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Sowohl die argentinische Mannschaft als auch die Fans singen den Schmäh-Song über Brasilien
ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Spiels © getty

Mit einem 1:0 zieht Argentinien erstmals seit 1990 wieder in ein Halbfinale ein. Titelverdächtig spielen die Argentinier nicht.

Aus Brasilia berichtet Frank Hellmann

Brasilia - "Oberkörper frei" ? so lautete hinterher das Motto.

Auf dem Rasen und auf den Rängen. Warum es nicht einfach seiner frenetisch feiernden Anhängerschaft nachmachen?

Das dachten sich offensichtlich auch die argentinischen Stars, als ihre Fans im Estadio Nacional von Brasilia sich zu tausenden die Jerseys vom Leib rissen, um nach einem schwer erkämpften 1:0 (1:0) gegen Belgien (Bericht) den Einzug ins Halbfinale zu feiern (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Zuletzt war das 1990 gelungen. "Das ist bewegend. Das darf gefeiert werden. Diese Mannschaft hat sich das verdient", erklärte der zum "Man of the Match" gewählte Gonzalo Higuain, der bereits nach acht Minuten mit einer feinen Direktabnahme traf.

"Darauf habe ich sehr lange gewartet"

"Ich bin sehr glücklich", sagte der 27-jährige Stürmer hinterher, "das ist das Tor, auf das ich lange gewartet habe." (917381DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Der Stürmer vom SSC Neapel berichtete vom Traum, der dieses Ensemble durchs Turnier trägt: "Das war ein wichtiger Schritt, aber wir wollen noch mehr." Nämlich auch am Mittwoch in Sao Paulo das Halbfinale gegen die Niederlande gewinnen.

Nationalcoach Alejandro Sabella war sehr zufrieden: "Wir haben ein exzellentes Spiel gemacht. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir nach 24 Jahren wieder so einen Moment erleben dürfen. Wir haben die richtige Balance gefunden."

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Effizienfußball - mehr nicht

Doch vor allem in der Schlussphase wackelte der Favorit bisweilen bedenklich; beinahe so wie Sabella selbst, der nach einer vergebenen Torchance fast umgekippt wäre, dann aber von seinem Assistenten Julian Camino aufgefangen wurde.

Es ist also gerade noch einmal gut gegangen für die argentinischen Minimalisten, die in diesem Turnier einen gnadenlosen Effizienzfußball vorführen, der von der lärmenden Gefolgschaft dennoch goutiert wird.

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Hauptsache, die Ergebnisse stimmen. Diesen Anspruch verdeutlichte auch der überraschend in die Startelf gerückte Martin Demichelis.

"Das ist ein ganz besonderer Moment in meiner Karriere. Argentinien hat heute gewonnen, weil wir es wollten", beschied der ehemalige Bayern-Profi in Diensten von Manchester City.

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Viertelfinal-Fluch besiegt

Wie wichtig allein das Resultat war, belegte auch die Reaktion des heimlichen Anführers beim Schlusspfiff: Mehrfach ballte Javier Mascherano die Fäuste, herzte die Mitspieler ? der 30-Jährige hatte die schmerzlichen Niederlagen gegen Deutschland 2006 in Berlin und 2010 in Südafrika ja noch selbst erlebt.

Die "Albiceleste" scheiterte früh im Viertelfinale.

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Bangen um Di Maria

Vor dem Halbfinale gibt es nur eine Sorge: Was ist mit Angel di Maria?

Er sackte nach 33 Minuten und musste ausgewechselt werden. Erste Diagnose: Oberschenkelverletzung. "Ich hoffe, dass es nicht so schwerwiegend ist", sagte Sabella, "er hatte nach einem Torschussversuch Schmerzen."

Ohne di Maria ist auch Lionel Messi weniger wert, der zwar seine Klasse immer wieder aufblitzen ließ, aber nach der Auswechslung seines wichtigsten Spielgefährten blasser wirkte.

"Er muss nicht immer Tore schießen", sagte Sabella, "er hat trotzdem großen Einfluss auf unser Spiel."

Und der 59-Jährige gestand: "Jede Bewegung, die er macht, ist ein Zeichen der Hoffnung für uns."

Da hätte der Fußballlehrer aus Buenos Aires auch gleich sagen können, dass der argentinische Ausgang dieser WM doch wieder am Megastar hängen bleibt.

Van Buyten: Setze auf Deutschland

Den Part des Verlierers musste am Samstag die belgische Rasselbande spielen.

Aber Routinier Daniel van Buyten wirkte trotzdem nicht unglücklich, als er ausführlich Bilanz zog: "Die Qualität ist da, aber etwas mehr Erfahrung hätte uns gut getan. Spielt Deutschland gegen Argentinien, dann setze ich alles, was ich habe, auf Deutschland. Deutschland würde Argentinien locker schlagen."

Auch für Nationaltrainer Marc Wilmots hatten aus Sicht der "Roten Teufel" nur "Details gefehlt".

Wilmots kritisiert Argentinien

Der 45-Jährige tröstete sich damit, dass "meinem jungen Team die Zukunft gehört", weil Spieler wie Alex Witsel, Marouane Fellaini oder Eden Hazard, aber auch Kevin de Bruyne das Zeug zur Weltklasse mitbringen.

Wilmots sagte: "Ich bin stolz auf unser erstes Turnier seit langer Zeit. Die Argentinier haben unseren Rhythmus zerstört, sie haben 45 Sekunden für einen Einwurf gebraucht. Ich habe ein sehr gewöhnliches Team gesehen."

Sein Statement klang deutlich: Für ihn heißt der neue Weltmeister gewiss nicht Argentinien. Die vielen freien Oberkörper bei den feiernden Argentiniern in der brasilianischen Hauptstadt hin oder her.

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