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Kultida Woods nimmt ihren Sohn Tiger nach dem Verlesen der Erklärung in den Arm © getty

Echte Entschuldigung oder PR-Coup? Der Superstar spaltet mit seiner TV-Beichte die Nation wie einst Bill Clintons Gespielin.

New-York - Ehrliche Entschuldigung oder lediglich ein gelungener PR-Coup:

Der emotionale Fernseh-Auftritt des Golf-Stars Tiger Woods spaltet die USA - und sorgte an der Wall Street zeitweise sogar für einen deutlichen Umsatzrückgang.

"Das war eine der bemerkenswertesten öffentlichen Stellungnahmen in der Geschichte", sagte TV-Moderator George Stephanopoulos vom Fernsehsender "ABC": "Er hat reinen Tisch gemacht. Das war ein Mann, der eine Menge über sein Handeln nachgedacht hat."

Auch der Ex-Profi Charlie Rymer, jetzt Experte beim "Golf-Channel", war von Woods' Entschuldigung für seine außerehelichen Eskapaden beeindruckt.

Kritik: Zu "durchchoreographiert"

"Wir haben einen aufrichtigen und authentischen Tiger gesehen", sagte der gerührte Rymer: "Es war sehr schmerzhaft mit anzusehen."

Andere Medien waren in der Beurteilung des knapp 13-minütigen Statements, das in allen wichtigen Fernsehsendern des Landes übertragen worden war, deutlich zurückhaltender.(Der Tiger und sein Image-Totalschaden)

Besonders die "durchchoreographierte" Form der Erklärung gab Anlass zur Kritik. Der Ausnahme-Sportler verlas wie ein Staatsmann an einem Redner-Pult stehend und von zwei Kameras gefilmt seine vorformulierte Rede.

Tränen in Woods Augen

Mit Tränen in den Augen und zeitweise zitternder Stimme entschuldigte sich der jäh abgestürzte Superstar wegen mehrerer Seitensprünge bei seiner Ehefrau, Freunden und Fans, kündigte eine weitere Therapie wegen seiner Sex-Sucht an - und erteilte einem baldigen Comeback eine klare Absage.

"Was ich gesehen habe, war Arroganz", sagte Rick Cerone, ehemaliger PR-Chef der New York Yankees im Nachrichtensender "CNN": "Das war hauptsächlich eine Werbeveranstaltung."

Noch weiter ging die Washington Post, die in einem Kommentar feststellte: "Die Entschuldigung von Tiger Woods war so exakt einstudiert, dass sie sich unaufrichtig anfühlte. Im Endeffekt war es nur eine falsche Pressekonferenz, um falsches Verhalten zu entschuldigen." (Reuiger Woods nimmt Auszeit)

Mehrzahl der Bevölkerung beruhigt

Auch den Nachrichtensender "MSNBC" überzeugte der 14-malige Major-Sieger nicht, der nach dem Verlesen der Erklärung seine Mutter Kultida Woods innig in die Arme schloss.

"Ich hatte an einigen Stellen Zweifel, ob er das selbst geschrieben hat", sagte Sportjournalistin Lindsay Czarniak.(Nächster Nackenschlag für Woods)

Doch zumindest eine Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung konnte der 34-Jährige mit seinem ersten öffentlichen Auftritt seit drei Monaten beruhigen.

In einer Blitzumfrage nach der Ausstrahlung fanden 64 Prozent der Zuschauer die Erklärung "ausreichend".

Doch ungeachtet aller unterschiedlichen Interpretationen war das Interesse an der Beichte des ersten Sport-Milliardärs der Geschichte ungemein groß.

Sogar die Wall Street reagiert

Die TV-Sender CBS und NBC unterbrachen sogar ihre Übertragung der Olympischen Winterspiele in Vancouver, um die Rede live zu zeigen.

Medien sprachen von der "meistgesehendsten öffentlichen Entschuldigung" seit der Erklärung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu seiner "unangemessenen Beziehung" zu Monica Lewinsky.

Selbst auf die New Yorker Börse Wall Street strahlte der Auftritt des Golf-Profis aus.

Wie der Finanzsender "Bloomberg" berichtete, fiel der Umsatz während der Sendung von 576,8 auf 456 Millionen gehandelten Aktien.

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