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Das Katz-und-Maus-Spiel im WM-Ticketskandal zwischen FIFA und brasilianischer Polizei um den mysteriösen Mister X im Weltverband geht in die nächste Runde.

Wie das "Globo-TV"-Magazin "Fantastico" am Sonntag berichtete, habe der verhaftete Rädelsführer Mohamadou Lamine Fofana in den letzten zwei Monaten insgesamt 900 Anrufe auf ein offizielles FIFA-Handy getätigt.

Die FIFA reagierte umgehend. "Die FIFA arbeitet mit den Behörden zusammen, um die Aktivitäten der Tickethändler zu unterbinden. Wir haben schon die Liste mit den FIFA-Telefonnummern weitergegeben", sagte FIFA-Sprecherin Delia Fischer am Montag.

In der Sendung wurden zudem Ausschnitte aus den abgehörten Telefonaten vorgespielt. In einem sagt der Franko-Algerier: "Wer hat 50 Karten für das Finale in der Hand? Niemand, okay? Ich habe sie, ich habe sie."

Der "Globo"-Bericht zeigte zudem den Versuch, einen der verantwortlichen Ermittler mit Geld und WM-Tickets zu bestechen.

"Fantastico" filmte auch eine Kladde, in der die Ticketverkäufe mit Summen festgehalten worden waren. Demnach setzte Fofana, der vor einer Woche wegen Schwarzmarkt-Tickethandels gemeinsam mit zehn weiteren Personen verhaftet worden war, in der Vorrunde 112 Karten für umgerechnet rund 303.000 Euro um.

Für das Finale besaß er 25 VIP-Karten, die ihm einen Stückpreis von 17.000 Euro einbringen sollte.

"Es gibt einen innerhalb der FIFA, der in die Sache verwickelt ist, sonst käme er (Lamine, d. Red.) nicht an diese große Zahl an Tickets", mutmaßte Staatsanwalt Marcos Kac.

Es scheint, dass der Weltverband deshalb nicht in den vollen Umfang der Ermittlungen eingeweiht wird.

FIFA-Marketing-Direktor Thierry Weil hatte am Samstag auf einer Pressekonferenz darauf beharrt, dass die Polizei ihm gegenüber nur von 900 abgehörten Telefonaten statt der von Behördenseite verkündeten 50.000 Anrufe gesprochen habe.

Die Zahl deckt sich aber nur mit den Fofana-Telefonaten.

Zudem sprach Weil lediglich über die 141 sichergestellten Tickets, 131 davon von der laufenden WM. Über bereits auf dem Schwarzmarkt umgesetzte Karten gab es keinen Kommentar.

Auch hier entsteht der Eindruck, dass die Polizei den Weltverband im Dunkeln lässt.

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