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Matthias Steiner nach dem großen Triumph in Peking © getty

Für den Gewichtheber-Star verlief der Prozess-Auftakt um den Unfalltod seiner Frau Susann im Amtsgericht Heidelberg enttäuschend.

Heidelberg - Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner saß dem Angeklagten im Gerichtssaal erstmals Auge in Auge gegenüber, kämpfte tapfer gegen die Tränen und wartete vergeblich auf Antworten zum tragischen Unfalltod seiner Ehefrau Susann.

Der Prozess-Auftakt am Mittwoch im Amtsgericht Heidelberg verlief für den Goldmedaillengewinner von Peking, der sich als Nebenkläger zum Verlauf der Verhandlung persönlich nicht äußern wollte, enttäuschend.

"Es ging Matthias Steiner nicht um irgendein Strafmaß für den Angeklagten. Er möchte den Tod seiner Ehefrau verarbeiten und einfach nur wissen, wie sich der Unfall zugetragen hat. Umso tragischer ist es für ihn, dass sich der Angeklagte nicht äußern will", sagte Steiner-Anwalt Oliver Oeser.

Der Anwalt bestätigte, dass sich der 57 Jahre alte Unfallfahrer bislang nicht persönlich beim Gewichtheber-Olympiasieger entschuldigt habe: "Es gab bisher nur ein kleines Schriftstück."

Gold der verstorbenen Frau gewidmet

Steiner selbst, der bei den Olympischen Spielen im August seine Goldmedaille Susann gewidmet und bei der Ehrung auf dem Siegerpodest ihr Foto in den Händen gehalten hatte, legte bereits im Vorfeld der Verhandlung keinen großen Wert mehr auf eine Entschuldigung des Unfallfahrers.

"Der Fahrer braucht sich bei mir jetzt nicht mehr zu entschuldigen, dafür hatte er ein Jahr lang Zeit. Ich hätte von ihm ein persönliches Gespräch erwartet", sagte Steiner der "Bild am Sonntag".

Von der ersten Vernehmung des Angeklagten in Saal 2 des Heidelberger Amtsgerichts hatte sich der stärkste Mann der Welt, der am Mittwoch von seinem Trainer Frank Mantek begleitet wurde, Klarheit über den Hergang des tragischen Unglücks im Juli 2007 versprochen.

Unfallfahrer nutzt Schweigerecht

Doch der Unfallfahrer nutzte sein Schweigerecht und ließ so die offenen Fragen von Steiner unbeantwortet. "Ich will Gerechtigkeit, keine Rache. Ich will nur die Wahrheit über den Tod meiner Frau wissen", hatte Steiner vor Prozess-Beginn erklärt.

Der Angeklagte Franz G. aus Dielheim war am 16. Juli 2007 aus bislang ungeklärten Gründen auf die Bundesstraße 3 bei Heidelberg auf die Gegenfahrbahn gefahren und frontal in den Nissan Micra der damals 22 Jahre alten Susann Steiner gerast.

Neun Zeugen geladen

Zur Klärung des Vorfalls sind insgesamt neun Zeugen und zwei Sachverständige geladen.

Fortgesetzt wird der Prozess Anfang Dezember. Dann wird auch das Urteil gegen den Unfallfahrer erwartet. "Man kann entweder mit einer Bewährungsstrafe oder einer Geldstrafe rechnen, da der Angeklagte sich zuvor nie etwas zuschulden hat kommen lassen", meinte Steiner-Anwalt Oeser.

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