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Bernhard Langer gewann in diesem Jahr zwei Major-Turniere auf der Senioren-Tour © getty

Die Golf-Legende ist stocksauer, denn der deutschen Ryder-Cup-Bewerbung für 2018 bleibt finanzielle Unterstützung verwehrt.

Von Conny Konzack

Frankfurt - Vor den deutschen Golfclub-Präsidenten warb er brav und eloquent für das "drittgrößte Sportereignis der Welt nach Fussball WMs und Olympia" - den Ryder-Cup.

Doch zuvor ließ der immer noch erfolgreiche Altmeister Bernhard Langer mächtig Dampf ab.

Der 53-Jährige war eigens nach Frankfurt zum außerordentlichen Verbandstag des Deutschen Golfverbandes (DGV) gekommen, um zu retten, was bereits verloren scheint: Die Ryder Cup-Ausrichtung 2018 in Deutschland.

Und für ihn ungewöhnlich hart beschimpfte Langer die deutsche Politik pauschal, weil sie Ende Oktober jegliche finanzielle Unterstützung verweigert hatte.

"Politiker kleinkariert"

"Die Politiker sind kleinkariert und haben nicht kapiert, wie gut sich Deutschland weltweit präsentieren könnte, wie gut ein Top-Sportereignis den Tourismus ankurbelt und vor allem sehen die nicht, dass nach den 18 Millionen Euro als Lizenzgebühr, die sie jetzt nicht zahlen wollen, etwa 60 bis 80 Millionen zurückfließen", redete sich Langer in Rage.

Die deutsche Golf-Legende hatte sich bereits im Sommer mit einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt - ohne Erfolg.

Keine finanzielle Unterstützung

Der Bund und das Land Bayern - dort befindet sich der potenzielle Austragungsort Neuburg an der Donau - wollen nur noch "ideell und organisatorisch" helfen.

Das brachte Langer auf die Palme: "Ich hätte mir von der Politik schon mehr erwartet! Die schaden nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Wählern und unserem Land."

Erwin Langer, Geschäftsführer der Ryder Cup Deutschland GmbH, wollte vor Schreck über diese ungewöhnlich harten Wortes seines Bruders noch schlichten ? aber gesagt war gesagt.

Auch Boris Becker enttäuscht

Auch die Ryder Cup-Botschafter Boris Becker, Oliver Kahn, Waldimir Klitschko und Heiner Brand sind darüber enttäuscht, dass der Golfsport in Deutschland trotz Zuwachsraten und einer gut organisierten neuen Schul-Offensive offenbar noch keine genügend große Lobby in der Politik hat..

"Als ich meine Unterschrift als Botschafter gab, hätte ich nie daran gedacht, dass das Ganze noch ein Politikum wird", sagte stellvertretend Handball-Bundestrainer Brand.

Kaymer sagt Unterstützung zu

Doch Langer hatte auch Positives zu vermelden.

"Am Wochenende teilte mir Martin Kaymer mit, dass er unsere Bewerbung in Wort und Bild auf Werbeplakaten unterstützen wird. Ein guter Botschafter für den deutschen Golfsport ist er ja schon jetzt. Seine Mitarbeit wird unserer Arbeit einen Schub geben", sagte der 53-Jährige.

Jetzt müssen die Golfer mitfinanzieren

Als Langer schon längst heim zu seiner kranken Mutter nach Augsburg gefahren war, mussten die Clubpräsidenten des DGV dann alleine über eine Finanzierung der von der "Ryder Cup Europe Lim." geforderten Lizenzgebühr abstimmen.

Ergebnis: Neun der 18 Milllionen deckt die früher ungeliebte, aber reiche Tochter des DGV, die "Vereinigung clubfreier Golfer" (VcG) ab.

Die zweiten neun Millionen müssen allein über Spenden und Sponsoren aufgebracht werden.

Die 18 Millionen Euro würden allerdings nur dann fällig, wenn sich Deutschland bei der Vergabe im April 2011 gegen die Mitbewerber Spanien, Portugal, Frankreich und die Niederlande durchsetzen sollte.

Die Hintertür der Langer-Brüder

Die deutsche Industrie übrigens zögerte, finanziell auszuhelfen. Der Grund: Die Ryder Cup Deutschland GmbH besitzt keinerlei Vermarktungsrechte.

Die liegen alle bei der in London ansässigen "Ryder Cup Europe Limited."

Doch die Gebrüder Langer hoffen mit ihrer Firma "Langer Sports Management" auf die Rechte, den Engländern mit deutschem Know how zu helfen ? für ein gutes Honorar, versteht sich.

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