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Matthias Steiner gewann in Peking Olympia-Gold für Deutschland © getty

Das Gold von Peking ist Matthias Steiner nicht genug: Nach langer Zwangspause greift er wieder an und steckt sein WM-Ziel ab.

Leipzig - Sein aktuelles "Büro" misst 10 mal 30 Meter und ist vollgepackt mit Hanteln, sein Job ist das Stemmen vom Gewicht eines Airbus A300 und seine Mission der WM-Titel.

"86 Tonnen hat Matthias in dieser Woche gepackt, 120 sollen es bald werden", sagt Bundestrainer Frank Mantek, während Olympiasieger Matthias Steiner laut schnaufend drei Kniebeugen absolviert - mit 180 kg Last über dem Kopf.

Der stärkste Mann der Welt hat im Sportzentrum Rabenberg im Erzgebirge die Vorbereitung auf die Gewichtheber-WM im November in Südkorea begonnen.

"Fange praktisch bei Null an"

"Die Situation könnte wegen der langen Zwangspause (Steiner musste zu Jahresbeginn wegen einer Leisten-Operation drei Monate pausieren, d.Red.) bescheidener nicht sein.

Ich fange praktisch bei null an. So gesehen sind die drei Wiederholungen, die ich gerade mit 180 kg geschafft habe, nicht schlecht.

Meine Bestleistung sind 215 kg bei einer Wiederholung", erzählt Steiner am Ende von 90 Minuten Quälerei und lacht dazu.

Zwischendurch - bei Kniebeugen mit 150, 160, 170 und eben 180 kg brüllt er schon mal ein "leck mich" durch den Raum - traktiert der 140-kg-Koloss seinen schmerzenden Rücken mit spezieller Gymnastik und muss als Diabetiker immer wieder essen, um nicht in den Unterzucker zu geraten:

"Die Belastung ist hoch, die Ausgangslage schwierig. Klar, dass da alles wehtut, die Handgelenke, die Schulter, die Knie. Das sind Anpassungsschmerzen. Das ist ein Gewichtheber gewohnt. Ich höre schon, wenn mein Körper Alarm funkt."

Schwitzen für WM-Gold

Steiner weiß, dass nach den zwei Wochen im spartanischen Kraftraum im Erzgebirge vier Wochen Teneriffa folgen, dann ein Camp in Kienbaum, noch einmal Teneriffa und zum Abschluss Herzogenhorn im Schwarzwald. 20 Wochen gnadenloses Hantelstemmen für WM-Gold.

"Ich rede lieber erstmal nur von einer Medaille. Ich will nicht jetzt schon die große Klappe aufreißen ohne zu wissen, wie mein Körper die Vorbereitung wegsteckt", sagt der Superschwergewichtler, der mit seiner Show auf der olympischen Bühne in Peking die Herzen der Sportfans im Sturm erobert hatte.

10.000 Autogrammkarten hat er seitdem geschrieben, weitere 10.000-mal seinen Namenszug auf T-Shirts, Fotos, Mützen und so weiter hinterlassen.

Er ist in zahlreichen TV-Shows aufgetreten, zu einem der größten nationalen Sportstars aufgestiegen. "Aber was kann ich jetzt noch Neues erzählen?", fragt Steiner:

"Ich will erstmal wieder etwas leisten. Dann kann ich sagen, ich habe nicht nur das Gold in Peking geschafft. Ich will mehr auf dem Konto haben."

Trainer stachelt an

Deshalb arbeitet Steiner sechs Wochen vor seinem 27. Geburtstag all die Kilolasten auf Manteks Plan akribisch ab und wird vom Trainer mit laut in die Runde gesprochenen Sätzen wie "Matthias kann zurzeit vielleicht 170 kg reißen und 200 kg stoßen (bei Olympia 203 und 258, d. Red.), da fehlen fast noch 100 kg" angestachelt.

Und auch die Tatsache, dass selbst auf dem abgelegenen Gelände südlich von Aue Ferienkinder Steiner und seinen Teamgefährten durchs Fenster beim Üben zuschauen und später für ein Autogramm anstehen, motiviert. Steiner: "Wir genießen das."

Bereits am zweiten Trainingstag standen die Kontrolleure der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) im Rabenberger Kraftraum, baten Steiner und seine Truppe zu Blut- und Urintests.

"Ich werde permanent überprüft. Sogar an Heiligabend hatte ich schon eine Kontrolle. Insgesamt wird das Kontrollsystem immer schärfer. Ich begrüße das", sagt Steiner.

"No tolerance" steht auf einem großem Aufkleber an seinem Auto mit der 461 auf dem Nummernschild (Siegerlast in Peking). Und gleich daneben liest man: "Working on a dream - London 2012".

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