Neymar bewegt mit seinen Füßen Millionen und sollte Brasilien zum Titel führen. Sein WM-Aus hat Folgen. Sportlich - und finanziell?

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Aus Brasilien berichtet Martina Farmbauer

Fortaleza/Teresopolis - Die Szene spielte sich in der laufenden Woche in Fortaleza ab.

In einer Zeit, in der Brasiliens Fußball-Welt noch in Ordnung war. Eine Ewigkeit scheint das her.

Ein englischer Fan kaufte in der Apotheke neben dem Hotel der Nationalmannschaft Kolumbiens Batterien. "Dieser Typ ist überall", sagte der Brite, schüttelte den Kopf und machte ein Foto von der Verpackung. Ein Heilsbringer verzierte die Hülle: Neymar.

Dieser "Typ", der bis dahin die Tore für die Selecao schoss und sich auch hinten die Bälle holte.

Mehr als ein Fußballprofi

Dann kam das Viertelfinale gegen Kolumbien. Das Foul von Juan Zuniga. Der Wirbelbruch. Neymars WM-Aus. Die Tragödie ist bekannt. (NACHBERICHT: Die Wut nach dem Neymar-Schock)

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Seitdem ist in Brasilien vieles anders. Schließlich steht der 22-Jährige nicht nur für Fußball. Er ist ein Idol mit einer Strahlkraft, die weit über den Rasen hinausreicht.

Der Star des FC Barcelona wirbt für Autos, Sportartikel und andere Produkte. Im vergangenen Monat schätzte das Wirtschaftsmagazin "Forbes" seine Einnahmen auf 33,6 Millionen US-Dollar - 17,6 Millionen davon durch Kicken, 16 Millionen durch Werbung.

Loch im System der Selecao

Ein Ein-Mann-Unternehmen mit beträchtlichem Umsatz - das nun unfreiwillig den Betrieb einstellen muss. Zumindest vorerst.

"Es dauert drei bis sechs Wochen, bis die Verletzung ausgeheilt sein wird", sagt Jose Luiz Runco, Chef der medizinischen Abteilung der brasilianischen Nationalmannschaft.

Was bleibt, sind Wut und Trauer und ein riesiges Loch im sportlichen Konzept der Selecao. Neymar wird im Halbfinale gegen Deutschland am kommenden Dienstag (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Belo Horizonte wohl kaum zu ersetzen sein.

Zumal sein potenzieller Vertreter Willian am Samstag das Mannschaftstraining aufgrund von Rückenproblemen abbrechen musste.

Auf den Straßen von Fortaleza bis Porto Alegre ist die Hoffnungslosigkeit folgerichtig noch immer stärker als der Trotz. Jetzt erst recht? Momentan noch nicht.

Tränenreiche Botschaft

Neymar hat den Traum vom WM-Titel allerdings noch nicht aufgegeben. (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)

In einer Videobotschaft des brasilianischen Fußballverbandes (CBF) sagte er mit Tränen in den Augen: "Es fehlen noch zwei Spiele und ich bin mir sicher, dass meine Mannschaftskollegen alles tun werden, um den Pokal in die Höhe zu stemmen."

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Ohne ihn. Zumindest auf dem Feld. Sollten es die Schmerzen zulassen, wird er aber zumindest im Stadion die Daumen drücken.

"Es kommt auf den Grad des Schmerzes an. Wenn er keine Schmerzen hat, ist nichts verboten", sagte Jose Luiz Runco: "Das gefährdet seine Genesung nicht. Er muss nur sitzen, in einer bequemen Position."

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Als Werbefigur weiter präsent

So oder so: Als Werbefigur wird Neymar in jedem Fall präsent bleiben. Davon ist Joaquim Piera überzeugt.

Piera ist Brasilien-Korrespondent der Zeitung "SPORT" aus Barcelona und Autor des Buches "Neymar, a joya prodigiosa".

"Neymar wird nichts an Marktwert verlieren. Er ist ein Held in Brasilien. Es ist ja nicht so, dass er etwas verbrochen hat. Sondern er wurde verletzt. Sollte die Selecao den Titel holen, denke ich sogar, dass diese Szene zu Werbezwecken verwendet wird", erklärt der Barca-Experte im Gespräch mit SPORT1.

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Finale eine verpasste Chance

Ein hoher Preis für weitere Sponsoreneinnahmen. Und nicht gerade der Hauptgewinn.

Denn: Mit einem Neymar auf dem Platz hätte Brasilien nicht nur weitaus bessere Chancen, Weltmeister zu werden. Auch der Offensivstar selbst hätte sich an die absolute Spitze katapultieren können. Bei seinem Klub und weltweit.

"Wenn er als Weltmeister zurückgekommen wäre, der auch unter den ersten Elf im Finale gespielt hat, dann hätte sich die Rangordnung geändert. Aber so bleibt Neymar einfach die Nummer zwei hinter Lionel Messi", sagt Journalist Piera.

Messi kann Titel holen

Der Argentinier wird die WM nutzen wollen, um den Vorsprung auf seinen Barca-Kollegen weiter ausbauen. Auch Messi kann noch Weltmeister werden. Und vor allem: Er kann seinem Team dabei aktiv helfen.

Am Mittwoch in Sao Paulo geht es für Brasiliens Erzrivalen in Sao Paulo gegen die Niederlande.

Auch keine einfache Aufgabe. Aber Argentinien hat einen Vorteil: Messis Batterien sind noch gut gefüllt.

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