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Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel ist unzufrieden mit den Referees bei der WM
Fandel beendete 2009 seine aktive Schiedsrichterlaufbahn © getty

Der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel hat nach der WM-Gruppenphase ein erstes Fazit gezogen.

"Bislang kann man mit den Leistungen der Schiedsrichter nicht zufrieden sein", sagte der 50-Jährige im Gespräch mit dem "kicker" nach dem Studium sämtlicher bisheriger Begegnungen beim WM-Turnier in Brasilien.

Dem deutschen Referee Felix Brych stellte Fandel ein gutes Zeugnis aus. Brych habe bei dieser WM so konsequent und gradlinig gepfiffen, wie er es auch hier tue.

"Deshalb sage ich ganz deutlich: Wir sind mit der Art, wie er seine Spiele in der Vorrunde angepackt hat, völlig zufrieden", meinte Fandel.

Darüber hinaus analysierte Fandel kritisch: "Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten, und der Fußball muss im Mittelpunkt stehen. Allerdings ist es auch ihre Aufgabe, gewisse Grenzen zu setzen. Wenn man das nicht tut, schadet es dem Fußball eher." Man sehe Vergehen, "bei denen wir sagen: Hier müsste eigentlich eine Verwarnung her."

Zur Debatte über die Qualität der Schiedsrichter aus kleineren Fußball-Nationen meinte Fandel: "Diese Diskussion führen wir alle vier Jahre. Wir sind nicht weiter und nicht anders dran als 2010."

Das ändere sich auch nicht, solange man das Konzept nicht grundsätzlich ändere. Man habe in Brasilien eine Reihe von Schiedsrichtern, "ich meine, es sind zu viele".

Die Auswahlkriterien für eine WM lege die FIFA fest, und es bleibe ihre Sache, diese Konzeption zu überdenken. Einen Gefallen tue man unerfahrenen Schiedsrichtern mit hochrangigen Ansetzungen nicht.

Immer wieder sei unter anderem von Ex-FIFA-Referee Urs Meier der Profi-Schiedsrichter gefordert worden.

Doch dabei handele es sich laut Fandel nicht um "den Mann, der zu einhundert Prozent als Schiedsrichter bezahlt wird, sondern den, der professionell ausgebildet wurde und in einem professionellen Fußball-Land groß geworden ist und dort permanent gefordert wird".

Fandel begrüßt die Torlinientechnologie bei der WM, "denn die Technik funktioniert einwandfrei, sie ist schnell und unproblematisch, und der Schiedsrichter ist völlig außerhalb jeder Kritik".

Übertragen auf die Bundesliga habe er einige Ansätze für Verbesserungen gesehen und führte besonders an: eine zwingende Gelbe Karte, wenn ein Spieler einen Gegner mit offener Sohle auf den Fuß tritt, oder bei den zahlreichen Ellbogenvergehen.

Und "wenn es sich um einen Ellbogenschlag handelt, dann muss der Spieler vom Platz gestellt werden".

Fandel spricht sich nach ursprünglichem Unverständnis inzwischen für das Freistoßspray aus.

Aber er wolle dennoch den Erfahrungsbericht von WM-Referee Brych abwarten und wie sich das Spray in der kommenden Saison in der Champions League bewähre.

Insgesamt findet Fandel die Qualität des Fußballs in Brasilien besser als 2010: "Es wird offener gespielt, vor vier Jahren war die Grundeinstellung eher defensiv."

Hier gibt es alles zur WM 2014

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