vergrößernverkleinern
Bernhard Langer gewann in seiner Karriere zwei Majors und gehört zu den "Big Five" © getty

Altmeister Bernhard Langer hat vom Golfsport noch lange nicht genug. Für den Ryders Cup und Golf bei Olympia hat er große Pläne.

Von Conny Konzack

München - Der Mann ist einfach authentisch. Spricht fast druckreif - immer aus Erfahrung und stets ausgewogen. Bernhard Langer mag kein Schnickschnack und kein Schickimicki, meidet Parties und Promi-Protz.

Vor zwei Jahren ging der deutsche Golf-Guru unter die Senioren - lauter Altmeister und Champions des internationalen Golfsports, die er seitdem geradezu aufmischt.

Mit großem Abstand führt er auf der PGA-Champions Tour, und fast hat es den Anschein, als würde er mit 51 Jahren immer besser. Wie guter Wein.

Dehnen ist das A und O im Golfsport

Für ein paar Tage kehrt er bei den BMW International Open in München-Eichenried nun zu den "Youngsters" zurück - und macht, was er selten tut: Er lobt sich selbst: "Seit zwei, drei Jahren spiele ich richtig gutes Golf, weil ich einfach noch Spaß daran habe." Hat er etwa noch Ambitionen in der 1. Liga?

Im Sport1.de-Interview spricht Bernhard Langer über Martin Kaymer, die Senioren-Tour, den Ryder Cup, Golfen bei Olympia und vergleicht sich mit Franz Beckenbauer.

Sport1.de: Herr Langer, reicht Ihr Spaß-Faktor, um noch einmal auf der Profitour zu siegen?

Bernhard Langer: Naja, ich war in München fünfmal Zweiter und es hat leider nie zum Sieg gelangt, aber so ein bisschen möchte ich die Jungen schon noch herausfordern.

Sport1.de: Was unterscheidet die Champions Tour der etwas Älteren von der PGA-Tour der jüngeren Stars?

Langer: Der ganz große Unterschied liegt in der Kameraderie: Während bei den Jungen das Geschäftliche erstmal im Vordergrund steht, frühstücken wir zusammen und gehen abends oft alle gemeinsam aus. Bei uns gibt es ja immer viel zu erzählen - nicht nur von früher.

Sport1.de: Und was hat das Golfen in puncto Material am meisten verändert?

Langer: Die ganz große Entdeckung der letzten Jahre war für mich vor ein paar Jahren die Einführung der sogenannten Hybriden, also den Zwitterschlägern zwischen Eisen und Hölzern. Die haben das Golfen unheimlich viel leichter gemacht. Mit denen kommst du überall durch - auf Fairways, in Bunkern, im Rough. Und dann die Video-Analysen...

Sport1.de: ...die gibt's doch schon lange.

Langer: Ja, aber nicht das Übermitteln per E-Mail. Ich nehme heute noch in meinem Wohnsitz in Florida meinen Schwung auf Video auf, maile ihn nach Deutschland zu meinem langjährigen Trainer Willi Hofmann - der analysiert meinen Schlag, und zehn Minuten später sagt er mir am Telefon, was ich falsch mache.

Sport1.de: Sie werden vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit dem Sportpreis geehrt. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Langer: Eine große Ehre für großartige Leistungen - aber dafür war ich ja nicht alleine verantwortlich. Ich hatte immer ein gutes Team, angefangen bei meinem Bruder Erwin, der mir von Augsburg aus die ganze Büroarbeit abnimmt...

Sport1.de: ...und mit Ihnen gemeinsam den Ryder Cup 2018 nach Deutschland holen will. Wie sehen Sie als Ryder-Cup-Botschafter aktuell die Chancen dazu?

Langer: Ich kann nur sagen: Unser Land und die Bewerbergesellschaft Ryder Cup Deutschland kann sich nicht ausruhen. Es ist noch ein langer Weg. Fünf andere Länder wollen den Ryder Cup ja auch ausrichten.

Sport1.de: Was macht Sie so zuversichtlich, das Deutschland nächstes Jahr dann auch den Zuschlag erhält?

Langer: Wir Deutsche sind doch organisatorisch top - das haben wir bei der Fußball-WM oder anderen Großereignissen mit unserer Gründlichkeit bewiesen. Wir müssen uns nächsten Monat, wenn die Entscheidung innerhalb der sechs deutschen Ausrichter-Bewerber fällt, so präsentieren, dass das Ryder-Cup-Komittee nicht an uns vorbei kommt. Ich bin gerne der Ryder-Cup-Botschafter, so wie Franz Beckenbauer es für die WM war.

Sport1.de: Welche deutschen Golfanlagen haben sich denn beworben?

Langer: Gut Kaden bei Hamburg, das A-Rosa-Ressort Bad Saarow am Scharmützelsee bei Berin, Green Eagles im niedersächsischen Winsen, Schloß Beberbeck bei Kassel und die beiden bayerischen Vertreter Golfclub Valley bei Holzkirchen und der Wittelsbacher Ausgleichsfond in Neuburg bei Ingolstadt. Aus den Anlagen wird am 14.und 15. Juli der deutsche Bewerber herausgesucht. Im April 2010 fällt dann die internationale Entscheidung, welches Land überhaupt den Zuschlag bekommt. Deutschlands Mitbewerber sind Spanien, Frankreich, Schweden, Holland und Portugal. Und 2018 wird es auch an der Zeit, das der Ryder Cup mal wieder auf dem Festland stattfindet. Das spanische Valderama war 1997 der bisher einzige nicht-britische Ausrichter.

Sport1.de: Und wie steht es mit den Chancen Golf bei Olympia?

Langer: Golf gehört unbedingt ins olympische Programm. Golf ist eine der größten Sportarten der Welt, dem Sport haftet nichts Negatives an und er ist zudem telegen! Ich habe schon einige persönliche Briefe ans Olympische Komitee geschrieben und es sieht so aus, als würde sich auch viel bewegen.

Sport1.de: Zurück zu den BMW Open: Vor einem Jahr spielten Sie in München das erste Mal mit dem späteren Sieger Martin Kaymer (Kaymer und Langer bereit zum Angriff). Wie hat er sich entwickelt?

Langer: So großartig wie ich das für ihn prophezeit habe: Ich freue mich für ihn über seine Entwicklung. Er hat alle Schläge drauf, ist jetzt schon einer der längsten Driver der Welt und ihm fehlt nur noch etwas Beständigkeit. Ich bleibe dabei: Martin kann ein ganz Großer unseres Sports werden! Aber in München habe ich das erste Mal mit dem 20-jährigen Iren Rory McIlroy gespielt und muss sagen: Ich bin von dem Burschen begeistert. In meinem 40-jährigen Golfer-Leben habe ich noch nie so eine perfekte Technik gesehen. Bei dem passt alles: Der Griff, der Stand, der Schwung und der Treffpunkt.

Sport1.de: Wie lange wollen Sie noch den Schläger schwingen?

Langer: Siege kennen kein Alter - und den Bällen ist es auch egal, wie alt man ist...

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel