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Der gebürtige Österreicher Matthias Steiner startet seit 2008 für Deutschland © getty

Der Olympiasieger unterstreicht nach einer für ihn chaotischen Zeit seine Klasse. Das restliche Männer-Team enttäuscht.

Antalya - Mit hochrotem Kopf sprang Matthias Steiner laut brüllend über die Bühne und fiel danach seinem Trainer nach der ersten WM-Medaille vor Freude um den Hals.

Der Olympiasieger gewann bei seiner ersten WM-Teilnahme für Deutschland mit 440 kg im Zweikampf die Silbermedaille.

In seiner Paradedisziplin Stoßen wurde es mit 246 kg sogar Gold.

"Tiefstapeln ist immer gut", sagte der überglückliche Steiner, der "eine Medaille" als Ziel ausgegeben hatte: "Ich habe die ganze Zeit bei 426 kg rumgeschissen. Das war ein weiterer Meilenstein. Ich brauche diese Wettkämpfe, bei denen es um was geht."

Velagic verletzt sich

In einem von Ausfällen geprägten Wettkampf wurde der 20-jährige Iraner Behdad Salimikordasiabi mit 453 kg im Zweikampf Weltmeister und stellte mit 208 kg einen Junioren-Weltrekord im Reißen auf.

Bronze ging mit 440 kg an den Ukrainer Artem Budachin. Für das zweite deutsche Superschwergewicht Almir Velagic war der Wettbewerb im türkischen Antalya wegen einer beim Reißen zugezogenen Schulterverletzung vorzeitig beendet.

London-Gold als großes Ziel

"Er hat heute alle Lügen gestraft, die gesagt haben, Peking wäre eine Eintagsfliege gewesen. Matthias hat wie ein Champion gehoben und ist ein Champion geblieben", sagte Bundestrainer Frank Mantek.

Steiner, dessen Frau Inge im Publikum saß, hatte die WM im Vorfeld als Standortbestimmung bezeichnet, die dazu dienen sollte, die eigene Wettkampfhärte und die Leistungsstärke der Konkurrenz auszuloten.

Das große Ziel des gebürtigen Österreichers, der im Januar 2008 deutscher Staatsbürger wurde, ist der Gewinn einer zweiten olympischen Goldmedaille bei den Spielen in zwei Jahren.

Lange Auszeit nach Peking

Steiner hatte nach seinem Olympia-Triumph von Peking eine längere Auszeit genommen.

Nach zahlreichen Ehrungen, TV-Auftritten, einer Leistenoperation und der Geburt von Sohn Felix war der 28-Jährige bei der EM im April in Minsk nach über einem Jahr auf die internationale Bühne zurückgekehrt und hatte immerhin Bronze gewonnen.

Die WM war erst der zweite bedeutende internationale Wettkampf nach einer Zeit, "in der viel drunter und drüber" gegangen war.

Spieß enttäuscht

Im Schatten von Steiner überwog bei den übrigen deutschen Männer die Enttäuschung. Ex-Europameister Jürgen Spieß (Speyer/Klasse bis 94 kg) verfehlte seine Bestleistung gleich um 33 kg und blieb mit Platz 22 deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Tom Schwarzbach (Chemnitz/85 kg) erwischte ebenfalls einen schlechten Tag. Rang 20 und nur zwei gültige Versuche waren "so ziemlich das Schlechteste, was ich je produziert habe", so Schwarzbach.

Drei Plätze schlechter reihte sich Rene Horn (Frankfurt/Oder/105 kg) ein. Seine Möglichkeiten ausschöpfen konnte dagegen WM-Neuling Jakob Neufeld (Dortmund/77 kg), der nur ein Kilogramm unter seiner Bestleistung blieb und 15. wurde.

Frauen-Trainer zufrieden

Ein durchweg positives Fazit zog Frauen-Bundestrainer Thomas Faselt: "Die Erwartungen sind übertroffen worden. Wir haben mehr Qualifikationspunkte für London gesammelt, als wir gehofft hatten."

Die Olympiasiebte Julia Rohde (Görlitz/53 kg) überzeugte mit drei deutschen Rekorden und sorgte als Zehnte für die beste deutsche Platzierung . "Ich habe mich, glaube ich, ganz gut geschlagen", sagte die 21-Jährige nach ihrer ersten WM.

Zweiter Startplatz winkt

Eine starke Leistung zeigte auch Superschwergewichtlerin Kathleen Schöppe (Chemnitz), die im Zweikampf und im Stoßen persönliche Bestleistungen aufstellte und mit Platz 13 "sehr zufrieden" war.

Sabine Kusterer (Durlach/58 kg) erreichte Rang 17 und konnte wie Anett Goppold (Eibau/69 kg) als 22. noch Qualifikationspunkte für Olympia sammeln. Mandy Wedow (Heidelberg/75 kg) wurde ebenfalls 22., war aber nicht zur Qualifikation gemeldet.

Die deutsche Frauen-Mannschaft hätte derzeit das erklärte Ziel von zwei Startplätzen für London sicher. Selbst ein dritter Startplatz liegt vor dem zweiten Qualifikationsturnier, der WM 2011 in Paris, noch in Sichtweite.

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