Per Mertesacker spricht im Interview über die ungewohnte Situation auf der Bank, die Abwehrleistung und seinen TV-Ausraster.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Rio de Janeiro - 102 Länderspiele hat Per Mertesacker bereits absolviert, schon bei der WM 2006 gehörte er zum deutschen Team, die WM in Brasilien ist sein fünftes großes Turnier.

Der 29-Jährige hat schon vieles mitgemacht, aber beim Viertelfinale gegen Frankreich erlebte er doch ein für ihn völlig neues Gefühl. (916815DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Erstmals musste er sich ein Weltmeisterschaftsspiel von der Bank aus anschauen.

Bundestrainer Joachim Löw hatte sich in der Innenverteidigung für Mats Hummels und Jerome Boateng entschieden, die beide ihre Aufstellung mehr als rechtfertigten. (916804DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik).

"Heute hatte ich eine andere Perspektive und war wieder einmal begeistert, wie die Mannschaft auf der Bank lebt", sagte der Abwehrspieler von Arsenal London nach dem Spiel zur für ihn ungewohnten Situation.

Im Interview spricht Per Mertesacker zudem über die neue Defensivstärke des Teams, die Chancen auf den Finaleinzug und sein heiß diskutiertes Interview nach dem Algerien-Spiel. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Frage: Herr Mertesacker, wie groß war die Überraschung oder der Schock darüber, nicht in der Startelf zu stehen?

Per Mertesacker: Ich wäre heute gerne mehr als nur als Wasserträger aktiv gewesen. Es war für mich gestern Abend nicht so einfach und eine Überraschung, denn ich hatte ja alle Spiele gemacht.

Frage: Wie haben Sie die Entscheidung des Trainers aufgenommen?

Mertesacker: Ich habe schon öfters gesagt, dass alle eine Berechtigung haben zu spielen, dass alle gebraucht werden. Der Trainer hat sich so entschieden. Das ist auch völlig okay so. Ich glaube, das sind keine einfachen Entscheidungen. Ich möchte da nicht in seiner Haut stecken, deshalb versuche ich das zu relativieren. Aber natürlich möchte man gerne spielen. Es ist auch so, dass man enttäuscht ist und nicht gut schläft, weil einem viele Dinge durch den Kopf gehen.

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Frage: Wie war das Gefühl, nach so langer Zeit wieder einmal auf der Bank zu sitzen?

Mertesacker: Heute hatte ich eine andere Perspektive und war wieder einmal begeistert, wie die Mannschaft auf der Bank lebt. Die sehr gute Stimmung im Hintergrund hat mich positiv überrascht. Wie jeder für jeden da ist und jedem das Gefühl gibt, da und wichtig zu sein. Ob mit einer Wasserflasche oder mit einem positiven Wort.

Frage: Ist die Bank die große Stärke des DFB-Teams?

Mertesacker: Man wird nicht nur Weltmeister auf dem Platz, sondern auch auf der Bank. Die Bank, die am besten unterstützt und denen, die spielen, das beste Gefühl gibt. Dass man es den anderen gönnt und selbst zurückstecken muss, darin liegt die wahre Stärke einer tiefen Mannschaft.

Frage: Was sagen Sie zur Leistung der Mannschaft, speziell der Abwehr?

Mertesacker: Die Bedingungen waren sehr extrem, aber wir haben in jeder Situation einen Fuß, ein Bein oder einen Arm dazwischen gekriegt. Und Manuel hat super gehalten.

Frage: Was war der Knackpunkt zum Sieg?

Mertesacker: Es war gut, dass wir in Führung gegangen sind. Frankreich war dann platt. Das wird im nächsten Spiel nochmal eine andere Hausnummer gegen Brasilien. Ich glaube, die können dann noch einmal zulegen.

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Frage: Wie beurteilen Sie die Chancen im Halbfinale?

Mertesacker: Wir können stolz sein, stehen zum dritten Mal im Halbfinale. Dieses Mal wollen wir es gewinnen und nicht wieder um den dritten Platz spielen. Dreimal im Halbfinale, das ist sensationell. Wenn wir die Stimmung und den Teamgeist konservieren können, diese Moral und die Bereitschaft, zusammen zu kämpfen, dann haben wir im Halbfinale eine gute Chance. Es war eine gute Leistung, auch in der Defensive, und wir sind auf einem guten Weg. Aber wir müssen uns trotzdem steigern. Der nächste Gegner wird noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Die Perspektive der Mannschaft ist super.

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Frage: Wie sehen Sie Ihre Perspektive?

Mertesacker: Ich habe immer eine Perspektive. Deswegen bin ich auch schon so lange dabei

Frage: Was erwarten Sie gegen Brasilien?

Mertesacker: Man hat heute gemerkt, wie emotional es ist. Dia Brasilianer bei uns im Stadion haben Brasil angestimmt. Im Moment sind sie noch alle am Winken und alle freundlich, aber ich glaube, dass sich das umdreht

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Frage: Hat die Mannschaft gegen das Heimteam eine Chance?

Mertesacker: Wir sind ganz und gar nicht chancenlos. Allen muss noch einmal richtig klar werden, dass wir jetzt eine riesige Chance haben. Wir haben jetzt die Chance auf das Finale. Wir müssen schnell runterkommen. Einige Spieler haben heute Sensationelles geleistet, aber sie waren auch sensationell platt. Auch die auf der Bank waren platt, weil man in dem Kessel gesessen hat. Die Anspannung war unglaublich. So etwas mitzuerleben ist das Größte für jeden Sportler.

Frage: 2010 lobten alle den deutschen Offensivfußball, dieses Mal ist die Defensive sehr stark. Ist das die neue Philosophie?

Mertesacker: Das war eigentlich schon immer ein Thema. 2010 haben wir uns natürlich dahin entwickelt, dass wir erst einmal hinten sicher standen und über Konter sehr gefährlich waren. Jetzt spielen wir mit vier Innenverteidigern. Wir hatten heute vielleicht den psychologischen Vorteil, dass in unserer Mannschaft noch etwas geändert wurde, der Gegner konnte sich nicht auf uns einstellen. Es wurden zwei, drei Spieler ausgetauscht, und dann geht es weiter. Dieser Qualität sollten wir uns nicht berauben.

Frage: Ihr TV-Interview nach dem Achtelfinale hat hohe Wellen geschlagen. Was sagen Sie heute mit Abstand zu der Geschichte?

Mertesacker: Ich habe versucht, das abzuhaken und Abstand zu gewinnen von Dingen, die man mal gesagt hat. Ich war wie in Trance, die 120 Minuten steckten so sehr in den Knochen. Ich habe ein bisschen Negativität herausgehört, das war das Einzige. Ich wollte nicht, dass ein Spruch, den man mal raushaut, hohe Wellen schlägt.

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