Neymar bricht sich gegen Kolumbien einen Lendenwirbel. Die Schmerzen können Monate andauern. An Fußball ist vorerst nicht zu denken.

[kaltura id="0_wry8tnid" class="full_size" title=""]

Von Andreas Kloo

München - Ganz Brasilien steht unter Schock.

Die Bilder des vor Schmerzen laut aufschreienden Neymar, der auf einer Trage vom Platz getragen wird, prangten am Samstag auf den Titelseiten jeder größeren brasilianischen Zeitung.

Für den Gastgeber und Turnierfavoriten bedeutet die schwere Verletzung des Superstars und sein damit verbundenes WM-Aus einen sportlichen Super-GAU.

Ohne ihren besten Spieler muss die Selecao nun am Dienstag im Halbfinale gegen Deutschland antreten.

Doch wie schlimm ist eine deartige Verletzung wirklich? Welche gesundheitlichen Folgen drohen Neymar?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Welche Verletzung zog sich Neymar genau zu?

Der 22-Jährige hat sich beim Tritt des Kolumbianers Juan Zuniga den dritten Lendenwirbel gebrochen, also einen Querfortsatz der Wirbelsäule.

Die Wirbelsäule unterteilt sich von oben nach unten in die Halswirbel-, Brust- und Lendenwirbelsäule.

Letztere besteht aus insgesamt fünf Wirbeln, einen davon hat sich Neymar gebrochen.

2. Wie kommt es zu einem Bruch des Lendenwirbels?

Im Normalfall entsteht ein solcher Bruch durch extreme Verdrehungen oder Biegebewegungen.

Seltener ist eine Verletzung durch die Einwirkung großer Kräfte von außen, zum Beispiel bei einem Sturz aus großer Höhe.

Man unterscheidet grob in stabile und instabile Brüche.

3. Wie gefährlich ist die Verletzung?

Im schlimmsten Fall kann es bei einem Wirbelbruch zur Querschnittslähmung kommen, dann nämlich wenn der Wirbelkanal vom Bruch beispielsweise durch Knochensplitter betroffen ist.

Dies ist bei Neymar zum Glück nicht der Fall.

[tweet url="//twitter.com/hashtag/bracol?src=hash"]

4. Welche ärztlichen Maßnahmen müssen eingeleitet werden?

Bei einem stabilen Bruch wie im Falle Neymars ist meist keine Operation notwendig.

Die Verletzung wird dann konservativ behandelt, der Patient trägt über mehrere Wochen oder Monate ein Stützkorsett, das bei der Heilung hilft.

Biathletin Miriam Gössner, die sich im Vorjahr bei einem Radunfall gleich vier Lendenwirbel gebrochen hatte, trug auch lange ein solches Korsett.

Mit zusätzlichen physiotherapeutischen Übungen soll die volle Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule wiederhergestellt werden.

(WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

5. Welche Folgen hat die Verletzung für Neymar?

In ersten Pressemitteilungen ist von einer vier- bis sechswöchigen Pause die Rede. Allerdings geht es dabei nicht nur um eine sechswöchige Auszeit vom Fußballspielen.

Neymar muss eine nahezu komplette Sportpause einlegen, nur leichte physiotherapeutische Übungen sind möglich.

Bis er wieder mit Lauftraining starten kann, dauert es mehrere Wochen.

Gössner, bei deren Verletzung allerdings auch die Bandscheibe betroffen war, musste über zwei Monate warten, bis sie wenigstens wieder Joggen konnte.

Der Fall Gössner zeigt zugleich, was das Heimtückische bei dieser Verletzung ist: die ständigen Schmerzen.

In den ersten Minuten nach dem Bruch sind die Schmerzen kaum auszuhalten. Die Szene, als Neymar vom Platz getragen wurde, lässt erahnen, wie sehr der Jungstar leiden musste.

Er schrie und brach in Tränen aus.

Noch bei der Einlieferung ins Krankenhaus brüllte er vor Schmerzen.

[tweet url="//twitter.com/williamfiebig"]

Für Gössner waren diese Schmerzen ein ständiger Begleiter.

"Ich habe Schmerzen, wenn ich morgens aufwache, und wenn ich abends ins Bett gehe", schilderte die Wintersportlerin im Vorjahr ihre Leiden.

Bis zu zwei Jahre würden sie diese begleiten, prognostizierten ihr die Ärzte nach dem Unfall.

Da die Verletzung bei Neymar etwas weniger schlimm ausgeprägt ist als bei Gössner, dürfte die "Schmerzphase" allerdings nicht ganz so lange andauern.

6. Wann ist Neymar wieder richtig fit?

Das hängt vom Heilungsverlauf ab, den Saisonstart mit dem FC Barcelona Ende August wird er aber sicher verpassen.

Und bis er wieder ganz der Alte ist und seine schnellen Tempodribblings auf dem Platz zeigt, wird es viele Monate dauern.

Denn das Tragen des Korsetts und die nahezu komplette Bewegungspause haben Folgen für den Muskelapparat.

"Meine Muskeln waren komplett weg", erklärte Gössner vor ihrem Comeback im Herbst 2013.

Neymar wird sich diese also erst wieder antrainieren müssen. (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)

Hinzu kommen mögliche Folgeverletzungen.

Instinktiv versucht man den schmerzenden Körperteil nicht zu belasten, so dass sich schnell Fehlbewegungen und ? belastungen anderer Körperteile einstellen.

Gösssner hatte so zum Beispiel auch Knieschmerzen, oft musste sie eine Trainingseinheit nach wenigen Minuten abbrechen.

Die Garmischerin versuchte es schließlich mit einem Psychotrick. Sie sagte sich, die Schmerzen gehören einfach dazu, und gewöhnte sich schließlich daran.

So konnte sie ein halbes Jahr nach ihrem Unfall wieder im Biathlon-Weltcup sparten.

Allerdings musste sie dann schnell feststellen, dass es unter Wettbewerbsbelastung ungleich schwieriger als im Training ist, zur vollen Bewegungsfähigkeit zurückzugelangen.

Gössner gelang dies im vergangenen Winter nicht. Anfang Januar beendete Gössner die Saison vorzeitig und gab ihren Traum Olympia in Sotschi auf.

[image id="0b9040b4-636b-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel