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Martin Kaymers Major-Sieg wurde mit 1,35 Millionen Dollar belohnt © getty

Im SPORT1-Interview spricht Martin Kaymers Trainer Günter Kessler über den Major-Sieg und Deutschlands Ryder-Cup-Bewerbung.

Von Julian Meißner

München - 17 Jahre hat Deutschland auf seinen zweiten Major-Gewinner nach Bernhard Langer warten müssen.

Martin Kaymer beendete die Durststrecke am Sonntag mit seinem sensationellen Sieg bei der PGA Championship in Kohler/Wisconsin.

Vater des Erfolges ist Günter Kessler, Trainer in der Golfanlage Hummelbachaue bei Neuss. Der 53-Jährige arbeitet bereits seit 1997 mit Kaymer zusammen.

Im Interview mit SPORT1 spricht Kessler über den frühen Erfolg seines 25-jährigen Schützlings, die Stärken des "Musterschülers" Kaymer und Deutschlands Ryder-Cup-Bewerbung.

SPORT1: Herr Kessler, kam Martin Kaymers Sieg bei der PGA Championship für Sie überraschend?

Günter Kessler: Es hatte sich angedeutet, dass es in die richtige Richtung geht. Wir haben natürlich darauf hingearbeitet. Aber dass es so zügig geklappt hat, war schon überraschend. Martin spielt schließlich erst seit vier Jahren auf der Profi-Tour. Sein Auftritt war eine tolle Leistung, mit der man zum jetzigen Auftritt nicht unbedingt rechnen konnte.

SPORT1: Was sind die nächsten Ziele, gibt es einen konkreten Fahrplan?

Kessler: Im Golf lässt sich Erfolg leider nicht genau planen. Jetzt steht erst einmal eine kurze Auszeit an. Nach dem Ryder Cup Anfang Oktober werden wir sehen, wie es weitergeht.

SPORT1: Kaymer ist erst 25 Jahre alt. Ist die Nummer eins in der Welt langfristig ein Thema?

Kessler: Wer will nicht Nummer eins der Welt werden? Aber darauf sollte man nicht spekulieren. Er muss schauen, dass er weiter hart an sich arbeitet und zügig lernt.

SPORT1: Sie arbeiten seit über zehn Jahren mit Kaymer zusammen. Was zeichnet ihn als Spieler und als Mensch aus?

Kessler: Er ist als Mensch sehr verlässlich, ruhig und sehr fokussiert. Ein optimaler Typ für den Leistungssport. Als Spieler setzt er genau das um, was man als Lehrer verlangt - ein Musterschüler.

SPORT1: Sie sprechen seine ruhige Art an. Welche Rolle spielt auf höchstem Niveau eine stabile Psyche?

Kessler: In der Weltspitze trennt sich hierbei tatsächlich die Spreu vom Weizen. Extrem wichtig ist zudem ein geordnetes Umfeld. Jeder in der Gruppe um Martin herum hat seine Aufgaben, ich kümmere mich nur um das Golf.

SPORT1: Kaymer sagt, er wolle nun mehr in den USA spielen, um in seinem Spiel voranzukommen. Was sind die Hintergründe?

Kessler: Durch den Titelgewinn hat er nun die Spielberechtigung für die USA über fünf Jahre. Nun muss er gut planen, um die amerikanische und die European Tour unter einen Hut zu bringen. Er will sich zur Weltspitze hin orientieren - und in den USA sind eben eine Menge Weltklassespieler.

SPORT1: Können Sie beschreiben, wo bei einem schon so ausgereiften Spieler die Schwerpunkte im Training liegen?

Kessler: Natürlich gibt es den Fitnessbereich, wie bei jedem Profisportler. Golftechnisch werden alle Facetten des Spiels wie Putten und Driven anteilsmäßig abgearbeitet. Es gibt in dem Sinne bei uns keinen Schwerpunkt, es wird immer das ganze Programm abgearbeitet. Manchmal bekommen Bereiche, wo Martin gerade nicht so stark ist, mehr Berücksichtigung.

SPORT1: Viele sehen Martin Kaymer schon in den Fußstapfen Bernhard Langers. Kann er den Status seines einstigen Vorbildes erreichen?

Kessler (lacht): Fragen Sie mich noch einmal in 30 Jahren. Langer spielt seit unglaublich langer Zeit hervorragend Golf und hat große Siege errungen. Um hier einen Vergleich ziehen zu können, brauchen wir noch einige Zeit.

SPORT1: Besteht dennoch die Gefahr, dass nun die Erwartungen in den Himmel wachsen?

Kessler: Von außen ist das sicher möglich. Aber da der junge Mann sehr bodenständig ist, wird ihn das nicht sonderlich beeinflussen.

SPORT1: Deutschland bewirbt sich um den Ryder Cup 2018. Kann dieser Major-Sieg dafür und vielleicht auch die ganze Sportart einen Schub geben?

Kessler: Man muss abwarten, wie das Ryder-Cup-Komitee das sieht. Hierauf haben wir keinen Einfluss. Für das deutsche Golf generell ist es sicher positiv, dass ein so junger Spieler bereits ganz oben etabliert ist. Das kann helfen, junge Nachwuchsspieler dazuzubekommen.

SPORT1: Die Bewerber um Erwin Langer haben sich zuletzt an die Bundesregierung gewendet, um Unterstützung zu bekommen. Ist das ein Zeichen dafür, dass der Stellenwert der Sportart hierzulande nicht allzu groß ist?

Kessler: Das ist richtig. Wir sind nicht da, wo wir hingehören. Golf als Leistungssport wird immer noch unterschätzt und in der Öffentlichkeit stiefmütterlich behandelt. Es ist auch Aufgabe der Verbände, sich mehr zu öffnen und sich besser darzustellen. Hier hapert es noch etwas.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Chancen ein, den Ryder Cup 2018 nach Deutschland zu holen?

Kessler: Die Konkurrenz ist hart. Die Zeit wird zeigen, ob genügend Kapital vorhanden ist, die Bewerbung durchzustehen.

SPORT1: Was erwarten Sie von Kaymer beim diesjährigen Ryder Cup in Wales im Oktober?

Kessler: Ich hoffe auf eine gute Performance von Martin - und natürlich, dass Europa den Cup gewinnt.

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