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Beim PGA-Turnier in Doral/Florida im März pausierte Woods - und war doch präsent © getty

Der Hype um Tiger Woods' Comeback in Augusta kennt keine Grenzen. Doch einer unkt: "Er spielt nur, um Sponsoren zu beruhigen".

New York - Veranstalter, Sponsoren und TV-Macher reiben sich die Hände: Die Ankündigung des Comebacks von Golf-Superstar Tiger Woods beim bevorstehenden US Masters in Augusta (8. bis 11. April) versetzt die gesamten Branche in helle Aufregung.

"Das wird das größte Medien-Ereignis der vergangenen 10 bis 15 Jahre nach der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama 2009", sagt Sportchef Sean McManus vom übertragenden TV-Sender CBS.

McManus, der mit Rekordquoten rechnet, hält im Hype um Woods generell nur Superlative für angemessen: "Man kann das Interesse an Tiger Woods gar nicht überschätzen. Seine Prominenz ist durch die Ereignisse der vergangenen Monate sogar eher noch gestiegen. Sein Comeback wird jeden interessieren."

Kein Vorbereitungsturnier

Nach wochenlangen Spekulationen über den Zeitpunkt dieses Comebacks überraschte Woods, der 1997 in Augusta den ersten seiner insgesamt 14 Major-Titel gewonnen hatte, unter anderem auch mit seinem Verzicht auf ein Vorbereitungsturnier für das Masters.

Offiziell begründet er das mit derzeit noch fehlender Form, doch zweifeln Experten diese Darstellung aus verschiedenen Gründen an.

"Er spielt nur beim Masters, um seine Sponsoren zu beruhigen. Eine noch längere Pause hätte bald schon Vertragsbruch von seiner Seite aus bedeutet. Das will er verhindern, nur deswegen spielt er in Augusta", sagt Sportmanagement-Professor Robert Boland von der Universität New York.

"Eine sehr kluge Wahl"

Drei hochdotierte Werberverträge hat Woods zuletzt schon verloren. "Er wird in Augusta sicher viel weniger Zwischenrufe ertragen müssen als auf jedem anderen Kurs der Welt", sagt der Weltranglistenneunte und frühere US-Open-Sieger Jim Furyk: "Deswegen ist Augusta eine sehr kluge Wahl."

Tatsächlich bietet der National Golf Club eine ausgesprochen vornehme und beschauliche Atmosphäre. (Der Tiger und sein Image-Totalschaden)

Während die Organisatoren die Medienvertreter grundsätzlich in ihrer Bewegungsfreiheit kontrollieren oder auch beschränken, zeichnet sich das elitäre Publikum durch höfliche Zurückhaltung aus.

Imagegewinn durch Seitensprünge?

Kein Wunder, ist doch ein Tagespass in Augusta oft Erbstück, Gegenstand von Scheidungskriegen oder nach jahrzehntelangen Wartezeiten nur zu horrenden Preisen im vierstelligen Bereich erhältlich.

Die Golf-Szene freut sich also über die Rückkehr des Tigers auf das Grün. "Alle wollen den besten Spieler der Welt wieder spielen sehen. Er muss tun, was für ihn das Beste ist, und was gut für den Besten ist, ist sicher auch gut für unseren Sport", sagt Furyk.

British-Open-Sieger Stewart Cink hält mittelfristig sogar einen Imagegewinn für Woods aufgrund seiner privaten Verfehlungen für möglich: "Viele haben gesehen, dass Tiger ein Mensch aus Fleisch und Blut und keine Maschine ist." (Auf den Spuren von Monica Lewinsky)

Zuschauerwerte 50 Prozent niedriger

Bei der US-PGA-Tour herrscht angesichts des zu erwartenden Wirbels um Woods natürlich Erleichterung, auch wenn der Superstar über das Masters hinaus noch keinen weiteren Starts in Aussicht gestellt hat.

"Tiger hat viel Zeit in sein Privatleben und seine Profikarriere investiert, um sich auf seine Rückkehr vorzubereiten. Ich rechne damit, dass er wie immer einen recht strammen Kalender haben wird", sagte PGA-Commissioner Tim Fenchem. (Reuiger Woods nimmt Auszeit)

Die US-Tour kann ihren Quotengaranten Woods gut gebrauchen, denn bei Turnieren ohne den Megastar brachen die Zuschauerwerte zuletzt um bis zu 50 Prozent ein.

Für das Masters hingegen prognostizierte das renommierte Marktforschungs-Institut Nielsen (New York) gleich nach der Bekanntgabe des Woods-Comebacks einen TV-Zuschauerrekord.

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