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Ein weiteres Highlight: Kaymer erobert in einem packenden Duell gegen die USA mit dem europäischen Team den prestigeträchtigen Ryder-Cup
Europas Kapitän Colin Montgomerie nannte Martin Kaymer "eine wichtige Stütze" © getty

Martin Kaymer reist mit gemischten Gefühlen vom Ryder Cup zum nächsten Turnier in Schottland. Die Atmosphäre macht ihm zu schaffen.

Newport - Am Morgen nach Europas großem Golf-Triumph saß Martin Kaymer völlig übermüdet im Flugzeug.

Der Alltag rief, an der schottischen Ostküste steht ab Donnerstag die hoch dotierte Links-Meisterschaft an.

"Ich bin extrem müde und möchte jetzt erstmal zwei Tage lang viel schlafen. Und dann will ich am ersten Abschlag fit sein", sagte der neue deutsche Star.

Bei sich hatte Kaymer nicht nur die unvergesslichen Momente des Vortages, als er mit der europäischen Mannschaft den Ryder Cup von Titelverteidiger USA zurückgeholt hatte, sondern auch einen Aufgabenzettel für die nächsten Wochen.

Herbe Niederlage am Schlusstag

Schließlich hatte der 25-Jährige bei der 38. Austragung des Kontinentalvergleichs im walisischen Newport nicht nur Grund zur Freude, die herbe Niederlage am Schlusstag im Einzel gegen Dustin Johnson nagte sichtlich an ihm.

"Natürlich war ich frustriert, schließlich lässt man sein Team nicht gerne hängen, gerade an einem so wichtigen Tag", sagte der Weltranglistensechste. Woran es lag? "Keine Ahnung, ich muss mir erstmal mit meinem Trainer ein paar Schläge am Fernseher anschauen."

Opfer der Atmosphäre

Technische Probleme schließt er nicht aus, obwohl "ich nicht viel falsch gemacht habe. Das waren wohl eher Kleinigkeiten." Kaymer räumt ein, ein Opfer der Atmosphäre geworden zu sein 295469(DIASHOW: Der Ryder Cup).

"Das kann durchaus ein Problem gewesen sein. Es ist aber schwer zu sagen", sagte Kaymer, der zu Beginn schon eine "sehr große Nervosität" verspürte: "Was diese tollen Fans hier veranstaltet haben, das habe ich mir nicht ausmalen können. Später im Turnier habe ich es dann genießen können."

Lehrling baut auf Analyse

Ungeachtet seiner herausragenden Erfolge in unglaublich kurzer Zeit als Profi sieht sich Major-Gewinner Martin Kaymer immer noch als Lehrling, der alles um sich herum aufsaugt wie ein Schwamm und der Sache gerne auf den Grund geht.

"Analyse ist für mich unheimlich wichtig. Ich habe viel aus meinen Fehlern gelernt, und auch dieses Ereignis hier wird mir in den nächsten 10, 15 Jahren helfen", sagte Kaymer, der selbstkritisch sagt: "Ich war im Matchplay noch nie wirklich gut. Ich weiß auch hier nicht, woran es lag. Aber ich muss was dran tun. Was, weiß ich noch nicht genau."

Zurückhaltende Natur

Probleme hatte Kaymer nicht nur mit seinem Spiel ("Ich habe an allen Tagen nicht mein bestes Golf gezeigt"), sondern auch mit seinen Emotionen.

Während zahlreiche Mitspieler die Fans entlang der Fairways mitrissen, spulte Martin Kaymer seine Runden zurückhaltend ab. Nur gelegentlich sah man den Anflug eines Lächelns oder gar die Faust.

Die Fans anpeitschen, das ist nicht sein Ding: "So bin ich nicht, ich will mich auch nicht verstellen. Aber vielleicht lerne ich das ja noch in den nächsten Jahren."

Das Positive überwiegt

Doch Kaymer will sich auch nicht alles schlechtreden lassen.

Auch wenn für ihn nicht alles rund lief, überwiegt das positive Gefühl: "Für mich ist das schon jetzt eine sehr erfolgreiche Saison. Ich bin erst vier Jahre Profi, habe ein Major gewonnen und nun auch den Ryder Cup gespielt. Ich bin unheimlich stolz, als zweiter Deutscher nach Bernhard Langer dabei gewesen zu sein. Solche Momente wie die Eröffnungsfeier werden mich die nächsten Wochen noch tragen und motivieren."

Geldrangliste als Nahziel

Und Kaymer hat noch Ziele. "Ich bin im Moment in der Geldrangliste die Nummer eins, und diesen Titel will ich in diesem Jahr endlich gewinnen. Im letzten Jahr hat es wegen meines Kart-Unfalls nicht geklappt. Deshalb will ich in Schottland nach Möglichkeit gewinnen", sagte Kaymer,

Was dann 2011 passiert? "Darüber mache ich mir im Winter Gedanken."

Einen genauen Plan für 2012 hat er dagegen schon: "Dann will ich wieder Ryder Cup spielen, denn hier habe ich Lust auf mehr bekommen." Dann wollen und müssen die Europäer ihren Titel in Medinah bei Chicago verteidigen.

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