Nach Neymars WM-Aus wird die Kritik an den Referees immer lauter. Scholl und Maradona wüten. Die FIFA leitet Ermittlungen ein.

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Rio de Janeiro - Diego Maradona und Mehmet Scholl gerieten in Rage, Urs Meier schüttelte nur mit dem Kopf, und die FIFA will ermitteln:

Nach dem brutalen Foul an Neymar stehen die Schiedsrichter bei der Weltmeisterschaft in Brasilien wieder am Pranger (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"Der Schiedsrichter war der schrecklichste, den ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe", schimpfte Argentiniens Fußball-Weltstar Diego Maradona in seiner täglichen TV-Show "De Zurda".

Gemeint war der Spanier Carlos Velasco Carballo, der beim 2:1-Erfolg Brasiliens gegen Kolumbien das schwere Foul von Juan Zuniga an Neymar (88.) nicht geahndet hatte.

Der Starspieler vom FC Barcelona, der von Zuniga mit dem Knie am Rücken getroffen wurde, erlitt einen Bruch des Querfortsatzes des dritten Lendenwirbels. Für den 22-Jährigen ist die WM vorzeitig beendet (BERICHT: Brasilien wütet nach dem Neymar-Schock).

Meier: "WM verkommt zum Treter-Festival"

Aber nicht nur Carballo stand in der Kritik.

Der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier rügte allgemein die zu lasche Regelauslegung der Unparteiischen bei der Endrunde.

"Die WM verkommt zu einem Treter-Festival", sagte der 55 Jahre alte Schweizer nach dem vorzeitigen Turnier-Aus von Neymar.

Der Fußball bei dieser WM sei viel zu physisch und körperbetont, "die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden", schrieb der "ZDF"-Experte in einer Kolumne bei "Focus online":

"Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche."

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Ex-Referee leidet mit den Technikern

Beim Viertelfinale zwischen Brasilien und Kolumbien habe es 54 Fouls und vier Verwarnungen gegeben, so Meier: "Das passt zum Stil bei dieser WM. Es ist ein Turnier mit sehr wenigen Gelben Karten. Man toleriert wahnsinnig viel. Da braucht sich niemand wundern, dass es Verletzte gibt. Das wird in Kauf genommen."

Der Eidgenosse mahnte an, dringend Schlüsse im Schiedsrichterbereich des Weltverbandes aus der harten Gangart bei der WM zu ziehen.

"Feine Techniker wie Neymar oder auch Mesut Özil leiden darunter, dass sie ständig auf die Socken kriegen. Sie können sich gar nicht richtig entfalten, weil sie bei jeder Gelegenheit umgetreten werden", betonte Meier.

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FIFA untersucht Foul an Neymar

Die FIFA wird die Szene, die zum WM-Aus von Neymar geführt hat, unter die Lupe nehmen.

Die Disziplinarkommission wird die Szene analysieren, teilte der Weltverband mit.

Ob es sich bei dem Vorfall um ein Foul oder ein Versehen gehandelt hat, soll nun eine Untersuchung klären.

Eine Sprecherin der FIFA sagte, die Bilder der Szene und die entsprechenden Berichte sollen am Samstag geprüft werden, danach werde die Disziplinarkomission eine Entscheidung treffen.

Unterdessen prüft der brasilianische Fußball-Verband CBF eine Klage gegen Zuniga.

Europameister Scholl außer sich

"ARD"-Experte Mehmet Scholl brachte die Szene vollends auf die Palme.

"Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht in der Lage sind oder nicht die Vorgabe haben, brutale Fouls zu stoppen", sagte der Ex-Nationalspieler, der sich in Rage redete:

"Dann wird ein Neymar verschluckt, der wird vom Platz getragen. Wenn es zugelassen wird, dass die Kleinen vernichtet werden, dann haben wir ein Problem, und dann ist es auch nicht mehr unsere Sportart. Das war ein Gladiatorenkampf, aber es hatte mit dem Spiel nichts zu tun."

Klopp: Viele unschöne Szenen in Brasilien

Auch Jürgen Klopp, Trainer des Bundesligisten Borussia Dortmund, merkte kritisch an:

"Unabhängig davon, dass diese schreckliche Sache mit Neymar passiert ist - davon gab es ein paar Szenen zu viel bei dieser WM."

"Ich weiß nicht genau, was die Order war, was man durchgehen lassen sollte und was nicht", erklärte der 47-Jährige weiter: "Ich habe mir während des ganzen Spiels Sorgen gemacht, dass irgendwann einer richtig einen abkriegt. Dass es jetzt ausgerechnet Neymar war, ist für Brasilien natürlich besonders bitter."

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Maradona greift die FIFA an

Hinter der Ansetzung des spanischen Unparteiischen sieht die argentinische Fußball-Ikone Maradona indes eine absichtliche Bevorteilung der Brasilianer.

"Wenn ich sehe, wie die FIFA den Schiedsrichter für eine große Leistung lobt, frage ich mich, was für ein Spiel haben die gesehen? Entweder haben sie Baseball gesehen und waren bei einem Stierkampf. Sie haben geschlafen", wetterte der 53-Jährige.

Laut Maradona habe Brasiliens Torhüter Julio Cesar für das Foul, das zum Elfmeter für Kolumbien geführt hatte, vom Platz fliegen müssen.

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