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STURM: Deutschlands Miroslav Klose ist vor dem Finale heiß. Er wisse von 2002, "wie beschissen sich das anfühlt, wenn man im Finale verliert", sagte der Römer. Diesmal wolle er gewinnen und "das Feierbiest rauslassen". Gegen Brasilien erzielte er sein 16. WM-Tor und stieg so zum alleinigen Rekordschützen auf
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Joker sein macht Spaß wie nie. Diese Erfahrung hat nun auch Miroslav Klose gemacht. Seine vierte Weltmeisterschaft war für den deutschen Rekordstürmer gerade mal zwei Minuten alt, da wurde er auch zum WM-Rekordler.

Bei rund 30 Grad drückte der 36-Jährige den Ball gegen Ghana zum 2:2-Endstand über die Linie. Da war der Joker auch für die deutschen Fußball-Fans das, was er im Wortsinne ist: ein Spaßmacher.

Frischen Impulsen von der Bank kommt bei dieser WM der extremen Bedingungen eine "besondere Bedeutung" zu, das hatte Joachim Löw schon im Vorfeld erklärt.

"Spezialkräfte" nennt der Bundestrainer deshalb die Spieler, die zunächst auf der Bank sitzen. Eine weitere Aufwertung, nachdem die Ersatzspieler im neudeutschen Sprachjargon schon zu Ergänzungsspielern aufgestiegen waren.

Bereits nach rund der Hälfte der Spiele war der Wert von 15 Joker-Toren bei der vorherigen WM 2010 in Südafrika eingestellt.

Und so lassen sich Stars auch ungewöhnlich gut vertrösten. Selbst "100-Länderspiel-Männer" wie Klose (133), Lukas Podolski (115) oder Bastian Schweinsteiger (103) nehmen ihre ungewohnte Bankdrücker-Rolle ohne Murren an.

"Sie haben die Aufgabe, neue Energie und neue Impulse zu bringen", erklärte Löw: "Im Zweifelsfall machen sie den Unterschied." Als das DFB-Team in Brasilien erstmals zurücklag, lieferten sie auch schon.

Viele Spieler erkennen die Rolle als Einwechselspieler inzwischen sogar als Spezialauftrag an. So der belgische 32-Millionen-Mann Marouane Fellaini, der beim 2:1-Auftakterfolg gegen Algieren fünf Minuten nach seiner Einwechslung den Ausgleich erzielte und damit die Wende einleitete.

"Wenn ich begonnen hätte, hätte ich das Tor vielleicht nicht erzielt", sagte er.

Im Laufe des Spiels ausgeruht gegen müde Gegner anzuspielen, ist eben vor allem bei großer Hitze ein echter Vorteil. "Wir müssen hier auch das Klima und die Anstoßzeit besiegen", betonte Löw und bläute seinen Spieler ein: "Es ist keine Strafe, wenn ich nicht von Minute eins auf dem Platz bin."

Und die Profis empfinden es diesmal auch nicht so. "Wenn Löw mich nicht von Anfang an bringt, werde ich keinen Stunk machen oder mich beleidigt in die Ecke setzen", sagte Podolski. "Ich sehe das entspannt. Mir ist es egal, in welcher Form ich helfen kann", ergänzte Klose.

Allein mit Frische sind die vielen Jokertore aber natürlich nicht zu erklären. Ein qualitativ breiter Kader und Einfühlungsvermögen des Trainers sind ebenso wichtig. Belgiens Coach Marc Wilmots wechselte auch beim 1:0 gegen Russland den Sieg ein, der erst 19 Jahre alte Divock Origi stellte ihn sicher.

Wilmots ist ein wahrer Joker-Experte: "Ich beschäftige mich immer besonders mit denen, die nicht spielen. So wurde schon die Hälfte unserer Siegtore in der Qualifikation von Einwechselspielern erzielt."

Auch der König der Joker-Spieler hatte in Brasilien natürlich schon Erfolg. Der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld - der Alexander Zickler bei Bayern München zum Bundesliga-Rekord verhalf und Lars Ricken bei Borussia Dortmund zum legendären Tor im Champions-League-Endspiel - brachte beim 2:1 gegen Ecuador beide Torschützen nachträglich.

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