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Matthias Steiner wurde in Wien geboren und wuchs in Obersulz, Niederösterreich auf © getty

Matthias Steiner verzichtet auf die Weltmeisterschaft. Der Olympia-Held hat keine Kraft und ist nicht konkurrenzfähig.

Leipzig - Der stärkste Mann der Welt hat keine Kraft für sein erstes WM-Gold. Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner sagte seinen Start bei den Weltmeisterschaften Ende des Monats in Südkorea ab.

Der Trainingsrückstand sei nach seinem Anfang des Jahres diagnostizierten und operierten Leistenbruch einfach zu groß.

"Ich brauche mir nichts schönzureden: So bin ich nicht konkurrenzfähig. Ich fahre nicht zu einer WM, bei der ich nicht um eine Medaille kämpfen kann. Ich muss mich nicht versohlen lassen", sagte Steiner der "Bild"-Zeitung.

Bei den Titelkämpfen in Goyang (18. bis 29. November) wollte sich der 27-Jährige erstmals zum Weltmeister krönen.

Volle Konzentration auf 2010

Seine volle Konzentration gelte nun der nächsten WM im September 2010 in Antalya. Steiner sei zwar voll belastbar, dennoch wäre für die WM eine sehr lange Wettkampfvorbereitung notwendig.

Der gebürtige Österreicher hatte jedoch im Vergleich zu Olympia eine drei Monate kürzere Vorbereitungsphase von nur sechs Monaten.

"Alles andere wäre Unsinn"

Sein Trainer Frank Mantek steht voll hinter seinem Schützling. "Die Entscheidung ist richtig, er ist einfach nicht konkurrenzfähig. Alles andere wäre Unsinn", sagte Mantek. (Steiner-Trainer wehrt sich)

Mit Blick auf London 2012 sei der Zeitpunkt jedoch noch der angenehmste. "Jetzt gilt es, sich wieder hunderprozentig auf das Gewichtheben zu konzentrieren."

Der entscheidende Rückschlag ereilte Steiner bei seinem letzten Testwettkampf vor der WM. In der Bundesliga stemmte der Ausnahmeathlet lediglich 415 kg in die Höhe, ihm gelang sowohl im Stoßen als auch im Reißen jeweils nur ein gültiger Versuch.

Brechstange statt Technik

"Technisch habe ich bei hohen Lasten derzeit Probleme", sagte Steiner. Coach Mantek zeigte sich da schon pessimistisch: "Die Fortschritte, die wir erreichen wollten, sind nicht erfolgt. Matthias hat es mit der Brechstange versucht."

Nach seinem triumphalen Olympiasieg von Peking hatte Steiner zunächst eine viermonatige Pause eingelegt, oft stand der werdende Vater mit seiner neuen Liebe Inge Posmyk im Blitzlichtgewitter. Kürzlich präsentierte er zudem seine Biografie, mit der er endgültig mit seiner Vergangenheit und dem tragischen Unfalltod seiner Frau abschließen will.

Verletzung unterschätzt

Die Verletzung hatte Steiner ohnehin schon noch weiter zurückgeworfen. "Ich habe das unterschätzt und mich überschätzt", sagte der gebürtige Österreicher. Zwei bis drei Monate habe er durch die OP verloren.

Als er mit dem Training schließlich im Mai begann, habe er "anfangs keinen Eimer Wasser" tragen können. Seit Peking hatte Steiner die Heberbühne nur dreimal wieder betreten.

Bei einem Gastauftritt bei einem internationalen Turnier in Österreich stemmte der Superschwergewichtler 425 kg - bei Olympia waren es 461 kg.

Erstmals Deutscher Meister

Drei Wochen später zeigte seine Formkurve bei den deutschen Meisterschaften in Ladenburg weiter nach oben. Steiner meisterte 430 kg und wurde erstmals deutscher Meister. Doch schließlich musste er wenige Woche später dennoch die Segel streichen.

Für sein großes Ziel WM-Gold will sich Steiner in der nächsten Vorbereitung aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Ob er überhaupt an der EM im Frühjahr teilnehmen werde, stehe noch nicht fest. Alles soll der WM in Antalya untergeordnet werden.

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