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Weltenbummler und Brasilien-Experte Lutz Pfannenstiel hat Sorge vor einem gewaltsamen und vorzeitigen Ende der WM in Brasilien. "Diese WM wird entweder die tollste aller Zeiten, oder der größte Albtraum", sagte der 41-Jährige.

Er habe "definitiv" mehr Bedenken als vor der WM 2010 in Südafrika: "Ich sage sogar: Wenn die Behörden gravierende Fehler machen sollten, hat diese WM Abbruchpotenzial. Ich hoffe nicht, dass es so kommt und ich glaube es auch nicht. Aber das Potenzial ist da."

Der frühere Torhüter Pfannenstiel, der als einziger Fußballer auf allen Kontinenten spielte und auch der einzige deutsche Profi in Brasiliens erster Liga war, hat sechs der vergangenen zwölf Monate im WM-Land verbracht.

Nach seinen Erfahrungen vor Ort ist er sich "zu 100 Prozent sicher: Die Demonstranten werden auf die Plattform WM nicht verzichten und alles tun, um gehört zu werden." Das Problem sei auch, "dass die Polizei nicht gerade zimperlich ist. Und wenn zwei aggressive Seiten aufeinandertreffen, dann kann es richtig krachen."

Die Aussage von FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, viele Menschen seien nur von den sozialen Medien aufgehetzt und wüssten gar nicht, wofür sie auf die Straße gehen, bezeichnete Pfannenstiel als "ganz schwach. Zumal die Leute, die auf der Straße demonstrieren, zu 90 Prozent nicht aus den Favelas kommen. Es sind gebildete Menschen aus der Mittelschicht. Sie leiden keinen Hunger, aber sie erkennen, dass einiges falsch läuft im Lande."

In den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Gesundheitswesen gebe es "durchaus Grund, auf die Straße zu gehen".

Deshalb unterstützt der Chefscout des Bundesligisten 1899 Hoffenheim, der in Brasilien als Experte für das ZDF und die BBC tätig sein wird, "friedliche Demonstrationen absolut".

Die Fans dürften "niemals den Abenteurer spielen oder versuchen, auf irgendwelchen Abwegen Brasilien zu erkunden". Sie seien aber sicher, "solange sie nicht aus Unwissenheit oder Dummheit ohne Absicherung in eine Favela gehen, vor allem im Nordosten."

Hier gibt es alles zur WM 2014

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