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Bitte nicht anfassen: Faldo will Azinger ja nicht zu nah an den Pokal lassen © getty

Im Ryder-Cup spielt die USA vordergründig gegen Europa. Tatsächlich ist es aber das Duell der Kapitäne Azinger und Faldo.

Von Timo Schlitz

Die beiden Kapitäne des Ryder-Cup, Paul Azinger und Nick Faldo, können sich nicht ausstehen.

Ein Umstand, der den Wettbewerb nur noch brisanter macht.

Dennoch war Paul Azinger der erste, der Nick Faldo auf dem Louisville International Airport die Hand schüttelte und das europäische Ryder-Cup-Team auf amerikanischem Boden begrüßte.

Team Europe landet nur zu siebt

Der Titelverteidiger, das Team Europe, war bei der Landung mit Faldo, Vizekapitän Jose Maria Olazabal und den Spielern Padraig Harrington, Sören Hansen, Miguel Angel Jimenez, Robert Karlsson, Graeme McDowell, Lee Westwood und Oliver Wilson nur zu siebt.

Jedoch das zeigte auch die neue Internationalität: Paul Casey, Sergio Garcia, Ian Poulter, Justin Rose und Henrik Stenson waren schon in den USA, schließlich hatten sie in den Wochen zuvor bei den Turnieren der FedEx-Cup-Serie mitgespielt.

Europäer in Bestform

Der 1,96 Meter große Schwede Karlsson spielte in Köln. Dort sicherte er sich nach zwei Jahren mit guten Ergebnissen, aber ohne Sieg, endlich wieder einen Titel.

Und auch die drei weiteren Ryder-Cupper waren ordentlich unterwegs: Zigarren-Freund Jimenez wurde bei der Mercedes-Benz Championship Dritter, Hansen landete auf Rang acht und McDowell kam unter die besten 20.

Amerika ist Außenseiter

Nicht nur deshalb geht das europäische Team bei der 37. Auflage des Ryder Cup im Valhalla GC in Kentucky als Favorit ins Rennen.

Vor zwei Jahren gewannen sie mit 18,5 zu 9,5 deutlich im renommierten K Club in Irland, 2004 holten sie mit dem gleichen Ergebnis den Sieg in Oakland Hills in Michigan. Damals unter Kapitän Bernhard Langer.

Und auch 2002, im englischen The Belfry, verloren die US-Boys den Pokal von Samuel Ryder, der 1927 zum ersten Mal ausgespielt wurde.

Vorteil Weltrangliste

Auch in Sachen Weltrangliste sind die Europäer so stark wie noch nie. Mit Harrington, Garcia, Stenson, Westwood und Rose sind fünf Spieler sind in den Top 15 gelistet.

Doch Azinger, der als Profi 15 Siege in der Bilanz hält, darunter einen Major-Titel (PGA Championship, 1993), will diesmal unbedingt gewinnen.

Denn er streitet sich immer wieder mit dem etwas schwierigen Engländer Faldo.

Häßlicher Streit um Krebs-Erkrankung

1993 spielte Azinger beim Ryder Cup in The Belfry gegen Faldo, kurz darauf wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Das Match teilten die zwei, auch wenn Faldo bis kurz vor Schluss wie der sichere Sieger aussah.

Doch Azinger zeigte keine Nerven, kam zurück ins Spiel und holte immerhin noch den halben Punkt.

Einige Zeit nach dem damaligen Match sagte er noch ein paar unschöne Worte: "Ich hatte Krebs - und er konnte mich immer noch nicht schlagen."

Holzfällerschwung mit Baseball-Griff

Die Vorgeschichte geht ein paar Jahre zurück: Azinger hatte 1978 die letzten beiden Löcher mit Bogeys abgeschlossen und so den Titel bei der British Open verpasst.

Faldo spendete damals Trost: "Tough luck, old boy." Das Spiel des Amerikaners beschrieb er als einen Holzfällerschwung samt Baseball-Griff.

An dem TV-Moderator Faldo - der Engländer berichtet mittlerweile als Experte für die US-Sender CBS und Golf Channel - wollte wiederum "Zinger", wie sie ihn in auf der Tour nennen, kein gutes Haar lassen.

"Bloß, weil du witzig im Fernsehen bist?"

"Warum sollten dich dieselben Leute, die dich nie mochten, plötzlich gut finden? Bloß, weil du witzig im Fernsehen bist? Die Wahrheit ist, dass Spieler von seiner und meiner Generation nichts mit ihm zu tun haben wollen."

Während eines TV-Interviews im Vorfeld des Ryder Cups gaben sich die beiden Kapitäne von ihrer freundlichsten Seite: Nach dem Cup wollen sie angeblich erst einmal zusammen zum Fischen gehen.

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