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Schiedsrichter-Experte Urs Meier kritisiert die Leistung der Unparteiischen bei der WM
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Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Urs Meier hat die Leistungen der Referees bei der WM in Brasilien hart kritisiert.

"Sie pfeifen viel zu großzügig bei dieser WM. Ob Foulspiel oder Schwalben, Reklamationen und Unsportlichkeiten - es passiert nichts", sagte der Schweizer im "kicker".

Es würden kaum persönliche Strafen ausgesprochen. Rudelbildung werde gar nicht sanktioniert, so Meier, der bei dem Turnier als "ZDF"-Experte tätig ist. "Es hat den Anschein, dass es Direktiven gab. Ich verstehe nicht, warum dies so ist. Der Schiedsrichter sollte eigentlich zum Schutz der Spieler da sein und übertriebener Härte den Kampf ansagen."

Von einer geheimen Anordnung des Weltverbandes FIFA berichtete am Dienstag die "Bild-Zeitung".

Nach ihren Informationen habe Schiedsrichter-Chef Massimo Busacca die 25 Unparteiischen angewiesen, so lange wie möglich auf Gelbe Karten zu verzichten und die Spieler zu ermahnen statt gleich zu verwarnen.

Schiris, die sich nicht an die Geheim-Anordnung hielten, müssten fürchten, keine Spiele mehr zu pfeifen. Der Schweizer Busacca wollte sich laut "Bild" nicht zu dem Bericht äußern.

Die nackten Zahlen untermauern die These von der Zurückhaltung der Referees. In bislang 60 Turnierspielen wurden nur 168 Gelbe Karten gezückt, dies sind 2,8 pro Spiel.

Weniger gab es zuletzt 1986 in Mexiko mit einem Schnitt von 2,5. Bei der WM 2006 in Deutschland gab es dagegen 4,8 pro Partie. Auch dreimal Gelb-Rot bedeuten Minusrekord.

Deutschland gehört mit viermal Gelb in fünf Spielen zu den fairsten Mannschaften. Die Spieler von Gastgeber Brasilien kassierten dagegen wie Costa Rica schon zehnmal eine Gelbe Karte. Kein Team erhielt mehr.

Auch der deutsche Schiedsrichter-Boss macht sich angesichts der Zurückhaltung der WM-Schiedsrichter seine Gedanken. "Wenn notwendige Verwarnungen nicht ausgesprochen werden, ist man zunächst verwundert", wird Herbert Fandel in der "Bild" zitiert, "wird das dann zur Regel, ist man mehr als irritiert."

Urs Meier wisse nicht, ob es für ein Umdenken nach der schweren Verletzung des brasilianischen Stars Neymar (Wirbelbruch) schon zu spät sei.

"Zwei Tage vor dem Neymar-Schock habe ich in der Schweiz in einem internen Schreiben diese Auffassung vertreten: Es muss wohl erst ein Knochenbruch eines großen und populären Spielers geschehen, damit etwas anders wird."

Er wolle damit sagen: Er habe kommen sehen, was sich nun leider ereignet habe. "Es werden den Spielern keine Grenzen aufgezeigt. Und die Profis merken schnell, dass sie sich mehr erlauben können."

Hier gibt es alles zur WM 2014

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