vergrößernverkleinern
Bernhard Langer (r.) und sein potenzieller Nachfolger Martin Kaymer © getty

Golf-Legende Bernhard Langer spricht mit Sport1.de über Martin Kaymer, das Potenzial des Kronprinzen und eigene Ambitionen.

Von Conny Konzack

Als Martin Kaymer im Juni die BMW International Open in München Eichenried gewann, saß die deutsche Golf-Legende Bernhard Langer in der Players Lounge.

Dort erlebte er live seine Wachabslösung als bester deutscher Golfer. Von Donnerstag an treffen die beiden Stars zweier Golf-Generationen bei den Mercedes-Championships in Köln-Pulheim wieder aufeinander.

Langer ist Gastgeber, Kaymer will sich noch einmal nachdrücklich für den Ryder Cup vom 16. bis 20.September in Valhalla empfehlen, für den er bisher nur Ersatzmann ist.

Im Sport1-Interview spricht der erfolgreichste deutsche Golfprofi über seinen Nachfolger und seine eigenen Ziele.

Sport1: Seit über 30 Jahren betreiben Sie Leistungssport auf Top-Niveau - woher nehmen Sie die Motivation?

Bernhard Langer: Es war immer die Freude an diesem Spiel. Ich bin 32 Jahre Profi auf der Tour, inzwischen hat sich natürlich für mich viel verschoben: Ich habe Familie. Ich habe inzwischen andere Prioriäten und nicht mehr nur Sport auf Leben oder Tod. Ich bin ein runderer Mensch geworden und nicht mehr nur einseitig ganz auf Golf ausgerichtet.

Sport1: Wie sehen Sie Martin Kaymers Entwicklung nach den beiden Siegen Anfang des Jahres in Abu Dhabi und im Juni in München?

Langer: Martin hat das Zeug, mal ein ganz Großer im Golfsport zu werden, weil er das richtige Rüstzeug dazu hat: eine gute Technik - seine Drives sind jetzt schon Weltklasse -, die Power, die heute notwendig ist, und vor allem einen guten Kopf.

Sport1: Kann Kaymer mal so eine prägende Figur werden wie Sie?

Langer: Ich traue ihm alles zu, es ist ein Frage seiner Entwicklung. Martin kann alles schaffen, wenn er gesund bleibt. Vom 27. bis zum 40. Lebensjahr müsste er mit der Erfahrung und ausgereiften Technik, die er bis dahin sicherlich hat, Spitzensport betreiben können.

Sport1: Sie galten ja immer als gesund ehrgeizig. Würden Sie Ihr Zepter nun gerne an Kaymer übergeben?

Langer: Ja sicher! Sehr gerne sogar! Martin Kaymer ist ein ganz angenehmer Typ, überhaupt nicht von sich eingenommen, und er macht das alles bisher ganz toll. Davon konnte ich mich ja in zwei Runden mit ihm in München überzeugen. Er hat den Kopf auf den richtigen Schultern.

Sport1: Sollte Kaymer - noch ist er ja Ersatzmann beim Ryder Cup - doch noch nächste Woche spielen: Was erwartet ihn?

Langer: Es wird ein ganz anderer Druck auf ihn lasten. Ryder Cup ist ein Mannschaftsspiel, da muss er sich auf Situationen gefasst machen, wie zum Beispiel Applaus bei einem Wasserschlag. Das kennt er ja noch gar nicht! Er kennt ja nur faire Golffans. Aber auch damit wird er gut umgehen.

Sport1: Werden Sie ihm in seiner Karriere helfen können?

Langer: Wenn er meinen Rat braucht, stehe ich gerne für ihn zur Verfügung. Aber ich denke, er wird am meisten von den anderen Großen lernen.

Sport1: Kann Kaymer ein Vorbild für die Jugend werden?

Langer: Er hat das Zeug dazu. Ich finde es toll, dass wir jetzt endliche einen haben, zu dem die Jugendlichen hochschauen können. Ein Zehnähriger tut sich damit bei einem 23-Jährigen doch viel leichter als zu mir hochzuschauen. Der beflügelt die Jungen doch ganz anders und kann damit den Golfsport in Deutschland populärer machen. Die Jugendlichen brauchen so einen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel