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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Martin Kaymer hat in diesem Jahr in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Euro eingespielt © getty

Nach zwei Turniersiegen in Folge greift Martin Kaymer auch bei den British Open an. Sport1.de stellt Kaymer und sein Umfeld vor.

Von Conny Konzack

Der Mann ist die Ruhe selbst. Um ihn herum Branchen-Größen wie Tiger Woods, Ernie Els, Retief Goosen oder Titelverteidiger Padraig Harrington. Und was macht der Deutsche, um den sich derzeit im internationalen Golfsport alles dreht?

Er übt sich weiterhin in Bescheidenheit und blickt den arrivierten Superstars genau auf die Finger. Er will nichts anderes als lernen, lernen, lernen.

Dabei fürchten die Superstars schon längst vor ihm.

Unbeirrt von Ausrutschern

Martin Kaymer, der neue Stern des deutschen Sports, zeichnet eine Charakterstärke aus, die ihn groß gemacht hat: Keine allzu große Euphorie und Überschwang im Erfolg zeigen und immer schön auf dem Teppich bleiben. (Alle Golf-News)

So wie in seinem Statement vor den 138. British Open im schottischen Turnberry:

"Die letzten Wochen waren schon unglaublich! Nachdem ich in München Ende Juni als Titelverteidiger nicht ins Hauptfeld gekommen bin, wollte ich beweisen, dass das nur ein Ausrutscher war. Manchmal kann man Niederschläge einfach nicht erklären. Ich habe danach eigentlich nichts an meinem System und Rhythmus geändert, sondern sofort weiter trainiert und trainiert.

"Zwei unglaubliche Wochen"

Der Sieg in Paris (Kaymer siegt und kassiert) gelang Kaymer erst im Stechen gegen Lee Westwood. "Der Sieg war sicherlich knapp, aber ich hatte schon vorher schon die Chance, alles klar zu machen", meinte Kaymer.

In Glasgow (Kaymer gewinnt zweites Turnier in Serie) profitierte Kaymer von den Patzern des vor der Schlussrunde in Führung liegenden Spanier Gonzalo Fernandez-Castano.

"Dieser Sieg war es etwas ganz Besonderes für mich, ausgerechnet in der Heimat des Golfsports. Das waren zwei unglaubliche Wochen für mich."

Favoriten-Rolle bei den Open

Nach den beiden Erfolgen ist es nun klar, dass Kaymer zu den Mitfavoritenrolle bei den British Open gehört.

Er selbst gibt sich dennoch erneut bescheiden: "Dieses Feld hier beim Major-Turnier übertrifft ja alles, was in diesem Jahr angetreten ist. Erhlich gesagt: Meine zwei Siege haben mich etwas sicherer werden lassen und ich freue mich auf die British Open. So ein Dünenkurs wie hier lag mir bisher nicht unbedingt, aber ich bin selbst gespannt, ob ich meine gute Form auch hier unter Beweis stellen kann."

Auf jeden Fall ist Kaymer bestens gerüstet. Der 24jährige hat sein (Um-)Feld bestens bestellt und sein Team gut aufgestellt.

Sport1.de stellt den "Kosmos Kaymer" vor:

Seine Entwicklung

Martin Kaymer war schon als Jugendlicher, der auch gute Chancen auf eine Profikarriere bei den Fussballern von Fortuna Düsseldorf gehabt hätte, ein Ausnahmesportler.

Sein langjähriger Trainer Günther Kessler, mehrfach ausgezeichneter Golf-Coach und Cheftrainer in Nordrhein Westfalen: "Martin zeichnete sich schon damals mit unglaublichem Talent und Trainingsfleiß aus. Vor allem hat mich seine Konzentration beeindruckt."

2006 spielte der gebürtige Düsseldorfer (Sternzeichen Steinbock) beim Challenger-Turnier in Habsberg (zwischen Nürnberg und Regensburg) eine sensationelle 59-er Runde.

Die ganze Golfwelt horchte auf ? bis ins ferne Südafrika, wo Ernie Els ? Kaymers Flightpartner beim Auftakt zu den British Open ? erstmals auf den "German Wonderboy" aufmerksam wurde. Els wurde Kaymers Vorbild. Bis heute.

Der Südafrikaner sagte im britischen Turnberry über Kaymer: "Mittlerweile versuchen wir älteren Spieler, mit dem deutschen Youngster in einem Flight zu spielen."

Seine Erfolge:

2007 gewann der 1.91 Meter große Modellathlet, der zwei bis dreimal die Woche ins Fitnessstudio geht, nach seinem ersten Profi-Sieg in Abu Dhabi als erster Deutscher die BMW Open in München.

Kaymer warnte aber sofort : "Ich möchte gar nicht wie Boris Becker damals so schnell hochgehypt werden, sondern mich langsam entwickeln."

Durch seine Profi-Siege Nummer drei und vier in Paris und Schottland kassierte Kaymer rund 1,5 Millionen Euro - seine bisher dicksten Siegerschecks.

Sein Selbstbewusstsein

Kaymer sagte zu Beginn seiner Profikarriere vor drei Jahren: "Tiger Woods ist sicher der beste Spieler, aber ich will mich nicht mit ihm vergleichen, ich bin Martin Kaymer und will meinen eigenen Weg gehen." Ganz nach oben, versteht sich.

Die ersten zwei Siege bestätigten ihn: "Die Siege in Abu Dhabi und München über viele namhafte Spieler und ehemalige Sieger haben mir für meine Karriere natürlich gut getan, weil ich damit gezeigt habe, dass ich mit den großen Spielern mithalten kann."

Bescheidenheit zeichnet den 24jährigen aus, denn Kaymers Vorgänger als bester deutscher Golfer, Bernhard Langer, lobte: "Nachdem ich das erste Mal mit Martin eine Runde gespielt hatte, wusste ich: Der wird mal ein ganz Großer. Er spielt nicht nur technisch und kraftvoll, sondern auf seinen breiten Schultern sitzt auch den richtigen Kopf für dieses Spiel."

Sein Team

Sein Team ist eigentlich eher schwedisch als deutsch. Kaymers Manager ist der Stockholmer Johan Elliot, der noch zwölf weitere Golfprofis unter Vertrag hat.

Seine direkte Ansprechpartnerin während der Turniere ? Lilian Jansson ? ist wie sein "guter Golf-Geist" Fanny Sunesson auch eine Schwedin.

Fanny, die ehemalige Caddie-Frau von Ex-Weltstar Nick Faldo, ist Kaymers "Lehrerin" auf der Pro-Tour in Sachen Connections, Course Management und (ab und zu auch) Caddy.

Fanny betreut nämlich auch Kaymers Agentur-Kollegen und Gegner Henrik Stensson. Der Schwede ist zurzeit die Nummer sechs der Welt.

Sein Trainer:

Kaymers Golf-Guru ist Günther Kessler. Der mehrfach ausgezeichnete Golflehrer formte den jungen Martin bis heute auf der (öffentlichen!) Golfanlage von Hummelbachaue bei Neuss in Sachen Technik, Training und Tipps.

Kessler sagt über Kaymer: "Martin hat sich schon als Jugendlicher als Ausnahmeerscheinung hervorgehoben, aber er verbessert sich immer noch."

Kessler legt auf Millimeter (auch beim Trimmen der Kaymer-Schläger) und Kleinigkeiten wert, die für eine Profikarriere aber große Bedeutung haben:

"Eines meiner wichtigsten Beispiele, die ich all meinen jungen Spieler von anfang an beibringe: Sie müssen bei jeden Loch mindestens einen Schluck Wasser trinken. Martin hat schnell kapiert, wie wichtig das für einen Profi ist, um während eines Turniers körperlich keine Unterversorgung zu riskieren. Das wirkt sich rasch auf Kondition und Konzentration aus."

Seine Familie:

Die Mutter starb letztes Jahr wenige Tage nach Kaymers München-Sieg. Kurz zuvor hatte sie ihn noch auf dem Krankenbett gebeten, in München anzutreten und seine Karriere so fortzusetzen wie er es geplant hatte.

In Ehren ziert Kaymers neues Golfbag eine gelbe Sonnenblume - die Lieblingsblume seiner Mutter.

Bruder Philipp Kaymer, selbst ein guter Golfer mit Null-Handicap, begleitet ihn oft auf der Tour.

Von Freundin Jenny, die ihn als Ernährungs-Expertin jahrelang half, hat sich der Golfstar erst kürzlich getrennt.

Sein Grund: Er wollte sich nicht schon mit 24 Jahren und am Anfang seiner Karriere ehelich binden. Zumal er mehrer Monate im Jahr von seiner neuen Wohnung in Scottsdale/Arizona aus die US-Turniere bereist.

Seine Finanzen:

Kaymers Werbverträge werden von Experten auf circa acht Millionen Euro taxiert. Mit dem Golfspielen alleine verdiente er in diesem Jahr schon 1,5 Millionen Euro, insgesamt in seiner Karriere bereits circa 3,5 Millionen.

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