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Bondscoach Louis van Gaal (r.) wechselte Keeper Tim Krul gegen Costa Rica erst Sekunden vor Schluss ein. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des WM-Spieltages © imago

Die Niederlande kommen gegen Costa Rica per Novum weiter. Tim Krul geht aber an die Grenze. Ermittelt die FIFA doch?

Salvador - Erst zauberte er den Helden des Abends aus dem Hut, dann genoss Magier Louis van Gaal den rauschenden Beifall seiner Kritiker.

"Ich bin ein bisschen stolz, dass dieser kleine Trick uns weitergebracht hat", sagte der Bondscoach der Niederlande nach seinem Trainer-Kunststück der besonderen Art. (917381DIASHOW: Die Bilder des Viertelfinals)

Die belgische Zeitung "Het Laatste Nieuws" feierte ihn dafür mit der leichten Abänderung seines Namens "Louis von G(eni)aal" in großen Lettern.

Als die herkömmlichen Mittel zum Halbfinaleinzug nicht gereicht hatten, überraschte der ehemalige Bayern-Coach mit einem WM-Novum und wechselte Sekunden vor Schluss seinen Ersatztorhüter ein.

Tim Krul, seit Wochen im Sondertraining, wurde mit zwei Paraden beim 4:3 im Elfmeterschießen gegen Costa Rica prompt zum Matchwinner (Bericht).

Torwart-Theater irritiert

Allerdings gab es nach dem Elfmeterduell einige Diskussionen um Kruls Verhalten.

Vor dem Elfmeter von Bryan Ruiz hatte Krul mit dem Zeigefinger auf Ruiz gedeutet und mit ihm gesprochen.

"Ich habe Ruiz, der holländisch versteht, gesagt, dass ich weiß, wohin er schießt", klärte Krul nach der Partie auf. Bryan Ruiz spielt aktuell für die PSV Eindhoven, der Costa Ricaner vergab nach Kruls Ansage prompt seinen Versuch.

Ermittelt die FIFA doch noch?

Legitimes Mittel zum Zweck oder ahndungswürdiges Fehlverhalten? Die Meinungen zu Kruls Theater gehen jedenfalls auseinander.

Und: Krul droht nun doch eine Untersuchung der Disziplinar-Kommission des Weltverbandes FIFA.

[kaltura id="0_6lbwkwzl" class="full_size" title="Amsterdam im Partyrausch"]

Wie FIFA-Sprecherin Delia Fischer am Sonntag erklärte, werde der offizielle Spielbericht abgewartet. Aber Fair Play sei der FIFA sehr wichtig, sagte sie.

"Ich habe nichts falsch gemacht", verteidigte sich der Keeper, "ich habe ihnen ihnen gesagt, ich wüsste, wohin sie schießen. Ich wollte in ihre Köpfe kommen."

Kahn verteidigt Krul

"ZDF"-Experte Oliver Kahn mochte nach dem Elfmeterduell sowieso nichts Anstößiges an Kruls Verhalten finden. "Leute, es gehört zum Profi-Sport dazu, dass man mal so ein Gespräch führt", sagte der Ex-Weltklassekeeper.

Auch vor den anderen Elfmetern hatten Hollands Torhüter Krul versucht, die Schützen zu irritieren. Er baute sich unter anderem vor Celso Borges, redete auf alle Schützen ein.

Schiedsrichter Ravshan Irmatov aus Usbekistan ermahnte Krul lediglich, zog aber keine weiteren Konsequenzen.

Wie auch immer: In den Niederlanden wurde van Gaals Schachzug gefeiert.

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Kritiker spenden Applaus

"Goldene Wahl" titelte "De Telegraaf", und "Volkskrant" schrieb von einem "Meisterstück". All die, die den eigenwilligen Trainer wegen seiner umstrittenen Defensivtaktik gerügt hatten, applaudierten.

Van Gaal, der schon in drei der vier WM-Spiele zuvor den Siegtorschützen eingewechselt hatte, hatte mit dem Torwartwechsel wieder alles richtig gemacht.

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Ein persönlicher Triumph über die Kritiker sei dies aber nicht, meinte der in den höchsten Tönen Gelobte: "Das habe ich nicht nötig".

Cillessen reagiert frustriert

Beinahe hätte der Zaubertrick auch gar nicht funktioniert. Der 26 Jahre alte Krul, erst seit dieser Saison die Nummer eins beim Premier-League-Klub Newcastle United, hatte sich schon lange warmgemacht, als die Zeit knapp wurde.

Erst in der Nachspielzeit der Verlängerung, als es immer noch 0:0 stand, kam es doch noch zum Wechsel. "Das war ein bisschen knifflig", gab van Gaal zu.

Der in den Plan nicht eingeweihte Stammtorwart Jasper Cillessen, der in seiner Karriere noch nie einen Elfmeter gehalten hat, reagierte wütend, kickte eine Wasserflasche um und fühlte sich "schwer getroffen".

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Doch als Krul die Schüsse von Bryan Ruiz und Michael Umana abgewehrt hatte, war der Keeper von Ajax Amsterdam einer der ersten, die dem Elfmetertöter um den Hals fielen.

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"Kindheitstraum wahr geworden"

"Wahnsinn", meinte Arjen Robben, der wie Robin van Persie, Wesley Sneijder und Dirk Kuyt seinen Elfer souverän verwandelt hatte. "Heute hat Tim für uns gewonnen", sagte der Bayern-Star.

Gar nicht mehr anzutreten brauchte der letzte Schütze Klaas-Jan Huntelaar. "Gute Freunde lassen mich eigentlich schießen", flachste der Schalker, "aber er hat zweimal gehalten. Da kann ich ihm nicht böse sein."

Der Held aus dem Hut war völlig außer sich. "Ich begreife es nicht", sagte Krul. "Ein Kindheitstraum ist wahr geworden."

Weil er sechs Zentimeter größer ist als Cillessen, hatte ihn van Gaal eingewechselt. "Wenn es nicht funktioniert hätte, hätten mich alle für verrückt erklärt", sagte der Bondscoach.

Costa Ricas Fußbal-Märchen endet

Kein Glück im Elfmeterschießen hatte diesmal Keylor Navas, der erneut überragende Torhüter der Ticos.

Er hatte den Favoritenschreck überhaupt erst ins Viertelfinale geführt. "Diesmal hat es leider nicht geklappt", sagte der Keeper, der mit mehreren Glanzparaden vor allem gegen Sneijder ein Aus schon in den ersten 90 Minuten verhindert hatte.

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"Trotzdem bin ich dankbar, dass wir unser Land so gut vertreten haben", fügte er an.

Nach dem historischen ersten WM-Viertelfinale war das Fußball-Märchen der Mittelamerikaner zu Ende - durch einen Zaubertrick von Louis van Gaal.

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