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Matthias Steiner hatte seinen Triumph in Peking der verstorbenen Susann gewidmet © getty

Der Verursacher des Unfalls, bei dem Steiners Ehefrau starb, kassiert eine Bewährungstrafe. Der Olympiasieger ist enttäuscht.

Heidelberg - Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner verließ enttäuscht den Gerichtssaal, der Schuldige am tragischen Unfalltod seiner Ehefrau Susann erhielt eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

"Dieser schwarze Fleck wird immer bleiben. Ich hatte ein anderes Verhalten von dem Angeklagten erwartet. Aber er hat immer geschwiegen. Das bedaure ich", sagte der als Nebenkläger aufgetretene Chemnitzer.

Für den "stärksten Mann der Welt" ging es dabei nicht um die Höhe der Bestrafung, ihm blieben im Amtsgericht Heidelberg aber einfach zuviele Fragen zum Unfallhergang offen. Auch die von Steiner erhoffte Entschuldigung sei "nicht gekommen".

15 km/h zu schnell

Immerhin zeigte der Verurteilte Franz G. - der sich nur spärlich geäußert hatte und an den Hergang nicht erinnern konnte - in seinem Schlusswort Reue: "Ich kann nur sagen, dass mir das Geschehene außerordentlich leidtut."

Die Vorsitzende Richterin Regina Kaufmann-Granda sah es als erwiesen an, dass die überhöhte Geschwindigkeit des Unfallfahrers zum tragischen Tod der Frau führte und plädierte somit auf "fahrlässige Tötung".

Der 57 Jahre alte Lagerist war am 16. Juli 2007 mit 85 km/h auf der Bundesstraße 3 bei Heidelberg auf die Gegenfahrbahn gefahren und mit seinem Jeep frontal in den Nissan Micra der damals 22 Jahre alten Susann Steiner gerast. Erlaubt waren an dieser Stelle lediglich 70 km/h.

Geldbuße an den Weißen Ring

Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Der Verurteilte, dem außerdem für mindestens sechs Monate der Führerschein entzogen wurde, muss eine Geldbuße in Höhe von 2400 Euro zugunsten der Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring zahlen.

Wie schon am ersten Prozesstag am 12. November (Suche nach der Wahrheit) war der Verhandlungssaal größtenteils mit Medienvertretern gefüllt.

Steiner, der bei den Sommerspielen im August seine Goldmedaille Susann gewidmet und bei der Ehrung auf dem Siegerpodest ihr Foto in den Händen gehalten hatte, verfolgte gebannt das Geschehen.

Verletzung der Sorgfaltspflicht

Die Staatsanwaltschaft hatte eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe beantragt, die Verteidung einen Freispruch gefordert.

Laut Gerichtssprecherin Walburga Englert-Biedert habe es aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit aber keine Zweifel daran gegeben, dass eine Sorgfaltspflichtverletzung vorgelegen habe.

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