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Der brasilianischen Polizei gelang ein großer Schlag gegen Schwarzmarkt-Händler © imago

Der Drahtzieher des Ticketskandals bei der Fußball-WM in Brasilien soll ein FIFA-Mitglied sein.

Der zuständige Polizeichef Fabio Barucke erklärte, man habe die Stimme des Kopfes, der für den Verkauf von Eintrittskarten an die Ticketmafia verantwortlich ist, auf Band aufgezeichnet. Dieser Mann gehöre der Delegation der FIFA an.

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter gab am Donnerstag in Rio de Janeiro an, keine Kenntnis von den Vorgängen zu haben. "Ich weiß von nichts", sagte er der brasilianischen Tageszeitung "Estadao": "Ich beschäftige mich nicht mit Eintrittskarten. Mein Geschäft ist die Politik."

Mit der Verhaftung des franco-algerischen Schwarzmarkthändlers Mohamadou Lamine Fofana war am vergangenen Dienstag einer der größten Schwarzmarkt-Händlerringe aufgeflogen.

Die FIFA wies in einer Stellungnahme des für das Ticketing verantwortlichen Marketing-Direktors Thierry Weil am späten Donnerstagabend darauf hin, dass Fofana keine WM-Akkreditierung besessen habe. Auch habe dieser keinen Zugriff auf den offiziellen Fahrdienst der WM gehabt.

Die FIFA kündigte für Freitag eine Analyse der betreffenden Tickets und will in der Angelegenheit weiter eng mit den ermittelnden Behörden zusammenarbeiten.

Der Kontakt zur Ticketmafia hat auch für eine Handvoll brasilianischer Fußball-Idole ein unangenehmes Nachspiel.

Weil Namen wie Dunga, Jairzinho und Carlos Alberto Torres im Zusammenhang der Ermittlungen gegen Fofana auftauchten, sollen die Ex-Weltmeister und andere Größen aus dem Geschäft als Zeugen verhört werden.

Fofana hatte am 17. Juni in Rio de Janeiro eine Privatparty organisiert, zu der auch die Ex-Nationalspieler eingeladen waren. Der frühere Bremer Bundesliga-Profi Junior Baiano muss nach der Vermietung eines Apartments im Rio-Stadtteil Barra an den 57-Jährigen den Untersuchungsbehörden ebenfalls eine Erklärung abgeben.

Der Vater von Superstar Neymar und Roberto Assis, Bruder von Ex-Weltfußballer Ronaldinho, stehen nach dem Abhören von Telefonaten auch auf der Polizeiliste der Personen, die zur Aufklärung des Falls beitragen sollen.

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