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Gehört seit 2002 zur "World Golf Hall of Fame": Bernhard Langer © getty

In Teil II des Interviews erzählt Bernd Langer von seiner Familie. Er schildert zudem, wo das deutsche Golf besser werden muss.

Von Conny Konzack

Sport1: Sie sagten, dass es nicht mehr nur Sport für Sie gäbe, was noch?

Langer: Ich bin immer im Golfsport geblieben, in dem ich mich auskenne. Jetzt sehe ich die Seite des Veranstalters und Organsiators mit unserem Turnier im September in Köln ganz anders als als Spieler. So ein Turnier bedarf ja elf Monate Planung, da hängt ja so vieles mehr dran, das alles ist für mich jetzt interessant. Zum anderen baue ich ja seit 15, 18 Jahren Golfplätze - das macht auch mächtig Spaß.

Sport1: Wie heißen unsere Hoffnungsträger außer Martin Kaymer?

Langer: Zum Beispiel Jean Einhaus, den mein Trainer Willi Hoffmann schon seit Jahren betreut. Oder Stephan Gross, den ich noch nicht kenne, der sich aber in München als einziger Amateur mit Platz 30 unter 120 Profis ganz beachtlich geschlagen hat. Da sind schon einige, die das Zeug haben, auch gute Profis zu werden. Und ein Tino Schuster ist ja auch erst zwei Jahre älter als Kaymer, den er in München noch beinahe eingeholt hätte. Der DGV hat ja mit dem Profisport wenig zu tun, braucht aber erst recht eine Leitfigur für den Nachwuchs.

Sport1: Sind uns da andere Länder voraus?

Langer: Schauen Sie mal nach Frankreich oder Skandinavien! Da gibt es längst zehn oder 20 Profis auf der Tour. Es muss im Verband noch mehr für die Vorbereitung auf den Profisport getan werden - aber da scheint man ja jetzt auf dem richtigen Weg zu sein. Sie helfen sich ja auch selber damit, wenn wir drei, vier Gute haben.

Sport1: Je kürzer Ihre Schläge in den letzten Jahren wurden desto länger die Golfplätze. Ist das eine gute Entwicklung?

Langer: Es war bei vielen Plätzen, die vor 40 oder gar 100 Jahren gebaut worden sind, sicherlich wichtig, sie zu verlängern. Die jungen Spieler sind jetzt einfach wesentlich länger als ich, oft 30 bis 50 Meter. Deswegen habe ich nur noch auf den kurzen Plätzen noch gewisse Chancen und kann ab und zu noch die Youngsters ärgern.

Sport1: Und wie "spricht" Ihr Körper heute mit 50?

Langer: Da bewegt man sich natürlich nicht mehr wie ein 20-Jähriger. Pro Jahr verliert man einige Prozent an Kraft und an Dehnungsmöglichkeit. Aber so ist der Lauf der Dinge. Man baut einfach ab, das ist ein natürlicher Prozess, den man nicht stoppen kann.

Sport1: Ihr Bruder Erwin ist wie die graue Eminenz im deutschen Golfsport. Viele sagen: Ohne ihn geht nichts. Was verdanken Sie ihm?

Langer: Erwin musste in all den Jahren oft für mich den Kopf hinhalten, und des hat ihm nicht immer Freunde eingebracht, auch mal den Buhmann zu spielen, hinter dem ich mich vestecken konnte. Ich verdanke ihm viel mehr, als die meisten denken. Er hat mich immer gut beraten, aufgebaut und war nicht nur Manager, großer Bruder und Psychologe für mich. So einen braucht man halt. Ich bin ja eher der Ja-Sager, er musste oft Nein sagen. Aber ich weiß, dass ich ihm voll vertrauen kann. Das ist unheimlich viel wert.

Sport1: Was verdanken Sie Ihrer Familie?

Langer: Alles! Es gehört viel dazu, immer zu akzeptieren, dass ich wieder weg auf die Turniere musste. Die Familie war immer die zweite Geige, ich habe sie oft vernachlässigen müssen, um meine Sport auszuüben. Und mitzufahren wäre ja für die Kinder kein Leben gewesen - für meine Frau Vikky auch nicht. Jetzt kann ich das Wichtigste zurückgeben, weil ich nicht mehr so viele Turnier spiele: Zeit. Die verbringe ich intensiv mit der Familie.

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