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Mit 18 Jahren wurde Sandra Gal deutsche Schüler-Meisterin im Golf © getty

Im Interview mit SPORT1 spricht Sandra Gal über ihre Karriere, das Leben in den USA und Unterschiede zum Golfsport in Europa.

Von Barnabas Szoecs

München/Los Angeles - Die Sensation ist geschafft: Sandra Gal gewann als zweite deutsche Frau nach Tina Fischer ein Turnier auf der LPGA-Tour.

Dabei war das letzte Jahr für die gebürtige Düsseldorferin, die schon seit 2004 in Florida lebt und trainiert, nicht rund gelaufen. Mehrere Verletzungen warfen sie immer wieder zurück.

Mit 14 Jahren erst hatte die nun 25-Jährige ernsthaft zu trainieren begonnen und stand mit 17 zum ersten Mal im Nationalteam.

Seit 2008 ist sie auf der US-Damen-Tour unterwegs und erspielte sich seitdem über 600.000 Dollar Preisgeld (Mo., 23.50 Uhr: die Audi Golf-News im TV auf SPORT1).

Im Interview mit SPORT1 spricht Sandra Gal über ihren ersten LPGA-Sieg, ihr Leben im Sonnenstaat Florida und die Bedeutung des Golfsports in Deutschland.

SPORT1: Frau Gal, nach einigen Verletzungen im vergangenen Jahr ist Ihnen in Los Angeles nun der erste Turniersieg auf der LPGA-Tour gelungen. Was hat den Ausschlag für den Erfolg gegeben?

Sandra Gal: Seitdem hat sich alles etwas gedreht. Ich habe eine andere Einstellung zum Golfen, spiele mit viel mehr Spaß und bin dankbarer für das was ich habe - das hat auch mein Spiel verändert. Seit August habe ich auch einen super Caddy. Ich denke nun weniger über den Schwung nach.

SPORT1: Sie sind nach Tina Fischer erst die zweite Deutsche, die ein LPGA-Turnier gewinnen konnte. Was kann man nun von Ihnen erwarten?

Gal: Mein Ziel ist es, die Nummer eins der Welt zu werden. Das wird natürlich nicht in diesem Jahr passieren. Ich gebe mir zwei bis drei Jahre. Hoffentlich gibt es bis dahin noch viel mehr Siege.

SPORT1: War der Sieg eine große Erleichterung? Hat es Sie sogar gestört, dass der Turnier-Erfolg bislang ausblieb?

Gal: Das Timing war einfach richtig. Ich musste meine Einstellung etwas ändern, um zu gewinnen. Klar hat es mich gestört, weil ich von Anfang an gewinnen wollte. Aber ich glaube, erst jetzt war ich mental reif und spielerisch auch viel besser. Die Erfahrung der letzten zwei bis drei Jahre auf der Tour, die man braucht, haben ebenfalls dazu beigetragen.

SPORT1: Das Preisgeld für den Turniersieg betrug 255.000 US-Dollar. Steht jetzt eine ausgedehnte Shopping-Tour an?

Gal:(lacht) Darüber habe ich eigentlich noch gar nicht nachgedacht. Das hohe Preisgeld ist natürlich schön, aber es ist nicht der Grund, warum ich Golf spiele. Ich weiß noch nicht, was ich mit dem Geld machen werde.

SPORT1: Wann haben Sie den Gedanken gefasst, Profi-Golferin zu werden?

Gal: Ich habe erst relativ spät angefangen, intensiver Golf zu spielen. Nämlich mit 14. Es gibt viele Spielerinnen auf der Tour, ob Koreanerinnen oder Amerikanerinnen, die noch sehr jung sind mit sieben oder acht Jahren darauf getrimmt sind, Profi zu werden. Diesen Werdegang hatte ich gar nicht. In Deutschland war es nur ein Hobby - erst im College habe ich mit dem Gedanken gespielt, Proette zu werden. Deshalb war das Timing für mich sehr gut.

SPORT1: Sind Sie wegen des Sports nach Florida gezogen?

Gal: Das war zwar der einzige Grund, dennoch wusste ich noch nicht, ob ich Profi werde. Ich wollte mit die Chance offen lassen. In Deutschland hätte ich nicht gleichzeitig die Universität besuchen und Golf spielen können. Dazu kommt das gute Wetter in Florida. Morgens gehe ich in die Uni, nachmittags trainiere ich und spiele dann auch die Turniere. Ich habe mir gesagt: wenn ich in den USA gut spiele und Turniere gewinne, dann habe ich eine Chance.

SPORT1: Gab es Momente, in denen Sie den Golfschläger in die Ecke schmeißen wollten?

Gal: Nein, eigentlich nicht. Als es jedoch im ersten Viertel des Jahres 2010 nicht gut für mich lief und mein Spiel nicht gut war, hatte ich zwar nicht viel Lust auf Golf, aber an Aufgeben habe ich nie gedacht. Ich wollte mich durchkämpfen. Diese Zeit war aber ein Tiefpunkt.

SPORT1: Schauen Sie sich als Profi-Golferin eigentlich Hollywood-Golf-Filme an? Da gibt es mit "Tin Cup", "Die Legende von Bagger Vance", "Caddyshack" oder "Happy Gilmore" einige Varianten.

Gal: (lacht) Einer der besseren war "Die Legende von Bagger Vance", weil er eine schöne Story hatte.

SPORT1: In Deutschland erlebt Golf einen enormen Aufschwung, wird immer populärer. Das einstige Klischee "Golf ist ein Sport der Reichen" scheint nicht mehr bedient zu werden. Wie erklären Sie das?

Gal: Ich finde den Unterschied zwischen Europa und der USA recht interessant. Während in Europa der Sport langsam aber sicher immer populärer wird, ist es hier in den USA ein Sport für Jedermann. Ich freue mich aber sehr, dass Golf nun nicht mehr als Sport der Reiche und Älteren gesehen wird. Golf ist cool, macht eine Menge Spaß und bedarf auch Fitness. Ich hoffe, dass ich dazu ein wenig beitragen kann - ich hoffe es zumindest.

SPORT1: Wie wichtig ist Ihnen Ihre Vermarktung? Sie haben ja einige Fotoshootings gemacht. 371749(DIASHOW: Golf-Prinzessin mit vielen Talenten)

Gal: Die Shoots machen mir natürlich sehr viel Spaß, aber es ist keine wichtige Sache in meinem Leben. Aber wenn ich damit den Golfsport etwas besser vermarkten kann und ein bisschen mehr Interesse wecken kann, dann ist das doch eine gute Sache.

SPORT1: Sie standen ja auch mal bei einer Modelagentur unter Vertag. Gab es denn auch kritische Stimmen zu Ihrer öffentlichen Vermarktung?

Gal: So genau weiß ich das nicht, kann auch nicht sagen, wie es bei den Leuten ankommt. Bislang habe ich allerdings durchweg nur positives Feedback bekommen. Ich weiß nicht, ob mir jemand ins Gesicht sagen würde, dass er die Fotos nicht toll findet.

SPORT1: Wäre Ihnen das egal?

Gal: Ja klar. Ich mache, was mir Spaß macht und mir gefällt. Ob das nun gut ankommt, ist mir persönlich nicht wichtig.

SPORT1: Haben Sie eigentlich schon Tiger Woods getroffen?

Gal: Mein Trainer kennt ihn, aber ich habe ihn noch nicht kennengelernt. Es ist natürlich sehr interessant, ihn zu beobachten. Aber ein echter Fan von ihm bin ich nicht.

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