Torschütze Mats Hummels glänzt beim Sieg über Frankreich. Dabei liegt ein Clinch mit dem Bundestrainer gar nicht lange zurück.

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Von Mathias Frohnapfel und Thorsten Mesch

München/Rio de Janeiro - Mats Hummels schien die Magie dieses Ortes aufzusaugen.

Des Maracana.

Dieses Stadions, das selbst umgebaut noch immer ein Mythos ist. Und nicht zu vergessen dieses Ortes, an dem ihm beim 1:0 gegen Frankreich (Bericht) das bisher wohl wichtigste Tor seiner Karriere glückte (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"Es ist unglaublich, was hier bei der WM alles klappt", berichtete der Nationalspieler.

Und obwohl er nach seiner gerade überstandenen Grippe ausgewrungen wirkte wie ein Handtuch nach dem Schleudergang, blitzten die Augen stolz.

Hummels will nach dem Viertelfinalbesuch zurück in dieses Stadion. Zum Endspiel.

Die Trophäe als "Man of the Match" soll dann nur eine schöne Erinnerung sein. Für die Außenwelt ist sie vor dem Halbfinale gegen Brasilien am Dienstag derweil das sichtbarste Zeichen, wie rasant sich die Rolle des 25-Jährigen geändert hat (916804DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik).

Dicke Luft und ein klärendes Gespräch

Zwischenzeitlich war ja gar das Szenario einer WM ohne Hummels denkbar.

"Beim DFB sieht man Kritik nicht gern", hatte der Dortmunder im vergangenen Herbst geäußert, woraufhin es ordentlich Gegenwind gab vom Bundestrainer Joachim Löw - und ein klärendes Gespräch.

Das EM-Aus 2012 gegen Italien war da immer noch nicht verarbeitet. Antonio Cassano hatte damals Hummels genarrt und die Vorlage zum 1:0 gegeben.

Fernseh-Experte Mehmet Scholl ätzte anschließend: "Mats wird nie, nie wieder - und da bin ich mir sicher - diesen Fehler machen."

Und auch Löw schob Hummels eine Teilschuld zu, verordnete ihm obendrein im Nationalteam weniger oft mit langen Bällen zu arbeiten als bei Schwarzgelb.

Worte mit Langzeitwirkung, die mittlerweile aber wie aus einer anderen Zeitrechnung erscheinen.

Der neue Abwehrchef

Hummels ist Abwehrchef im deutschen Team, längst kein Wackelkandidat mehr im Kampf um einen Platz in der Defensivzentrale.

Vor dem inneren Auge muss man nur das Achtelfinal-Gestocher gegen Algerien mit dem Match gegen die Equipe Tricolore vergleichen, um seinen Anteil zu bemessen.

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Gegen Algerien musste der Dortmunder seine fiebrige Erkältung auskurieren, das deutsche Team wirkte in der Defensive fahrig, der Spielaufbau mehr als einmal holprig.

Gegen Frankreich zähmte Hummels Real Madrids Edelstürmer Karim Benzema, agierte stellungssicher, robust und außergewöhnlich reaktionsschnell (916815DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Dass er danach "Wasser ohne Ende nachschütten" musste, ließ den Erfolg - auch ohne Siegerbierchen - nur noch süßer schmecken.

Zwei Kopfballtreffer hat Hummels schon im Turnier gemacht, so viele wie bei Borussia Dortmund in der ganzen Vorsaison.

[kaltura id="0_3261fruy" class="full_size" title="Cartoon: Mats Hummels überall"]

Wie einst Beckenbauer

Und dank der Nummer 5 auf dem Rücken ist der adrette Profi mittlerweile für manche Experten so etwas wie eine Wiedergeburt Franz Beckenbauers.

Ein großer Vergleich. Doch steckt dahinter noch eine andere Erkenntnis. Von reinen Ausputzern sind Innenverteidiger mittlerweile aufgestiegen zu heiß begehrten Könnern, sie geben den ersten Pass ins Mittelfeld, haben so eine wichtige Leitungsfunktion.

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Elitentreffen geplatzt

Solch ein (Defensiv-)Spielmacher ist den Klubs inzwischen richtig viel Geld wert. Paris St. Germain sicherte sich für 49,5 Millionen Euro die Dienste des Brasilianers David Luiz vom FC Chelsea. Dessen Kollege in der Selecao, Thiago Silva, wechselte 2012 für knapp 40 Millionen Euro vom AC Mailand nach Paris.

Es war eine schöne, ja aufregende Vorstellung Luiz, Silva und Hummels gemeinsam auf dem Platz zu sehen. Im WM-Traumhalbfinale Deutschland gegen Brasilien.

Doch Thiago Silva ließ sie durch ein - Pardon - dämliches Foul beim 2:1-Sieg gegen Kolumbien platzen, er wird wegen seiner Gelbsperre beim Treffen der Defensivelite fehlen.

Marktwert explodiert

Die Scouts in Belo Horizonte werden somit am Dienstag noch mehr Aufmerksamkeit für den BVB-Profi mit dem markanten Kinnbart haben.

Dessen Vertrag läuft noch bis 2017. Doch was wenn ein Klub wie PSG, Manchester City oder Manchester United irgendwann 30 oder 40 Millionen Euro für ihn bietet?

Der aktuelle Marktwert - konservativ auf 25 Millionen Euro geschätzt - geht im Moment sowieso steil nach oben.

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"Er hat überragend gespielt"

"Er hat überragend gespielt und dann trifft er auch noch. Das war eine ganz starke Vorstellung", lobte auch Abwehrkollege Per Mertesacker den Kontrahenten nach dem Einzug ins Halbfinale (916815DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Und dass obwohl der ihn vorläufig aus der Startelf verdrängte.

Gegen Brasilien ist Hummels gesetzt, Boateng und Mertesacker kämpfen um den Platz an seiner Seite.

"Egal, wer spielt, wir haben alle eine unglaubliche Qualität", sagte Hummels. Der Dortmunder ließ sich so auf heikle Erörterungen zu einem Wunschpartner erst gar nicht ein, denn alle seien "etwas unterschiedliche Verteidiger-Typen".

Der gefragteste dieser Typen ist aber sicher Hummels selbst.

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