Minute musste er für Andre Schürrle weichen. Kurz darauf passte Müller von rechts scharf nach innen, aber Schürrle kam nicht ran und der Ball rollte knapp am Tor vorbei.

Frankreichs Trainer Didier Deschamps verstärkte die Offensive und brachte Stürmer Loic Remy für Mittelfeldmann Yohan Cabaye.

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Schürrle vergibt Großchance

Die nächste Torchance hatten Les Bleus aber wieder durch Benzema, der Lahm im Strafraum ausspielte und freie Bahn hatte, doch der überragende Hummels blockte den Schuss des Angreifers von Real Madrid.

Deutschland wartete auf Konter und hatte in der 82. Minute die große Chance zum 2:0. Özil passte von links auf Müler, der trat am Ball vorbei und Schürrle hatte aus zehn Metern frei Bahn.

Doch der Chelsea-Profi traf die Kugel nicht richtig und schob sie in die Beine von Keeper Lloris.

Neuer rettet gegen Benzema

Löw brachte Götze für Özil, und kurz darauf traf Schürrle nach Müllers Vorlage nur Varane im Gesicht.

In der Nachspielzeit kam Christoph Kramer zu seinem zweiten WM-Einsatz. Kroos verließ unter Beifall den Rasen.

Dann hatte Benzema die Riesenchance zum Ausgleich, doch Neuer wehrte den scharfen Schuss des Franzosen mit einer Hand ab.

Am Dienstag bestreitet das DFB-Team sein Halbfinale, am 13. Juli steigt im Maracana das Endspiel. Der Traum vom vierten WM-Titel geht weiter.

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